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Marienkäfer üben sich in biologischer Kriegführung

Asiatische Marienkäfer sind weltweit auf dem Vormarsch. Sie verdrängen in vielen Ländern die heimischen Arten. Die Invasoren infizieren die einheimischen Käfer mit tödlichen Parasiten, gegen die sie selbst immun sind. Nico Pointner

Gießen. Marienkäfer gelten bei Menschen als Glücksbringer. Anderen Marienkäfern bringt die asiatische Käferart (Harmonia axyridis) jedoch den Tod. Sie wurde vor einigen Jahrzehnten von Biobauern zur Schädlingsbekämpfung erst nach Nordamerika und dann nach Europa eingeführt. Mittlerweile ist der Käfer selbst zum Problem geworden, weil er sich rasant vermehrt.

Professor Andreas Vilcinskas vom Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der Uni Gießen fürchtet, dass viele der 80 einheimischen Marienkäferarten den Invasoren zum Opfer fallen könnten. Der Biologe, der am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie arbeitet, untersucht das Immunsystem der eingeschleppten Käfer. In Labortests erweist es sich im Vergleich zu dem des heimischen Siebenpunkt- und des Zweipunkt-Marienkäfer als wesentlich potenter. Harmonia axyridis verfügt über ein umfangreiches Arsenal biologischer Waffen, darunter ein starkes Antibiotikum, die gegen viele Erreger wirken.

Im Kampf um Nahrung und Lebensraum fressen Marienkäfer auch Larven und Eier der Konkurrenz. Fressen europäische Arten asiatische Larven, sterben sie daran. Asiatische Käfer verdauen den Nachwuchs heimischer Arten dagegen problemlos. Die Gießener Forscher fanden den Grund dafür im Blut der asiatischen Käfer. Es enthält Parasiten, die für europäische Arten tödlich sind. Asiatischen Käfern können die Erreger nichts anhaben, vermutlich weil sie das Antibiotikum in ihrem Blut schützt.