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Tigerjagd im Großstadt-Dschungel

Tigerjagd im Großstadt-Dschungel

Rund 200 Polizisten haben im Großraum Paris nach einem vermeintlichen Tiger gesucht. Doch Experten gaben am Freitag Entwarnung: es handelt sich um eine kleinere Raubkatze, die nicht wirklich gefährlich ist.

Einen Tag und eine Nacht lang galt die Jagd als Suche nach einem Tiger. Niemand wusste, wo das Tier hingehört, das auf dem Parkplatz eines Supermarktes gesehen und abgelichtet worden war. Ganz Frankreich blickte an diesen trüben Novembertagen auf den kleinen Ort Montévrain östlich von Paris .

Die Frau des Chefs eines Supermarkts hatte das Tier am Donnerstagmorgen zum ersten Mal von einem Parkplatz aus gesehen. Mit ihrem Handy fotografierte sie es - und wurde damit auf einen Schlag berühmt. Denn es waren die bisher einzigen Fotos des Vierbeiners, der die Gegend rund 40 Kilometer östlich von Paris unsicher machte. Auf dem verwaschenen Foto, das in allen Zeitungen und Nachrichten war, ist ein Tier mit rötlichem Fell hinter Gräsern zu erkennen. "Ein junger Tiger wurde heute Morgen in den Wäldchen hinter den Tennisplätzen und dem Fußballfeld gesehen", warnte die Gemeindeverwaltung von Montévrain die Einwohner.

Die reagierten schnell: Eltern taten sich zusammen, um ihre Kinder mit dem Auto von der Schule abzuholen. Von Spaziergängen, vor allem im Wald, rieten die Behörden dringend ab. Dutzende Feuerwehrleute und zeitweise mehr als 200 Gendarmen im Alarmzustand - unterwegs mit Betäubungsmitteln für ein Raubtier. Per Helikopter suchen sie die bewaldeten Flecken rund um Montévrain ab. Und Experten gaben munter Tipps, was bei einer Begegnung mit der Raubkatze zu tun sei. "Wie bei einem Hund gilt: Man muss schreien, so laut wie möglich," zitierte das Fernsehen den Leiter des Zirkus Pinder, Gilbert Edelstein. Besonders gut sei es, auf Deutsch mit dem Tier zu reden, denn die kehligen Laute könnten abschreckend wirken.

Doch der Alarm und all die Aufregung war unnötig. Denn die Untersuchung von Pfotenabdrücken ergab, dass es sich bei dem Raubtier gar nicht um einen Tiger handelte. Von einem Luchs oder einer anderen Wildkatze sprach die Jagdbehörde, nachdem Experten noch am Donnerstag ziemlich sicher gewesen waren, dass ein Tiger sein Unwesen treibt. "Die Gegenwart eines Tieres der Art der Tiger ist nun ausgeschlossen", gab die Präfektur Entwarnung. Die Vorsichtsmaßnahmen galten allerdings weiter.

Und die Suche nach dem Tier beschäftigt weiterhin die ganze Nation - sie erheitert und lässt es manch einem gleichzeitig kalt den Rücken runterlaufen. Auch wenn es dann am Ende doch kein Tiger ist. Und schließlich hat Frankreich Erfahrung mit Phantom-Tigern. Im Jahr 2000 gab es schon einmal Alarm: Das vermeintliche Raubtier stellte sich damals als wilde Hauskatze heraus.