1. Leben
  2. Motor

VW Golf, Opel Astra und Kia Ceed im Vergleich

Vergleichstest : Attraktive Auswahl in der meistgekauften Klasse

VW Golf, Opel Astra und Kia Ceed: Drei kompakte Turbo-Benzin-Modelle mit Leistungen zwischen 140 und 150 PS im Vergleich.

Neuheiten auf dem Automarkt spiegeln oft den aktuellsten Stand des technisch Machbaren wider. So auch der VW Golf in seiner nun achten Generation. Ganz offensichtlich geht er – zumindest was den Sektor Digital-Cockpit und Vernetzung betrifft – sogar noch einen Schritt weiter.

Im direkten Vergleich trifft der neue VW Golf auf zwei seiner härtesten Rivalen, den Opel Astra und den Kia Ceed. Dank der Turbobenziner im Trio, die 140 PS/103 kW bis 150 PS/110 kW aus Hubräumen zwischen 1,3 (Opel Astra) und 1,5 Liter (VW Golf) leisten, sind die Kompaktwagen zwar kräftig, aber nicht übermäßig stark motorisiert.

Zwei setzen auf vier Zylinder, der Opel Astra 1.4 DI Turbo begnügt sich mit deren drei. Stärkster im Feld ist der VW Golf 1.5 eTSI mit 150 PS/110 kW. Er ist allerdings in der umfangreichen Ausstattungslinie Style mit 32 480 Euro der Teuerste.

Serienmäßig verfügt er unter anderem über das volldigitale Cockpit, eine in dieser Klasse nur selten angebotenen Dreizonen-Klimaautomatik, hervorragende LED-Plus-Scheinwerfer und einen bequemen Fahrersitz, der elektrisch verstellbar ist und auch mit Massagefunktion verwöhnt. Wer noch Lust und Geld für einige Extras übrig hat, ordert zum Beispiel für rund 1900 Euro das adaptive Fahrwerk, die Progressivlenkung und 17-Zoll-Räder.

Bei der Bedienung ist VW vielleicht für manchen älteren Kunden einen Schritt zu weit gegangen. Viele werden sich nicht sofort zurechtfinden, und selbsterklärend sind die Bedienfunktionen auch nicht. Mit solchen Nöten haben die beiden hier angetretenen Kontrahenten keine Last. Vor allem Cockpit und Bedienung haben die Designer bei den ebenfalls noch recht jungen Modellgenerationen von Kia Ceed und Opel Astra eher konventionell gestaltet. Viele Kunden finden das gut, doch in der nächsten Generation könnte es schon anders sein.

Die kleinen Lenkradtasten beim Astra zum Beispiel dürften den nächsten Modellwechsel nicht überleben. Besonders gefallen haben uns bei ihm die vielfach verstellbaren Sitze und überwiegend ordentlichen Materialien im Innenraum. Der Kia Ceed bietet auf Wunsch besonders stark konturierte Sportsitze für 1490 Euro mit elektrischer Verstellung des Fahrersitzes und Sitzheizung sogar hinten.

Zu den Motoren und zum Verbrauch: In der Praxis schneidet der mit einem Mildhybrid kombinierte Golf 1.5 eTSI am günstigsten ab. Im Test gönnte er sich im Durchschnitt 6,4 Liter Super auf 100 Kilometer und lag damit nahe am WLTP-Normwert von 5,9 Litern. Zurückhaltend und meist über Land gefahren, bleibt er sogar unter fünf Litern. Segelfunktion und Zylinderabschaltung helfen ihm dabei. Der Mildhybrid unterstützt den Motor beim Anfahren und Beschleunigen.

Die Wettbewerber liegen nicht weit entfernt: Beim Opel Astra sind es 6,7 Liter auf 100 Kilometer. Die drei Zylinder bringen ihm dabei keine Vorteile. Der Kia Ceed genehmigt sich mit 7,2 Litern einen Zuschlag.

Eng zusammen liegen die Kandidaten bei den Fahrleistungen. Die Höchstgeschwindigkeit wird beim VW Golf mit vergleichsweise hohen 224 km/h angegeben, beim Astra 1.4 Di Turbo sind es 210 km/h, knapp darunter folgt der Ceed. Auch im Sprint von null auf hundert liegt der Wolfsburger mit 8,5 Sekunden vorn, dicht gefolgt vom Ceed. Das Schlusslicht markiert hier der 145-PS-Astra mit neun Sekunden. Er erfüllt mit dem stufenlosem CVT-Automatik die Euro 6d, die anderen sind mit Euro 6d-temp eingestuft.

Dem Rüsselsheimer Modell täte ein vierter Zylinder gut. Die Vierzylinder der Kontrahenten laufen einfach ruhiger. Auf das Dynamikfahrwerk, das 290 Euro Aufpreis kostet, können die meisten Opel-Kunden wohl verzichten, die Standardausführung macht ihre Sache gut. Am besten federt der Golf. Er ist auch der Schnellste und Agilste, beispielsweise im Slalom, wobei der gar nicht leichtere Ceed bei Kurvenfahrt noch einen Schuss mehr Fahrspaß vermittelt. Allerdings kommt beim Kia der Federungskomfort ein bisschen zu kurz.

Auf rund 4,30 Metern Länge bieten die drei genug Platz im Innenraum, mit einem Plus bei der Raumausnutzung des Golf auch im Fond. Beim Gepäckraum nimmt er die mittlere Position ein (381 bis 1237 Liter), die Zuladekapazität (523 Kilo) ist bei ihm am höchsten.

Was sonst noch auffiel: VW ersetzt den bisherigen Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes bei der Siebengangautomatik durch einen kurzen Stummel und schafft dadurch ein wenig mehr Ablagefläche. Den früher klobigen Hebel braucht ohnehin kaum jemand und so gewöhnt man sich vor allem beim Rangieren schnell an den Mini-Joystick.

Unter dem Strich gewinnt der VW Golf – wieder einmal. Besonders durch den Komfort und das ausgewogene Fahrwerk, aber auch im Hinblick auf seinen geringen Spritdurst. Alle diese Kriterien zählen im Alltag. Ziemlich hoch ist freilich der Preis, bei dem es eigentlich keine Abstriche beim Material geben dürfte. Die Menüführung dürfte für die Klientel, die altersmäßig oberhalb der Generation Smartphone angesiedelt ist, herausfordernd sein.

Weitgehend ohne Tadel behauptet sich der Kia Ceed, der viel Auto fürs Geld bietet und dessen Qualitäten sich auch in der neuen Variante XCeed fortsetzen. Gut schneiden Ceed und Astra schon wegen des günstigeren Preises ab. Bei den Assistenzsystemen würde dem Astra ein Update nicht schaden.

Opel baut im Astra 1.4 Turbo einen Dreizylindermotor ein, der allerdings nicht wirklich sparsamer als ein Vierzylinder ist. Foto: Opel
Der VW Golf bietet in unserem Vergleichstest den höchsten Komfort und das ausgewogenste Fahrwerk. Foto: Volkswagen
Beim Kia Ceed steht der große Bildschirm auf der Mittelkonsole. Foto: Kia
Im Astra sind viele Funktionen über das Stellrad am Lenkrad erreichbar. Foto: Opel
Der VW Golf der achten Generation verfügt über ein digitales Cockpit. Foto: VOLKSWAGEN/Volkswagen

Zum engsten Kreis der Gegenspieler im Segment der Kompaktwagen zählt der Ford Focus, der in seiner neusten Auflage eine rundherum gute Figur macht. Aber auch der 1er-BMW und die Mercedes-Benz A-Klasse aus der Premium-Ecke gehören dazu.