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Wenn der Alltag schwierig wird

Besonders die Hilfe im häuslichen Umfeld ist als wichtiger Ansatzpunkt für gemeinschaftlich organisierte Unterstützung ausgemacht worden. Foto: Susann Prautsch/dpa
Besonders die Hilfe im häuslichen Umfeld ist als wichtiger Ansatzpunkt für gemeinschaftlich organisierte Unterstützung ausgemacht worden. Foto: Susann Prautsch/dpa FOTO: Susann Prautsch/dpa
Urweiler. Begleiten, informieren, unterstützen: Gesucht werden „Paten mit Herz“, die alleinstehende ältere Menschen ab 65 Jahren im häuslichen Umfeld unterstützen. Die Auftaktveranstaltung zum Modellprojekt fand in Urweiler statt. Frank Faber

Bei dem im Urweiler Kulturzentrum vorgestellten Projekt "Paten mit Herz" geht es darum, Senioren ab 65 Jahren, die allein leben und ohne Hilfe durch Familie und Freunde zurechtkommen müssen, in ihrem häuslichen Umfeld zu unterstützen. Betreut wird dieses Projekt vom Marienkrankenhaus St. Wendel in Zusammenarbeit mit dem Landkreis St. Wendel und dem Pflegestützpunkt. Zum Start sind nach Erkenntnissen eines Arbeitskreises und des Pflegestützpunkts neben Urweiler noch Oberlinxweiler, Neunkirchen/Nahe, Urexweiler und Gronig als weitere Dörfer ausgewählt worden. Gesucht werden nun ehrenamtlich tätige Paten, die beispielsweise ältere Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt in ihrem Alltag begleiten sowie beim Einkaufen, Spazierengehen oder beim Arztbesuch.


"Mit dem Projekt wollen wir die Menschen ermutigen aktiv am Leben teilzunehmen. Besonders der Übergang vom Krankenhausaufenthalt in die Häuslichkeit ist oft geprägt von Zukunftssorgen, wenn nahe Verwandte und soziale Kontakte fehlen", sagt Projektkoordinatorin Monika Krächan vom Marienkrankenhaus. Sukzessive soll ein Netzwerk gemeinsam mit den Hausärzten, den Ortsvorstehern und den Vereinen in den Dörfern aufgebaut werden, damit festgestellt werden kann, wo der Bedarf an Unterstützung besteht. "Ganz wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern, die die Menschen auch von der anderen Seite kennen", meint Krächan. Gleichzeitig könne durch das Projekt die dörfliche Struktur gefördert werden.

Theoretisch so weit, so gut. "Aber wie kommen wir denn eigentlich an die ehrenamtlichen Paten ran?", will der Oberlinxweiler Ortsvorsteher Jörg Birkenbach (SPD ) wissen. Dazu meint Stefan Kunz, Projektmanager Land(auf)schwung bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land, optimistisch: "Die melden sich, wir müssen dann nach Lösungsansätzen suchen". Bei der Suche nach den Paten setzt Projektkoordinatorin Krächan ebenfalls auf das Engagement der Ortsvorsteher. "Sie können Kontakte knüpfen, verteilen Flyer in den Dörfern und es werden zusätzlich Plakate aufgehängt", erklärt Krächan. Einen fitten Rentner, der stundenweise in Form eines Kümmerers die Nachbarschaftshilfe wahrnimmt, kann sie sich gut als den "Paten mit Herz" vorstellen.

Rund 20 Paten, so eine erste Schätzung von Ortsvorsteher Peter Zeyer (CDU ), seien für die Seniorenbetreuung alleine in Urweiler (1774 Einwohner, Stand 2014) notwendig. "Im Ort leben 350 Menschen, die mehr als 70 Jahre alt sind, von 30 bis 40 Menschen weiß man gar nicht, ob sie alleinstehend sind", berichtet Zeyer. Im Laufe der Jahre rechne er mit einer steigenden Tendenz, was den Bedarf an Paten betreffe. Deren wichtigste Aufgabe ist das Zuhören. "Der Pate hört zu und bietet Gespräche an", ergänzt Kunz zur Aufgabenstellung. Eigens für die Paten-Begleitung werden die Ehrenamtler in 16 Stunden im Marienkrankenhaus geschult und ihr späterer Einsatz wird mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt. Mit der Auftaktveranstaltung in Urweiler , so Krächan, sei der erste Schritt getan worden, um das Projekt bekannt zu machen.

Informationen über die ehrenamtliche Paten-Begleitung erteilt: Monika Krächan, Koordinatorin, Tel. (0 68 51) 59 20 04 (Büro Marienkrankenhaus), Tel. (0171) 3 08 64 94, E-Mail monika.kraechan@marienhaus.de; Hildegard Marx, Krankenhausoberin, Tel. (0 68 51) 59 12 04; Pflegestützpunkt St. Wendel: Tel. (0 68 51) 80 11 52 51.



Zum Thema:

Hintergrund Gefördert wird das Projekt "Paten mit Herz" durch das Bundesprogramm Land(auf)schwung. Dabei werden strukturschwache ländliche Regionen unterstützt, mit dem demografischen Wandel vor Ort aktiv umzugehen, die regionale Wertschöpfung zu erhöhen und die Beschäftigung im ländlichen Raum zu sichern. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert beim Modellvorhaben Land(auf)schwung 13 Regionen. Neben dem Landkreis St. Wendel ist aus dem Saarland noch der Landkreis Neunkirchen dabei. 1,5 Millionen Euro werden dem Landkreis St. Wendel für Projekte bis 2018 zur Verfügung gestellt. Bei der Auftaktveranstaltung "Paten mit Herz" in Urweiler hat Landrat Udo Recktenwald (CDU ) dem Kooperationspartner Marienkrankenhaus St. Wendel einen Bewilligungsbescheid in Höhe von 120 000 Euro überreicht. frf

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Termine für die weiteren Informationsveranstaltungen des Projekts "Paten mit Herz", Beginn jeweils 18 Uhr: 6. September, Oberlinxweiler, Kulturscheune 12. September, Neunkirchen/Nahe, Bürgerhaus 22. September, Urexweiler, Vereinsraum im Brühl 4. Oktober, Gronig, Dorfgemeinschaftshaus. frf

Krankenhausoberin Hildegard Marx informierte in Urweiler über das Projekt „Paten mit Herz“. Foto: Frank Faber
Krankenhausoberin Hildegard Marx informierte in Urweiler über das Projekt „Paten mit Herz“. Foto: Frank Faber FOTO: Frank Faber