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Das Großstadt-Problem der CDU

Das Großstadt-Problem der CDU

Der Verlust des Oberbürgermeister-Postens in Düsseldorf alarmiert die CDU. Die Partei fragt sich, warum sie in größeren Städten beim Wähler nicht mehr ankommt.

Für die CDU sind die Ereignisse vor allem in Düsseldorf ein Déjà-vu. Wieder hat Angela Merkels Partei den Rathaus-Chefsessel einer Großstadt verloren. Wie schon in Stuttgart, in Hamburg oder in Frankfurt. In den 16 Landeshauptstädten stellt die Union jetzt nur noch in Dresden den OB. Die Partei ist alarmiert. Auf der Suche nach einem Gegenrezept warnt Vize-Chefin Julia Klöckner jedoch davor, sich nur noch auf das städtische Klientel zu konzentrieren. "Unser Land besteht nicht nur aus Latte-Macchiato-Bistros", so Klöckner gestern zu unserer Zeitung.

Doch welche Strategie ist richtig? Wer nicht weiter weiß, gründet einen Arbeitskreis. Davon gab es in den vergangenen Jahren gleich mehrere. Jürgen Rüttgers leitete einst die Kommission "Große Städte", später übernahm Friedbert Pflüger den Job. Papiere wurden verfasst, Taktiken überlegt. Doch das waren hilflose Versuche ohne Erfolg, wie sich am Wochenende nicht nur in Düsseldorf , sondern auch noch bei anderen wichtigen Stichwahlen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen gezeigt hat. Zwar trimmte Merkel ihre Partei kalt auf modern und verschreckte dabei viele Konservative. Durchweg mehr Zuspruch der urbanen Wählerschaft hat dies der Union aber nicht eingebracht.

"Wir müssen uns noch stärker der Aufgabe widmen, das städtische Lebensgefühl überall richtig zu treffen", befand gestern CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Ganz so sieht das Klöckner allerdings nicht. Sie warnt: Die CDU sei nach wie vor eine Volkspartei. "Folglich müssen wir die Städte, aber auch das Land im Blick behalten - und zwar die gesamte Bandbreite." Es sei daher schwierig, sich jetzt auf ein Milieu zu stürzen, "das man für urban hält". Zumal keine Stadt der anderen gleiche. "Deshalb lässt sich ein Gefühl für Großstädte nicht von oben verordnen". Die Debatte über den richtigen Unions-Weg in den Städten ist wieder eröffnet.

Mitmischen wollen dabei auch die Bundestagsabgeordneten aus den Ballungszentren. Schon vor zwei Jahren hatten sie beklagt, den Anschluss in den großen Kommunen verloren zu haben. Damals entstand das Papier: "Die CDU in den Großstädten: Probleme, Potentiale, Perspektiven". Beachtet wurde es kaum. Dem Vernehmen nach soll das Konzept nach der Sommerpause unter Führung des neuen Großstadtbeauftragten der Fraktion, dem Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner, weiterentwickelt werden. Die Parlamentarier treibt um, dass die Union durchaus in der Lage ist, stärkste Fraktion zu werden oder Wahlkreise direkt zu gewinnen. Aber wenn es darauf ankommt, eine Mehrheit für einen Kandidaten zu erringen, trifft sie den Nerv nicht mehr. Das liegt allem Anschein nach an den Grünen: Für den Matthias Zimmer, Mitinitiator des Papiers, sind sie die stärkste urbane Konkurrenz.