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Formel 1: Nagelprobe für Hülkenberg
Hülkenbergs guter Ruf steht auf dem Spiel

  Nico Hülkenberg (l.), hier mit Renault-­Berater Alain Prost, kämpft gegen Daniel Ricciardo (r.).
Nico Hülkenberg (l.), hier mit Renault-­Berater Alain Prost, kämpft gegen Daniel Ricciardo (r.). FOTO: dpa / Andrew Matthews
Melbourne. Beim aufstrebenden Renault-Team hat der Deutsche in dieser Saison mit Daniel Ricciardo hochkarätige Konkurrenz. sid

(sid) Nico Hülkenberg weiß, worum es geht. Seit Jahren gilt er als verhinderter Held in der Formel 1, als einer, der die Besten schlagen könnte – wenn er nur endlich ein schnelles Auto hätte. Doch 2019 wird dieser gute Ruf auf die Probe gestellt. Denn einer der Besten sitzt nun im gleichen Auto.


Die Ankunft von Daniel Ricciardo bei Renault ist ein Quantensprung für das französische Werksteam auf dem Weg zurück in Richtung Spitze. Gleichzeitig ist sie für Hülkenberg die größte Herausforderung seiner bisherigen Karriere. „In gewisser Weise wird dieses Teamduell über meine Zukunft entscheiden“, sagt Hülkenberg vor dem Start der neuen Saison an diesem Sonntag (6.10 Uhr MEZ/RTL und Sky): „So einen internen Vergleich hatte ich bisher noch nicht. Daniel ist einfach eine sehr gute Referenz.“

Ricciardo ist siebenmaliger Rennsieger, zweimal war er WM-Dritter, im Jahr 2014 schlug er den damaligen Weltmeister Sebastian Vettel im Duell bei Red Bull deutlich. Auch Renault-Teamchef Cyril Abiteboul meint daher: „Nicos Leistung ist jetzt erstmals wirklich messbar. Das wissen wir, das weiß er. Dieses Jahr ist für ihn Risiko und Chance zugleich.“ Der Vertrag des Rheinländers endet nach der Saison, eine deutliche Niederlage gegen Ricciardo wäre Gift für die Verhandlungen über einen Verbleib. Trotzdem wirkt der 31-jährige Deutsche im dritten Jahr mit Renault nicht gestresst und hat Selbstvertrauen – trotz eines üblen Rekords, den er hält: In nun 156 Rennen fuhr Hülkenberg nie aufs Podest. Aber, sagt er zurecht, „trotz dieser Geschichte bin ich immer noch da, und das sagt ja auch etwas aus.“



Bei den Mittelfeldteams lieferte Hülkenberg über Jahre gute Arbeit, war gerade zuletzt konstant der Beste hinter den Größen Mercedes, Ferrari und Red Bull. Der große Blonde genießt einen hervorragenden Ruf in der Königsklasse. Der Sprung zu einem Topteam scheiterte für ihn teilweise knapp, für 2014 lag ihm bereits ein Vertrag bei Ferrari vor, dann entschied sich die Scuderia doch noch für Kimi Räikkönen.

Hülkenberg wählte einen anderen Weg, um doch noch irgendwann um Podien und Siege fahren zu können. Renault war 2016 als Werksteam mit dem Ziel in die Formel 1 zurückgekehrt, an die Titelgewinne von 2005 und 2006 anzuknüpfen. Doch die Franzosen mussten quasi bei null starten. Mühsam hat man sich im vergangenen Jahr auf Rang vier der Gesamtwertung hochgearbeitet, doch die Lücke zu den Top Drei war zuletzt noch riesig. Bald will Renault aber wieder um die WM fahren. Am liebsten schon 2020. Und das wäre auch Hülkenbergs Chance.