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Corona in Gütersloh: NRW-SPD-Chef Hartmann kritisiert Laschet und Spahn

SPD-Chef in NRW : „Zögern, Zaudern und Schlingern hat die Lage verschärft“

Der SPD-Chef in NRW kritisiert in Sachen Corona-Krisenmanagement nicht nur Ministerpräsident Laschet, sondern auch Bundesgesundheitsminister Spahn.

Die SPD wirft Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schwere Fehler im Umgang mit dem Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies im Kreis Gütersloh vor. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse die betroffenen Kreise Gütersloh und Warendorf endlich besuchen und sich zu Laschets Krisenmanagement positionieren, fordert der nordrhein-westfälische SPD-Chef Sebastian Hartmann im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Hartmann, ist die Lage in Gütersloh allmählich unter Kontrolle?

HARTMANN Das ist offen. Ministerpräsident Laschet bemüht sich scheinbar, in Gütersloh die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Er hat sie aber selber verursacht.

Wie meinen Sie das?

HARTMANN Er hat nach den Erfahrungen wenige Wochen zuvor in Coesfeld bei Westfleisch nicht genau hingeschaut und nicht durchgegriffen. Leidtragende sind jetzt viele Hunderte Infizierte in den Betrieben und Zehntausende Menschen in zwei Landkreisen. Darunter viele Kinder, da die Sommerferien gerade beginnen.

Der Verursacher der neuen Corona-Krise ist aber nicht Laschet, sondern sind Tönnies und die Fleischbranche. Sehen Sie das anders?

HARTMANN Natürlich haben die menschenunwürdigen Zustände in der Branche das Problem verursacht. Trotzdem muss ein Ministerpräsident genau hinschauen und den Arbeitsschutz in Gang setzen, die Kreise und Kommunalverwaltungen stark machen und notfalls dafür sensibilisieren in einer Pandemie. Laschet persönlich war gewarnt. Sein Zögern, Zaudern und Schlingern hat die Lage dramatisch verschärft. Tönnies ist übrigens auch ein Großspender der CDU. Da hat die Union ebenfalls nicht richtig hingeschaut. Sie sollte die Spenden jetzt zurückzahlen, um zu zeigen: Das war nicht gut.

Was für Konsequenzen müssen denn aus Ihrer Sicht jetzt noch gezogen werden?

HARTMANN Der Ministerpräsident muss sein desaströses Krisenmanagement endlich in den Griff bekommen. Auf Bundesebene werden wir jetzt dafür sorgen, dass das unselige Werkvertragswesen endlich beendet wird. Arbeitsminister Hubertus Heil wird dazu einen Gesetzentwurf vorlegen. Leider hat die Union bis zu diesen desaströsen Ausbrüchen in der Fleischbranche gebraucht, um ihre Jahrzehnte anhaltende Blockade aufzugeben.

Welche Rolle kommt Gesundheitsminister Jens Spahn zu?

HARTMANN Dass Spahn sich an der Seite von Laschet um den CDU-Parteivorsitz bewirbt, erleichtert die Sache nicht. Deswegen kann der Gesundheitsminister nicht durchgreifen. Es ist dringend notwendig, dass Spahn sich zum Krisenmanagement Laschets positioniert. Denn Nordrhein-Westfalen steht europaweit in einem schlechten Licht. Außerdem: Spahn muss sich endlich in Gütersloh und Warendorf sehen lassen. Er muss dort Präsenz zeigen. Nur, weil es um seinen Kumpel Laschet geht, darf er nicht länger einen Bogen um die betroffenen Kreise machen.