1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Jens Söring: Nach 33 Jahren US-Haft in die Eifel?

Verurteilter Doppelmörder : Kommt Jens Söring nach 33 Jahren US-Haft in die Eifel?

Der verurteilte Doppelmörder kommt nach Jahrzehnten frei und soll nach Deutschland abgeschoben werden. Eine Frau aus Bitburg hat dafür lange gekämpft.

Als „Deutsches Monster“ hat Jens Söring in den USA Schlagzeilen gemacht. 1990 wurde der Bonner Diplomatensohn wegen des Doppelmordes an den Eltern seiner damaligen Freundin zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Die Leichen der Haysoms waren mit Dutzenden Messerstichen übersäht, ihre Kehlen von Ohr zu Ohr aufgeschlitzt. Die Tat ging als eines der brutalsten Verbrechen in die Geschichte des US-Bundesstaates Virginia ein.

Doch während der Deutsche im Gefängnis saß, gab es 6500 Kilometer östlich stets jemanden, der an seine Unschuld glaubte. Mehr als zehn Jahre lang hat die Bitburgerin Bernadette Faber für die Freilassung Sörings gekämpft. Sie hat Tausende Akten gewälzt, Unterschriften gesammelt, Gesuche an Politiker und Behörden geschrieben. Es waren Jahre der Frustration, der Enttäuschung, der Rückschläge. Bis jetzt. Denn nun ist Faber am Ziel. Söring, das meldeten US-Behörden am Montag, kommt frei. „ENDLICH!“, schrieb Faber bei Facebook.

Der Bewährungs- und Begnadigungsausschuss von Virginia hat die vorzeitige Entlassung des Häftlings beschlossen. Der Diplomatensohn darf auf Bewährung raus und wird nach Deutschland abgeschoben. 14 Mal hatte der Verurteilte darum gebeten, mit der Unterstützung mächtiger Fürsprecher, unter anderem Kanzlerin Angela Merkel. Beim 15. Mal hatte er Erfolg.

Für die Bitburgerin Faber geht damit eine jahrzehntelange Aufgabe zu Ende. Seit sie eine Dokumentation über Sörings Fall gesehen hatte, ließ die Geschichte sie nicht mehr los. „Bei solchem Unrecht muss man doch etwas tun“, erklärte sie bereits vor zwei Jahren.

Und sie hat etwas getan. Ein weltweites Unterstützernetzwerk für den Verurteilten aufgebaut, den „Freundeskreis Jens Söring“. Für die Bitburger Religionslehrerin „ein zweiter Vollzeitjob neben der Schule“.

Faber habe eine „bedeutende Rolle“ gespielt, sagt Oliver Dederichs, Mitinhaber einer PR-Agentur in Hamburg. Diese ist Mitglied im „Freundeskreis“ und hat nun die Pressearbeit in dem Fall übernommen. Dederichs lobt den „unglaublichen Einsatz“ und die „großartige Arbeit“ der Bitburgerin für die Freilassung des „zu Unrecht verurteilten“ Mannes.

Söring hatte die Bluttat 1986 zunächst gestanden. Wie er sagte, um seine Freundin Elizabeth Haysom vor dem elektrischen Stuhl zu bewahren. Außerdem habe er sich wegen des Diplomatenstatus’ seines Vaters unantastbar gewähnt. Doch es kam anders. Haysom, die nun ebenfalls freikommt, hatte vor Gericht eine ganz andere Version parat: Sie habe ihren damaligen Geliebten zum Mord angestiftet. Er aber habe zugestochen. Die Geschworenen glaubten ihr. Beide wanderten ins Gefängnis.

Mehr als 30 Jahre nach der Tat gibt es noch immer Menschen, die in Söring einen Mörder sehen. Zum Beispiel Ben Cline, republikanischer Kongressabgeordneter von Virginia, der die Entscheidung des Bewährungsausschusses für „eine Beleidigung der Familien der Opfer und des geltenden Rechtes“ hält.

Aber auch die Mitglieder ebendieses Ausschusses halten Söring offenbar nicht für unschuldig. Die Vorsitzende jedenfalls ließ sich in einer US-Zeitung mit den Worten zitieren, die „Unschuldsbehauptungen“ des Deutschen „entbehrten jeder Grundlage“. Auf Bewährung komme er nur deshalb frei, weil er genug Zeit verbüßt habe, keine Gefahr mehr darstelle und weil dies den Bundesstaat günstiger zustehen komme. Auch Virginias Gouverneur Ralph Northam weigerte sich, den heute 53-Jährigen zu begnadigen.

Dabei sprechen nach Meinung Fabers etliche Indizien dafür, dass Söring nicht der Täter sein könne. Unter anderem diese: Es wurden zwei Blutproben am Tatort entnommen, die nicht von ihm stammen. Ein Sockenabdruck im Haus passe nicht zu Sörings Fuß. Und der Richter, der ihn letztlich verurteilte, sei ein Familienfreund der Haysoms gewesen.

Außerdem kennt die Bitburgerin Söring persönlich. Sie hat ihm schon Auge in Auge gegenübergestanden, bei mehreren Besuchen im Gefängnis. Jede Woche schrieben die beiden sich Briefe. Für ihn ist er „Familie“, hat die Bitburgerin mal gesagt. Sie wolle ihn „nach Hause“ holen.

Nun könnte es sein, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht. Seine erste Station in Deutschland soll Bitburg werden, wie die ARD berichtete. Faber wollte dies zunächst nicht bestätigen. Auf Anfrage teilte sie mit, dass sie derzeit nicht für Interviews zur Verfügung stehe. Auch PR-Experte Dederichs sagte Mittwochabend unserer Zeitung, dass er nicht wisse, ob Söring komme.

Hält Söring für unschuldig: die Bitburger Religionslehrerin Bernadette Faber. Foto: e_bit <e_bit@volksfreund.de>+SEP+e_bit <e_bit@volksfreund.de>

Das liege schlicht und einfach daran, dass er derzeit keinen Kontakt zu dem 53-Jährigen habe, der wohl nach wie vor in Abschiebehaft sitzt. Daher wisse er auch nicht, wann er nach Deutschland komme. Und wohin er dann gehen werde.