Sepulkralmuseum in Kassel zeigt Särge aus Ghana

Sepulkralmuseum in Kassel : Sonderausstellung zeigt Särge aus Ghana

„Mit dem Linienbus ins Jenseits“: Im Sepulkralkultur-Museum in Kassel gibt es Außergewöhnliches zu sehen.

Sich in einer Kirche bestatten zu lassen, war in Europa einst nur hohen Würdenträgern vorbehalten. Beim Volk der Ga in Ghana, die an der Küste rund um die Hauptstadt Accra leben, ist dies hingegen für jeden möglich. Allerdings wird der Verstorbene in keiner richtigen Kirche beerdigt, immerhin aber in einem Holzsarg in Form einer solchen. Wer mag, kann sich auch in einem buchförmigen Sarg betten lassen, auf dem ein Kreuz und die Aufschrift „Heilige Bibel“ prangt. Zu sehen sind solche ungewöhnlichen Särge von Samstag an im Kasseler Museum für Sepulkralkultur, das sich der Bestattungskultur widmet.

Im Dezember vergangenen Jahres habe man überraschend eine Schenkung von 28 dieser in Ghana gefertigten Särge bekommen, erläutert Gerold Eppler, stellvertretender Museumsleiter und Mitkurator der Ausstellung. Neben den schon erwähnten „christlichen“ Särgen gibt es (fast) jede erdenkliche Sargform: vom Lkw über ein Flugzeug, eine Chilischote, eine Henne bis hin zum Sportschuh. „Damit wird darauf hingewiesen, womit der Verstorbene seinen Lebensunterhalt verdient hat“, sagt Mitkuratorin Ulrike Neurath.

Obwohl die meisten Ga Christen seien, habe sich der Ahnenkult noch vielfach erhalten. Die etablierte Kirche in Ghana allerdings lasse es nicht zu, dass die bunten Särge in ihre Räume hineinkämen, sagt Neurath. Nur explizit christlichen Särgen, also etwa in Form einer Bibel oder einer Kirche, werde Einlass gewährt. In den anderen Fällen führe der Pfarrer die Zeremonien im Haus des Verstorbenen und auf dem Friedhof aus.

Die Tradition der bunten Särge ist noch nicht mal ein Jahrhundert alt, erklärt Neurath. Befördert habe sie der Kolonialismus und die Mission, die die Bestattung in klassischen Holzsärgen einführte. „Vor 100 Jahren hat die Bestattung in Särgen gar keine Rolle hier gespielt, die Verstorbenen wurden einfach im Boden des Hauses begraben.“ Nach Einführung der Sargpflicht habe aber bald ein Wandel von der Kistenform zum figürlichen Sarg eingesetzt.

Fast ein wenig unter geht bei der Ausstellung eine kleine Schau des Künstlers Martin Wenzel, die zeitgleich im Museum gezeigt wird. Wenzel hat sich in Ghana von der Kunst der Sargmacher zu eigenen Werken inspirieren lassen und stellt einen Sarg in Form einer Kehrmaschine aus. Und Urnen in der Form eines Haarföns oder eines Tampons.

Auf deutschen Friedhöfen wären solche Särge in einem begrenzten Rahmen auch möglich, sagt Eppler. Eine Form sei zwar nicht vorgeschrieben, Probleme könne es aber beim Grabaushub oder beim Transport geben. Da die Friedhöfe unter einem enormen wirtschaftlichen Druck ständen, sei es vorstellbar, dass solch ungewöhnliche Särge auch hier demnächst Einzug hielten.

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