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Urlaub an deutschen Küsten: Volle Strände auch in Corona-Zeiten

Urlaub an deutschen Küsten : Volle Strände auch in Corona-Zeiten

An den deutschen Küsten genießen zahlreiche Inlands-Touristen den Urlaub. Einschränkungen gelten für Besucher aus Gütersloh und Warendorf.

Urlaub in Corona-Zeiten: Mit dem Beginn der Sommerferien in gleich sechs Bundesländern sind an Deutschlands Küsten deutlich mehr Besucher unterwegs. Der ein oder andere Badeort stieß bereits an seine Kapazitätsgrenzen. In anderen Regionen war der Andrang hingegen moderater. Und auch auf den Straßen blieben die ganz großen Staus bislang aus.

An der Ostsee – in den holsteinischen Urlaubsorten Scharbeutz und Haffkrug – waren am Samstagmittag die Grenzen für Parkplätze und für den Strand erreicht. Das niedersächsische Nordseebad Dangast war zum Auftakt der Feriensaison ebenfalls gut ausgelastet. „Nicht zu 100 Prozent, aber die touristischen Zahlen sind gut“, sagte Kurdirektor Johann Taddigs. Auch die Einhaltung der Corona-Regeln funktioniere. An den Stränden seien etwa die Strandkörbe auf drei Meter auseinandergerückt, damit der Radius von 1,50 Metern eingehalten werden könne.

Touristen aus Nicht-EU-Staaten fehlen an deutschen Stränden weitgehend. Und das könnte noch länger so bleiben: In der EU zeichnet sich eine Einigung auf strenge Kriterien für die geplante Lockerung der Einreisebeschränkungen ab. Demnach werden Reisende aus Ländern wie den USA, Russland und Brasilien auch nach Ablauf dieses Monats nur in Ausnahmefällen in die EU kommen dürfen, wie die Deutsche Presse-Agentur nach Beratungen der EU-Botschafter erfuhr. Lediglich für Menschen aus rund einem Dutzend Ländern wie Südkorea oder Neuseeland könnten die geltenden Einreisebeschränkungen demnach im Juli aufgehoben werden.

Dagegen können die Deutschen in aller Regel unkompliziert im Inland Urlaub machen – wenn sie nicht gerade aus den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh oder Warendorf kommen. Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück haben Bund und Länder sich auf Einschränkungen für Reisende aus Corona-Hotspots mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen geeinigt. Demnach dürfen diese nur dann in Hotels und Ferienwohnungen oder ohne Quarantänemaßnahme in ein Bundesland einreisen, wenn sie mit einem Attest nachweisen, dass sie keine Infektion haben. Diese Regelung hat auch das Saarland in der ab Montag geltenden neuen Corona-Verordung verankert. Thüringen schert dagegen aus: „Wir werden kein Einreise- und kein Beherbergungsverbot erlassen“, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Samstag auf Anfrage in Erfurt.

Der Wert für den Kreis Gütersloh lag am Wochenende weiter deutlich über der entscheidenden Marke von 50. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gab es im Kreis Gütersloh 132,9 solcher Fälle – nach 164,2 am Samstag und 177,7 am Freitag. Am Dienstag hatte der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2 betragen. Wie der Kreis am Samstagabend mitteilte, wurden dort in den vergangenen sieben Tagen bis Freitag 75 Menschen positiv auf das Virus getestet, die keinen Bezug zum Unternehmen Tönnies haben. Grund für den Anstieg sei wohl vor allem die Ausweitung der Tests.

Im benachbarten Kreis Warendorf, in dem viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, war die Kennziffer schon am Freitag mit 47,9 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen unter die Marke von 50 gefallen. Laut RKI lag sie am Sonntag bei 21,2.

Bis Dienstag muss eine Entscheidung fallen, ob der regionale Lockdown in den beiden nordrhein-westfälischen Kreisen – der bundesweit erste – ausläuft oder verlängert wird. Der seit Mittwoch geltende Lockdown ist bis zum 30. Juni befristet.

Derweil ziehen die Vorkommnisse bei Tönnies politische Konsequenzen nach sich: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigte am Wochenende ein schnelles Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit im Kernbereich der Fleischbranche an. Es könnte noch in diesem Jahr in Kraft treten. Zugleich verschärft Nordrhein-Westfalen die Infektionsschutzvorschriften für die Fleischindustrie. Künftig müssen die Beschäftigten mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Auch Rheinland-Pfalz hatte flächendeckene Test in Schlachtbetrieben angekündigt. Im Saarland wurde darüber noch nicht entschieden. Regierungssprecher Alexander Zeyer teilte am Sonntag auf SZ-Anfrage mit, man arbeite an einer länderübergreifenden Strategie. Es werde in der kommenden Woche Gespräche mit den anderen Bundesländern und der Virologie am Homburger Uniklinikum geben.

Bayern will sogar noch einen Schritt weiter gehen und die Tests gleich auf die gesamte Bevölkerung ausweiten. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte am Sonntag eine „Corona-Testoffensive“ an. „Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird deshalb zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen.“ Die Kosten will der Freistaat übernehmen, soweit sie nicht etwa von der Krankenkasse getragen werden.