Krise. Welche Krise?

Berlin. Der "Angst-Index" der Deutschen lag im Juni dieses Jahres bei 44, genau wie 2008 und 2007. Die Bürger, so das Ergebnis einer Studie, die die R+V-Versicherung jedes Jahr erstellt, haben zwar registriert, dass Krise ist, glauben aber noch, dass die Folgen beherrschbar sind

Berlin. Der "Angst-Index" der Deutschen lag im Juni dieses Jahres bei 44, genau wie 2008 und 2007. Die Bürger, so das Ergebnis einer Studie, die die R+V-Versicherung jedes Jahr erstellt, haben zwar registriert, dass Krise ist, glauben aber noch, dass die Folgen beherrschbar sind. Außerdem sorgen die Gegenmaßnahmen der Regierung, von der Abwrackprämie bis zur ausgeweiteten Kurzarbeit, dafür, dass sie wenig davon merken.

In der Untersuchung werden alljährlich rund 2300 Menschen zu 16 möglichen Misshelligkeiten befragt. Sie können auf einer Skala von Eins bis Sieben angeben, ob sie gar keine oder sehr große Angst haben. Alles was über fünf liegt, wird als "große Angst" eingestuft. Demnach hat es 2009 einige Verschiebungen gegeben. Vor allem wirtschaftliche Ängste haben deutlich zugenommen. Andere Sorgen sind dafür aber geringer geworden. So fürchten sich derzeit 65 Prozent der Menschen davor, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter steigen könne. Das ist Platz zwei aller Ängste und mit plus 18 Prozent die stärkste Zunahme. Andererseits sagen unverändert wie im letzten Jahr lediglich 48 Prozent, dass sie sich um den eigenen Arbeitsplatz sorgen. Eine Verschlechterung der Wirtschaftslage bekümmert 66 Prozent der Menschen (plus acht Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) und führt die Tabelle an. Dafür aber glauben die Deutschen jetzt nicht mehr, dass die Preise steigen, was noch im letzten Jahr der Spitzenreiter war. Minus 13 Prozentpunkte bei dieser Frage (auf 63 Prozent) tragen stark dazu bei, dass das Sorgenniveau insgesamt unverändert ist. Unangebrachte Zuversicht herrscht im privaten Bereich. Nur 16 Prozent fürchten ein Zerbrechen ihrer Partnerschaft - obwohl real weit über 30 Prozent der Ehen irgendwann einmal geschieden werden.

Es gibt einige regionale Unterschiede in der deutschen Angstlandschaft. Im Osten fürchtet man Inflation und eigene Arbeitslosigkeit deutlich stärker als im Westen. Dort wiederum ist, wohl Folge einer höheren Umweltsensibilität, die Angst vor Naturkatastrophen, vor allem vor dem Klimawandel, klar größer. Unter den Bundesländern dürfen Brandenburg (Angstindex 51), Mecklenburg-Vorpommern (50) und Sachsen-Anhalt (50) als die ängstlichsten bezeichnet werden, während Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen mit dem Indexwert 41 am sorgenfreiesten leben. Allerdings sind die Abstände zwischen den Ländern in den letzten Jahren immer mehr zusammengeschmolzen. Zudem gelten die Länderdaten wegen der geringen Fallzahlen nicht mehr als repräsentativ.

Bezogen auf den aktuellen Wahlkampf war das Ergebnis einer Zusatzfrage aufschlussreich. Nämlich, ob man fürchte, dass es wegen der hohen Staatsschulden zu Sozialkürzungen komme. 63 Prozent glauben ja. Ein sehr hoher Wert und ein Problem für alle Parteien, die derzeit sogar noch Steuersenkungen versprechen.