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Piëch spricht Klartext

Olbia. Ferdinand Piëch hat wieder zugeschlagen. Als der VW-Aufsichtsratschef am Montagabend überraschend bei der Präsentation des neuen VW Polo auf Sardinien auftaucht, ist klar, dass dies keine Lustreise ist. Einiges soll klargestellt werden im Machtkampf um die künftige Führung bei Volkswagen und Porsche Von dpa-Mitarbeiter Michael Friedrich

Olbia. Ferdinand Piëch hat wieder zugeschlagen. Als der VW-Aufsichtsratschef am Montagabend überraschend bei der Präsentation des neuen VW Polo auf Sardinien auftaucht, ist klar, dass dies keine Lustreise ist. Einiges soll klargestellt werden im Machtkampf um die künftige Führung bei Volkswagen und Porsche. Im Schlepptau hat Piëch VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh und den Vertrauten von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker.VW-Chef Martin Winterkorn ist ohnehin da. Die Botschaft des Abends: Zwischen uns passt kein Blatt Papier. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, im Übernahmekampf um VW vom selbstbewussten Angreifer in die Defensive geraten, muss sich warm anziehen. An seinen Absichten lässt Piëch wenig Zweifel. Das von Wiedeking so heftig attackierte VW-Gesetz, das Niedersachsen eine starke Stellung in Wolfsburg garantiert? "Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben." Die Frage des Konzernsitzes stellt sich für Piëch erst gar nicht. "Das sind Störfeuer, um nicht vorhandene Fronten aufzumachen." Selbst auf Namensvorstellungen für den künftigen Konzern geht Piëch ein. Von Doppelnamen wie Volkswagen-Porsche hält er wenig. Den Namen Auto-Union fände er dagegen nicht schlecht, lässt er durchblicken. Es ist klar, der "Alte" favorisiert die Übernahme von Porsche durch VW und die anschließende Integration in den Konzernverbund. Für andere Lösungen fehlt die Zeit. Porsche plagen Schulden von über neun Milliarden Euro. Darum müsse sich Porsche selbst kümmern, stellt Piëch klar. Da aber eine schnelle Lösung nötig sei und Porsche-Finanzchef Holger Härter bei den Banken verbrannte Erde hinterlassen habe, dürfte Porsche kaum an Geld kommen. "VW ist kreditwürdiger." Bleibt also nur die Übernahme. Wiedeking ist nun angezählt. Der Schulterschluss zwischen dem Land Niedersachsen - dem zweitgrößten VW-Aktionär -, dem Betriebsrat und Piëch ist ein deutliches Signal in seine Richtung, wohl aber auch die Quittung für Wiedekings Auftreten in den vergangenen Jahren. Schon früh hatte der Porsche-Boss klar gemacht, bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben - in Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. Dem Vernehmen stand Wiedeking bei Piëch bereits auf der Abschussliste. Wiedeking habe den Wandel "vom Durchmarschierer zur Demut" hinter sich, bemerkt Piëch nun hämisch. Wenn es nach ihm geht, wird Winterkorn der starke Mann im neuen Großkonzern: "Für VW ist Martin Winterkorn der Bessere, und für Porsche war das in den letzten 15 Jahren sicherlich Wiedeking." "Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben." Ferdinand PiëchMeinung



Deutliches Signal

Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger Ferdinand Piëch hat wieder einmal klar gemacht, wer bei Porsche und VW das Sagen hat: nur er selbst. Wiedeking - im vergangenen Jahr mit Milliardengewinnen der große Held des Sportwagenbauers Porsche - war ihm zu mächtig geworden. Nun zählt Piëch ihn an. Angesichts der Milliardenlöcher in den Kassen soll der Porsche-Chef wieder "Demut" üben. Das Signal ist überdeutlich.Dass Piëch nicht lange fackelt, wenn ein Manager seinen Rückhalt verloren hat, hat der frühere VW-Chef Bernd Pischetsrieder schmerzlich erfahren müssen. Wiedeking sollte sich präventiv schon einmal auf dem Arbeitsmarkt für Manager umsehen.