Nach dem Massaker in El Paso: Mexiko scheint mit seiner Geduld am Ende

Nach dem Massaker in El Paso : Mexiko scheint mit seiner Geduld am Ende

Die Regierung reagiert scharf auf Attentat in El Paso, bei dem auch sieben Mexikaner getötet wurden, und macht Trump indirekt mitverantwortlich für die Tat.

Keine 24 Stunden hat die mexikanische Regierung gebraucht, um auf das Attentat in El Paso zu reagieren. Präsident Andrés Manuel López Obrador schickte am Sonntag seinen Außenminister Marcelo Ebrard vor, um eine für mexikanische Verhältnisse scharfe Reaktion an den Nachbarn im Norden zu übermitteln. „Wir verurteilen diese barbarische Tat, bei der unschuldige Mexikaner getötet wurden“, sagte Ebrard in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft. Man sah dem Minister in der Botschaft an, dass er seine Wut und sein Entsetzen über die Vorkommnisse nur schwer in die gebotene diplomatische Zurückhaltung einfassen konnte.

Zudem kündigte Ebrard rechtliche Schritte zum Schutz der in den Vereinigten Staaten lebenden Mexikaner an. Es war dann an Vize-Außenminister Jesús Seade, das zu ergänzen, was ein ganzes Land und vermutlich auch die gesamte Regierung des Linkspräsidenten López Obrador denken: Zumindest eine gehörige Mitschuld an diesem Massaker trage Donald Trump mit seinem Diskurs der vergangenen Wochen, in dem er sich voller Rassismus und Abwertung gegen über Minderheiten äußerte, vor allem aus Mexiko und Zentralamerika. „Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt“, schrieb Seade auf Twitter. „Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss vollständig beendet werden.“

Bei dem Anschlag starben nach bisherigen Erkenntnissen mindestens sieben Mexikaner. El Paso und das auf der mexikanischen Seite liegende Ciudad Juárez sind praktisch Zwillingsstädte, die nur durch Brücken und eine massiv befestige Grenze getrennt sind. Täglich überqueren Zehntausende Mexikaner aus Juárez die Grenze, um in El Paso zu arbeiten oder wie an diesem Samstag einzukaufen. 80 Prozent der Einwohner der texanischen Stadt haben einen hispanischen Hintergrund.

Mexikos Regierung hat seit Trumps Machtübernahme fast jede Zumutung, Beschimpfung und Drohung relativ klaglos hingenommen. Das Land ertrug es, als Trump die Mexikaner „Drogendealer und Kriminelle“ nannte, es setzte sich mit ihm an einen Tisch, als er die Nordamerikanische Freihandelszone (Nafta) aufkündigte und neuverhandeln wollte, und es verschärfte auf Druck aus Washington die eigene großzügige Migrationspolitik.

Diese Geduld scheint nun aufgebraucht. Das zeigt sich auch darin, dass die Mexikaner erwägen, die Auslieferung des mutmaßlichen Schützen von El Paso zu beantragen. Eine Entscheidung müsse aber die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft treffen, sagte Außenamtschef Ebrard. „Für uns ist diese Person ein Terrorist.“ Zudem werde die Regierung rechtliche Schritte gegen denjenigen einleiten, der dem mutmaßlichen Täter die Waffe verkauft hat, kündigte der Außenminister an. Der Minister wollte noch am Montag nach El Paso fliegen, um sich vor Ort um die mexikanischen Opfer und ihre Angehörigen zu kümmern.

Zu den Opfern des Blutbads in El Paso gehören auch sieben Mexikaner: In der Grenzstadt haben sich Menschen zum Gebet versammelt. Foto: AP/Mark Lambie

Präsident López Obrador selbst verlangte „mit Nachdruck“ eine Bestrafung der Verantwortlichen. Der Staatschef kritisierte zudem das liberale Waffenrecht in den USA: Nichts lasse sich durch Gewalt und das lösen, „was man Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit und Hass auf Migranten nennt“, sagte er bei einer Reise in den Bundesstaat Michoacán.