Per Anhalter zur Raumstation

Heute um 11.58 Uhr endet in Cape Canaveral mit der Rückkehr des Space Shuttles Atlantis das komplexeste Programm der bemannten Raumfahrt. Ein Programm, das am 12. April 1981 mit himmelhohen Erwartungen startete. Drei Jahrzehnte später, bei der letzten Landung der Atlantis, geht es mit genau denselben Befürchtungen zu Ende, mit denen es beim Jungfernflug der Columbia begann

Heute um 11.58 Uhr endet in Cape Canaveral mit der Rückkehr des Space Shuttles Atlantis das komplexeste Programm der bemannten Raumfahrt. Ein Programm, das am 12. April 1981 mit himmelhohen Erwartungen startete. Drei Jahrzehnte später, bei der letzten Landung der Atlantis, geht es mit genau denselben Befürchtungen zu Ende, mit denen es beim Jungfernflug der Columbia begann. Hat der Hitzeschutz der Raumfähre den Start ohne Schäden überstanden? Hält er die Belastungen beim Eintritt in die Atmosphäre aus? Kommen die Astronauten heil nach Hause?Diese Unsicherheit wird uns bis zur letzten Sekunde begleiten. Denn nach 135 Shuttle-Flügen und zwei Katastrophen mit insgesamt 14 Toten ist klar, dass die amerikanische Raumfähre eben nicht das "Weltraum-Taxi" ist, das Raumfahrt zur Routine macht. Jeder Flug birgt für die Astronauten statistisch ein größeres Risiko als eine Bypass-Operation für einen Herzpatienten. Mit anderen Worten: Das Shuttle ist für seine Besatzung lebensgefährlich. Die drei verbliebenen Raumfähren durch ein besseres, sicheres Transportsystem abzulösen, war deshalb längst überfällig.

Doch trotz seiner Schwächen war das Space Shuttle auch ein Symbol. Ein Zeichen der technischen Überlegenheit der einzig verbliebenen Supermacht USA, die allein in der Lage war, ein so kompliziertes System zu entwickeln und zu betreiben. So gesehen, kommt die Landung der Atlantis heute einem Absturz gleich. Denn die US-Raumfahrtagentur Nasa hat als Nachfolger kaum mehr anzubieten als widersprüchliche Pläne. Sie muss ihre Astronauten wenigstens bis 2016 per Anhalter mit russischen Sojus-Kapseln zur Internationalen Raumstation schicken. Sie entwickelt eine Raumkapsel, die Orion, für die es keine Trägerrakete gibt. Und setzt zugleich auf den von der amerikanischen Regierung verkündeten Plan, Astronauten von privaten Weltraum-Spediteuren zur ISS fliegen zu lassen. Ein klares Konzept sieht anders aus.

Die Idee, den kosmischen Nahverkehr zur ISS kommerziellen Transportunternehmen zu überlassen, damit die Nasa endlich auch ambitioniertere Projekte im Weltall angehen kann, hat eigentlich viel für sich. Doch gerade da liegt das Problem. Das Space Shuttle war technisch nicht darauf ausgelegt, die Erdumlaufbahn zu verlassen. Die Planer der immer noch führenden Raumfahrt-Nation der Erde scheinen derzeit unter anderem aus finanziellen Gründen nicht in der Lage zu sein, über dieses Limit hinaus zu denken. Doch Raumfahrt braucht als Treibstoff Visionen - ein kühnes Projekt, das möglichst viele Menschen vereint. Das wird spätestens morgen deutlich werden, wenn der große Katzenjammer einsetzt - am ersten Tag nach dem Ende der Shuttle-Ära.

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