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Der Absturz eines Senkrechtstarters

Der Absturz eines Senkrechtstarters

Leipzig. Einst galt Dieter Althaus als einer der einflussreichsten ostdeutschen Christdemokraten. Doch der steilen politischen Karriere folgte nun der jähe Absturz. Nach der Wahlschlappe für die CDU bei der Landtagswahl wurde der Druck auf den 51-Jährigen am Ende so groß, dass er gestern das Handtuch warf und von seinen Ämtern als Regierungschef und CDU-Landeschef zurücktrat

Leipzig. Einst galt Dieter Althaus als einer der einflussreichsten ostdeutschen Christdemokraten. Doch der steilen politischen Karriere folgte nun der jähe Absturz. Nach der Wahlschlappe für die CDU bei der Landtagswahl wurde der Druck auf den 51-Jährigen am Ende so groß, dass er gestern das Handtuch warf und von seinen Ämtern als Regierungschef und CDU-Landeschef zurücktrat. Bis zur Wahl einer neuen Thüringer Regierung wird Finanzministerin Birgit Diezel die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten führen. Kurz vor den Sondierungsgesprächen mit der SPD ist durch den Rücktritt von Althaus ein wesentliches Hindernis für eine schwarz-rote Koalition beseitigt worden. Trotz der immer lauteren Kritik an Althaus wurden viele Christdemokraten von seinem Rücktritt überrascht. Auch Angela Merkel sei darauf nicht vorbereitet gewesen, verlautete aus Parteikreisen. Demnach informierte Althaus die Kanzlerin und Parteivorsitzende vorab in einem handschriftlichen Fax, bevor er sich öffentlich erklärte. Es war also offenbar Althaus' ganz persönliche Entscheidung. Noch am Mittwoch hatte sich die CDU-Spitze, von Generalsekretär Ronald Pofalla bis hin zu Thüringens CDU-Fraktionschef Mike Mohring, hinter den Ministerpräsidenten gestellt. Doch das Grummeln an der Parteibasis war nicht mehr zu überhören. CDU-Politiker klagten öffentlich über Althaus' Führungsstil und warfen ihm mangelnden Teamgeist vor. Auf der Sitzung der alten und neuen CDU-Landtagsfraktion in Erfurt am Mittwoch soll es schließlich zu heftigen Diskussionen gekommen sein. Nicht allein der Umgang mit seinem schweren Skiunfall in Österreich, über den er sich im Wahlkampf wiederholt äußerte, sondern auch die missglückte Kabinettsumbildung im vergangenen Jahr oder sein jüngster Vorstoß zur Abschaffung des Solizuschlages kamen bei vielen Parteifreunden nicht gut an. Wähler wandten sich abUnd auch viele Thüringer Wähler wandten sich ab von der CDU, die ihren Wahlkampf ganz auf Althaus zugeschnitten hatte. Am Wahltag kam dann die Quittung: Die CDU stürzte um fast zwölf Punkte auf 31,2 Prozent ab. Mit seinem Rücktritt übernahm Althaus, der sechs Jahre lang an der Spitze der Landesregierung stand, die Verantwortung für dieses Wahldesaster. Nur ein einziger dürrer Satz war gestern von ihm zu hören: "Mit sofortiger Wirkung trete ich als Ministerpräsident des Freistaats Thüringen und als Landesvorsitzender der CDU Thüringen zurück." Zumindest SPD-Landeschef Christoph Matschie hat damit ein Problem weniger. Er steckte bislang in einer vertrackten Situation: Auf der einen Seite ist er offen gegenüber einem rot-roten Bündnis, schließt aber die Wahl eines linken Ministerpräsidenten aus - obwohl die Linke mehr Stimmen holte als die SPD. Andererseits konnte die SPD nicht in eine schwarz-rote Koalition unter Althaus einsteigen, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Schließlich hatte Matschie im Wahlkampf erklärt, das "System Althaus" ablösen zu wollen. Gleichwohl bedeutet dies laut Matschie nicht automatisch eine Präferenz für eine große Koalition. Die SPD werde wie geplant Sondierungsgespräche zunächst mit der Linkspartei und am Samstag mit der CDU führen - und zwar gleichberechtigt. Tatsache aber ist: Matschies Position wurde gestärkt. Er hat nun ein Druckmittel gegenüber der Linken in der Hand, die als stärkere Fraktion bisher auf das Ministerpräsidentenamt pocht. Der linke Spitzenkandidat Bodo Ramelow warnte die SPD umgehend vor einem Bündnis mit der CDU.