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Nachwuchsgärtner bei der Arbeit

St Wendel. Kinder, die heute in der Natur spielen, sind die Naturschützer von morgen. Darüber hinaus entsteht so auch ein gesünderes Verhältnis zu Lebensmitteln. Und ganz nebenbei fördert das Ganze Fantasie und Kreativität. Christina Bieg

Gespannt stehen die Kinder der Kindertageseinrichtung St. Anna in Alsfassen an der Tür. Mützen, Schlammhosen und Gummistiefel sind bereits angezogen. Die Kleinen können es kaum erwarten, nach draußen zu gehen. Das verzinkte Stahlblech, das als Außenwand für das neue Hochbeet dient, ist angekommen und nun kann der Aufbau beginnen. Sofort machen sich Kinder und Erzieher an die Arbeit. Mit Schaufeln und Eimern wird das Beet Schicht für Schicht mit Ästen, kleingehacktem Holz und Erde gefüllt. Den Kindern ist der Spaß an der Arbeit anzusehen.

"Wir machen hier ein Hochbeet, damit sich die Erzieher nicht mehr so bücken müssen", sagt Tom stolz, als er mit der Schaufel die Erde verteilt. Für besagte Erzieher steht aber eher der Lerneffekt im Mittelpunkt. "Wir legen sehr viel Wert auf gesunde Entwicklung und ausgewogene Ernährung der Kinder", sagt Kindergartenleiterin Karin Klopp. Das Hochbeet könne dazu beitragen, Fantasie und Kreativität in Bezug auf die Natur zu entwickeln. Ein Beet - der Kräuterwurm - wird schon länger für Kräuter, Tee und Gemüse genutzt. "Die Kinder übernehmen das Gießen und das Auflockern der Erde", so Karin Klopp. "Gleichzeitig lernen sie auch, dass das Angepflanzte durch Schnecken zerfressen werden kann." Erzieher Kevin Giebel findet dieses Projekt wichtig für die Kinder. "Sie zeigen sich sehr interessiert, wenn wir draußen etwas mit ihnen machen." Die Kleinen hätten schon 100 Ideen, was angepflanzt werden könnte. "Unsere Kinder essen mittlerweile mehr Gemüse, als alles andere."

Die fünfjährige Johanna freut sich schon auf die kommenden Aufgaben. "Wir können dann Zucchini oder Kürbisse anpflanzen". Alles, was die Kinder ansäen, wird später bei Kochtagen verwertet.

Naturschutz fördern


Rudi Schuster ist 69 Jahre alt, und seine Enkelin Lena besucht die Kindertageseinrichtung. Auch er zeigt sich begeistert: "Das Hochbeet ist eine tolle Idee!" Deshalb hilft er gerne bei der Aktion mit und karrt Schubkarren voller Laub an die Baustelle. Landrat Udo Recktenwald kommt auch, um sich das Ganze anzuschauen. "Ich finde diese Aktion absolut wichtig, weil Kinder von zu Hause aus oft nicht mehr wissen, wie Natur arbeitet. Die Nahrungsmittel müssen nun mal erst durch viel Arbeit angepflanzt und aufgezüchtet werden, bevor sie ins Geschäft kommen." Durch das Hochbeet könne und müsse man den Kindern Werte vermitteln, die in der heutigen Zeit leider viel zu oft vergessen werden. Genau diese Werte wollen die Erzieher den Kindern mit ihrem Konzept beibringen. "Wer in der Natur gespielt hat, wird sich auch später als Naturschützer für deren Erhaltung stark machen und wird auch Lebensmitteln einen hohen Stellenwert zukommen lassen", so Karin Klopp.