Nach Massenprotesten: Boliviens Präsident Morales kündigt Neuwahl an

Nach Massenprotesten gegen offizielles Wahlergebnis : Boliviens Präsident Morales kündigt Neuwahl an

Nach Massenprotesten gegen das offizielle Ergebnis der Präsidentenwahl hat Boliviens Staatschef Evo Morales eine erneute Abstimmung angekündigt. Die Bolivianer sollten die Möglichkeit erhalten, bei einer neuen Wahl auf demokratische Weise die Führung des Landes zu bestimmen, erklärte Morales am Sonntag laut einem Bericht der Tageszeitung El Deber.

Er bat darum, die „Spannungen im Land abzubauen“. Zugleich kündigte er an, dass die Mitglieder der umstrittenen Wahlkommission ausgetauscht werden sollen.

Zuvor hatte die Organisation Amerikanische Staaten (OAS) Wahlbetrug bei der Abstimmung am 20. Oktober festgestellt und eine Wiederholung der Wahl empfohlen. Nachdem die Wahlkommission Morales zum Wahlsieger gekürt hatte, war es landesweit zu Protesten gekommen. Dabei kamen drei Menschen ums Leben.

Am Samstag hatten Regierungsgegner in der Hauptstadt La Paz die Zentralen von zwei staatlichen Rundfunksendern besetzt, die daraufhin ihre Programme unterbrechen mussten. Morales schrieb via Twitter, organisierte Gruppen hätten die Mitarbeiter bedroht und sie gezwungen, ihre Arbeitsplätze zu verlassen. Im ganzen Land kam es zu weiteren Demonstrationen der Opposition. Bolivianischen Medien zufolge schloss sich die Polizei in Städten wie La Paz den Protesten an.

Bei der Wahl am 20. Oktober war der Sozialist Morales laut dem offiziellen Ergebnis der Wahlkommission auf 47,07 Prozent der Stimmen gekommen, sein Herausforderer Mesa vom oppositionellen Bündnis „Comunidad Ciudadana“ auf 36,53 Prozent. Damit hatte Morales die notwendigen zehn Prozentpunkte Abstand zum Zweitplatzierten, um im ersten Wahlgang zu gewinnen. Die Opposition sprach von Wahlbetrug und erkannte das Ergebnis nicht an.

Morales regiert das Andenland seit 13 Jahren.

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