1. Saarland

Tausende Splitter weisen den Weg"Das ist ein bisschen Abenteuer"

Tausende Splitter weisen den Weg"Das ist ein bisschen Abenteuer"

Otzenhausen. Zugegeben, der Laie kann die Spuren nicht lesen, wenn er ohne Erklärung den Ausgräbern auf dem Hunnenring zuschaut. Da knien Frauen und Männer auf dem Boden, kratzen behutsam Erde von Steinen ab, fegen die Steine sauber, sammeln die Erde in Eimern. Die Erde wird noch mal gesiebt, dass ja kein Fund verloren geht

Otzenhausen. Zugegeben, der Laie kann die Spuren nicht lesen, wenn er ohne Erklärung den Ausgräbern auf dem Hunnenring zuschaut. Da knien Frauen und Männer auf dem Boden, kratzen behutsam Erde von Steinen ab, fegen die Steine sauber, sammeln die Erde in Eimern. Die Erde wird noch mal gesiebt, dass ja kein Fund verloren geht. Die Ausgrabungsstellen sind mit Seilen in Rechtecke aufgeteilt, kleine gelbe Plastiktäfelchen sind an vielen Stellen zu sehen, sie markieren Fundorte. Die Funde selbst sind in durchsichtigen Plastiktütchen verstaut, die wiederum beschriftet sind.Während die einen ihr "Rechteck" schon etwa einen halben Meter tief gegraben haben, entfernen andere in ihrem erst die obere, dunklere Humusschicht. Aber genauso akribisch. Wir stehen etwa 40 Meter vom römischen Tempelchen auf dem Plateau im Inneren der keltischen Festungsanlage. Auf diesen Bereich konzentrieren sich in diesem Jahr die Ausgrabungen der Terrex, der Grabungsgesellschaft von Landkreis und Kommunen.

Bis letztes Jahr war hier oben nur das römische Tempelchen als Weihestätte bekannt. Dort fanden die Forscher Lanzenspitzen, die wohl einer Gottheit geweiht waren. Durch Münz- und Keramikfunde konnte der Bau des Tempels auf die Zeit zwischen 160 und 230 nach Christus datiert werden.

In 40 Meter Entfernung zu dem Tempel fanden sich dann aber im letzten Jahr zahlreiche Bruchstücke von Sandstein und Sandstein-Mauerwerk. Darunter auch Teile eines lebensgroßen menschlichen Unterschenkels aus Stein, Mantelfalten und Architekturteile. Ja sogar das Fragment einer weiblichen Stützfigur, eines Frauenkopfes mit Matronenfrisur, wie sie die Treverer, also die Kelten, kannten. Dazwischen aber entdeckten die Ausgräber römische Münzen, Scherben und Balkennägel. Für die Experten ist klar: Hier könnte es eine bislang noch unbekannte Weihestätte gegeben haben.

Wo genau? Dieser Frage widmen sich die Ausgrabungen in diesem Jahr. Insgesamt haben wir 2500 Sandsteinfunde gemacht, viele sind nur kleine Splitter", erklärt Michael Koch, Grabungsleiter auf dem Hunnenring. Jeder Fundort wird dokumentiert und in den Computer eingegeben. Der zeigt dann an, wo sich die Funde häufen. Je mehr Relikte, desto näher am gesuchten Heiligtum, so die Hoffnung der Wissenschaftler.

"Das ist Knochenarbeit", sagt Koch, denn seine Mitarbeiter verbringen einen Großteil ihrer Zeit auf Knien. Schicht für Schicht wird die Erde abgetragen. Jede Schicht mit allen größeren Steinen wird gezeichnet und fotografiert, bevor es wieder ein Stück weiter in die Tiefe geht. Die Terrex-Mitarbeiter auf dem Hunnenring werden auch durch ehrenamtliche Grabungshelfer unterstützt. "Sieben bis acht Ehrenamtliche machen dieses Jahr immer wieder mit", sagt der Archäologe und Projektleiter Thomas Fritsch. "Zusätzliche können wir immer gebrauchen."

Wie zum Beispiel Mitglieder des luxemburgischen Archäologievereines mit dem Namen "De Georges Kayser Altertumsforscher" (siehe eigenen Artikel).

Beim Tag der offenen Grabung können sich Interessenten am Sonntag, 2. Oktober, 14 bis 17 Uhr, vor Ort auf dem Hunnenring informieren.

Otzenhausen. Der luxemburgische Archäologieverein "De Georges Kayser Altertumsforscher" hat mehr als 1200 Mitglieder. Drei Mal seit letztem Jahr haben Luxemburger schon auf dem Hunnenring gegraben, zum Teil eine ganze Woche lang. Vor einigen Tagen waren es erneut acht Mitglieder mit ihrem Vereinsvorsitzenden Jaques Bonifas, die zwei Tage lang tatkräftig mit anpackten. Und sogar trotz nasskalten Wetters in der Schutzhütte auf dem Hunnenring übernachteten. Der Erfahrungsaustausch, das gemeinsame Arbeiten mit den saarländischen Kollegen, macht den luxemburgischen Gästen großen Spaß. Die Jüngste, die 13-jährige Nicole Berg sagt: "Ich bin hier bei Freunden. Zudem ist das ein bisschen Abenteuer." Zuhause in Luxemburg grabe die Jugendgruppe jeden Samstag. Michael Baudet ist mit 84 Jahren der älteste Ausgräber. Als Pensionär habe er die Zeit, sich seinem Hobby zu widmen. "Und das bietet mir die Möglichkeit, an der frischen Luft in der Natur und mit guten Freunden zusammenzuarbeiten und dazu noch körperlich aktiv zu sein." Für den Vorsitzenden Jaques Bonifas ist der Erfahrungsaustausch ein Argument der Zusammenarbeit: "Wir lernen auch dabei." Jedenfalls wolle man im nächsten Jahr wiederkommen. Bis dahin hat sich vielleicht geklärt, wo die Weihestätte ist. Die Spurensuche geht weiter. vf