Gründung vor 25 Jahren Amazons Weg vom Online-Buchladen zum Billionen-Konzern

Seattle · Die Geschichte des umstrittenen Unternehmens begann vor 25 Jahren in einer Garage. Heute ist Gründer Jeff Bezos der reichste Mensch der Welt.

  Das Vermögen von Amazon-Chef  Jeff Bezos soll 120 Milliarden Dollar betragen.

Das Vermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos soll 120 Milliarden Dollar betragen.

Foto: dpa/Michael Reynolds

Mit 30 Jahren hat Jeff Bezos bereits eine steile Karriere an der Wall Street gemacht, aber das reicht ihm nicht. Als Vizepräsident der Investmentbank D.E. Shaw & Co steht ihm zwar die Finanzwelt offen, doch Bezos ist fasziniert vom Internet und er hat eine große Vision. Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau MacKenzie trifft er eine gewagte Entscheidung und tauscht sein Büro in einem New Yorker Wolkenkratzer gegen eine Garage in Seattle. Hier beginnt die Geschichte von Amazon, dem größten Online-Händler der Welt.

„Unsere Vision ist es, das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein, wo Menschen alles finden können, was sie im Internet kaufen wollen“, lautet Bezos‘ Leitbild für Amazon. Davon ist er anfangs aber noch weit entfernt: Am 5. Juli 1994 gründen Jeff und Mac­Kenzie Bezos einen Online-Buchhandel. Das Unternehmen heißt zunächst Cadabra, wird jedoch rasch in Amazon umbenannt. Laut der Bezos-Biographie „Der Allesverkäufer“ von 2013 klang Cadabra zu sehr nach Kadaver.

Nach rund einem Jahr Anlaufzeit wurde am 16. Juli 1995 das erste Buch an einen externen Kunden verkauft, ein mehr als 500 Seiten dicker Wälzer über das Denken. Heute ist ein Exemplar davon am Eingang des Amazon-Hauptgebäudes in Seattle ausgestellt. Was mit Büchern begann, entwickelte sich über die Jahre zum größten Internetkaufhaus der Welt. Heute ist Amazon noch viel mehr als das und hält mit seinen Cloud-Services, die etwa Start-ups IT-Anwendungen und Speicherplatz im Netz bieten, unzählige Firmen am Laufen. Mit Whole Foods betreibt der Konzern zudem seine eigene US-Supermarktkette.

Und Bezos hat noch lange nicht genug: Im Streaming-Geschäft versucht Amazon mit seinem Prime-Dienst Marktführer Netflix Konkurrenz zu machen; mit dem Aufbau einer eigenen Lieferlogistik setzt der Konzern Paketzusteller wie UPS, Fedex oder DHL unter Druck. Niemand weiß so recht, welche Branchen Bezos als nächstes aufmischen wird. Anfang Juni erst führte Amazon eine Lieferdrohne vor, die bereits in einigen Monaten die ersten Pakete zustellen soll.

An der Börse hatte der rasant expandierende Bezos-Konzern wegen chronisch roter Zahlen indes lange Zeit einen schweren Stand. Doch seit Bezos zuverlässig Gewinne liefert, ist er zum Liebling der Wall Street geworden. Im ersten Quartal liefen die Geschäfte prächtig: Dank des florierenden Internethandels und boomender Cloud-Dienste wuchs der Überschuss im Jahresvergleich um 125 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar (3,2 Mrd Euro) – so viel verdiente Amazon noch nie zuvor in einem einzelnen Vierteljahr. Im vergangenen September gelang es Amazon als zweite Aktiengesellschaft nach dem iPhone-Giganten Apple, zeitweise die magische Marke von einer Billion Dollar beim Börsenwert zu knacken.

Für Amazon-Gründer Bezos zahlt sich der Ansturm der Anleger auf sein Unternehmen auch persönlich aus, da er der größte Aktionär ist. Seit Jahren dominiert der 55-Jährige deshalb die Reichenlisten. Dem „Bloomberg Billionaires Index“ zufolge beträgt sein Vermögen derzeit rund 120 Milliarden Dollar. Damit blieb er der reichte Mensch der Welt.

Abseits der Börse hat Amazon längst nicht nur Fans. Wegen umstrittener Arbeitsbedingungen gibt es immer wieder Kritik – etwa von der Gewerkschaft Verdi. Dem Konzern wird außerdem vorgeworfen, mit seiner Marktmacht und seinen Niedrigpreisen den Einzelhandel zu zerstören. Auch der traditionelle Buchhandel in Deutschland sieht sich bedroht: Seit Jahren schon verkauft niemand hierzulande mehr Bücher als der Online-Riese.

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