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Formel 1
Vettel genügt ein starkes Manöver

Augen zu und durch: Belgien-Sieger Sebastian Vettel (rechts) wütet mit dem Champagner und erwischt den Drittplatzierten Max Verstappen.
Augen zu und durch: Belgien-Sieger Sebastian Vettel (rechts) wütet mit dem Champagner und erwischt den Drittplatzierten Max Verstappen. FOTO: dpa / Benoit Doppagne
Spa.. Ferrari-Pilot gewinnt den Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps vor Weltmeister Hamilton. Spektakulärer Startunfall. Von Walter Koster

Die Freude war überschäumend. Nach 44 eher unspektakulären Runden – bis auf das Trümmerfeld gleich zu Beginn des Belgien-Grand-Prix – schälte sich Sieger Sebastian Vettel aus seinem roten Ferrari, reckte beide Arme in den grauen Himmel, „flog“ zu seiner roten Truppe, herzte sie und klatschte ab. Dann schnappte er sich die Ferrari-Fahne und schwenkte sie.


Nach zwei „verlorenen“ Rennen in Hockenheim und in Ungarn holte Sebastian Vettel gestern in Spa-Francorchamps zum Gegenschlag aus. Im ersten Rennen nach der Sommerpause, dem 13. von 21 Saisonläufen, fuhr der Ferrari-Pilot einen souveränen Sieg ein. Es war sein dritter Triumph auf der Ardennen-Achterbahn nach 2011 und 2013 und sein fünfter Saisonerfolg. Gleichzeitig verkürzte er seinen Rückstand in der WM auf Spitzenreiter Lewis Hamilton von 24 auf 17 Punkte (231:214). Zweiter in dem ereignisarmen Grand Prix wurde Pole-Mann Hamilton im Mercedes vor Red-Bull-Pilot Max Verstappen.

„Ich hatte einen großartigen Start und wusste: Meine Chance würde den Hügel hoch kommen. Das Timing hat prima gepasst. Vergangenes Jahr bin ich verhungert, dieses Mal lief es besser. Danach konnte ich mein Auto schonen und das Rennen kontrollieren. Ich habe es genossen“, sagte der sichtlich erleichtete Sieger. Es sei ein großartiges Wochenende gewesen, an dem er sich nicht wahnsinnig unter Druck gefühlt habe: „Die letzten 15 Runden hat Lewis ein bisschen Druck rausgenommen.“



Hamilton machte es kurz. „Wir haben alles gegeben“, sagte der Weltmeister. Er sei nicht unzufrieden. Der Schlüssel zum Ferrari-Sieg sei die Motorleistung gewesen. Als hätte es Mercedes-Sportchef Toto Wolff schon vor dem Rennen geahnt. „Unsere große Sorge ist der Start“, hatte der Teamchef gesagt: „Ferrari hat nach der Senke Eau Rouge rauf zur Himmelstür so eine gewaltige Kraft, dass es schwierig wird, die Führung zu halten.“ Und so kam es auch. Vettel schnappte sich noch in der ersten Runde am Ende der langen Kemmel-Geraden die Führung. Selbst nach seinem Boxenstopp zur Halbzeit, bei dem er von den Supersoft-Reifen auf die Soft-Walzen wechselte, behielt er die Führung.

Der Drittplatzierte Max Verstappen, gestartet von Platz sieben, der unter den 90 000 Zuschauern 50 000 holländische Fans in die belgische Naturarena lockte, meinte, dass ihm nach den ersten zehn, zwölf Runden ziemlich langweilig wurde. „Mehr ging heute nicht“, lautete sein Fazit. In Runde 33 funkte der 20-Jährige an die Box und fragte: „Gibt es vielleicht eine Chance auf Regen? Der „Jungbulle“ hoffte aber vergebens. Sensationell schlug sich das neu formierte Team Force India unter dem Namen Racing Point mit seinen „alten“ Piloten Sergio Perez (Fünfter) und Esteban Ocon (Sechster), der in der Qualifikation als großartiger Dritter auftrumpfte. Aber auch ohne Podiumsplatz war das ein bärenstarkes Wochenende vor dem Fahrerwechsel. Schon in Monza am kommenden Sonntag soll bekanntlich Lance Stroll, dessen Vater das Team finanziell gerettet hat, das Cockpit von Ocon übernehmen.

Für den Aufreger des Tages sorgte ein spektakulärer Unfall. Schon nach wenigen Sekunden stockte den Zuschauern der Atem. Noch vor der ersten Kurve, der Spitzkehre La Source, verbremste sich Renault-Pilot Nico Hülkenberg und rauschte Fernando Alonso ins Heck. Der McLaren des Spaniers hob wie eine Rakete ab und flog über den Sauber von Charles Leclerc. Verletzt wurde keiner der drei Piloten, aber für das deutsch-spanische-monegassische Trio war direkt Feierabend. Für Alonso war es bereits der siebte Ausfall in Spa. Nur allzu verständlich, dass der „feurige“ Spanier ziemlich sauer auf den 31-Jährigen vom Niederrhein war: „Wie man einen Bremspunkt so brutal verschlafen kann, ist mir unverständlich.“