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Ende des Hilfspakets
Griechenland ist vorerst gerettet, aber nicht geheilt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Griechenland ist nicht erlöst. Für die geplagten Euro-Finanzminister mag das Auslaufen des dritten Hilfsprogramms am 20. August so etwas wie eine historische Stunde sein.

Und auch die Hellenen selbst wollen sich dann wieder als die Herren im eigenen Haus fühlen. Aber tatsächlich bleiben das Land und seine Regierungen noch auf Jahre hinaus unter dem Kuratel der Geldgeber. Zu groß ist die Sorge der Euro-Familie, dass Premierminister Alexis Tsipras im Vorfeld der Wahlen 2019 in alte Verhaltensweisen zurückfallen und teure Wahlversprechen machen könnte.


Die Zusage Athens, künftig solide zu wirtschaften, wird nicht einfach einzuhalten sein. Denn die so lange hinausgezögerten Schuldenerleichterungen fallen nun deutlich geringer aus als erhofft. Das Land wird auch weiter unter den Folgen eines Schuldenberges ächzen, von dem sich niemand vorstellen kann, wie dieser jemals abgetragen werden kann. Die Geldgeber sind skeptisch, weil die Geschichte dieser Krise voller Lügen, Hintertüren und dem Bruch eingegangener Versprechungen ist. Das ist bitter – vor allem für die griechische Bevölkerung, die weiter unter den Folgen der Fehler leiden wird, die die Regierungen gemacht haben.

Aber die Geldgeber fürchten nichts mehr als die Reaktion ihrer eigenen Bürger, wenn man dem Land jetzt zu weit entgegenkommt. Auch wenn man dafür die Unterstützung des Internationalen Währungsfonds verliert, der die letzte Gelegenheit ungenutzt verstreichen lässt, nachträglich in das auslaufende dritte Hilfspaket einzusteigen. Für den deutschen Finanzminister dürfte das tatsächlich das kleinere Übel sein. Er kann dem Bundestag, der vor drei Jahren auf die Beteiligung des IWF und seines Sachverstandes pochte, immerhin sagen, dass er unpopuläre Schuldenerleichterungen abgeblockt hat.



So wird Athen nach einer beispiellosen Rosskur zwar bald wieder offiziell auf eigenen Füßen stehen. Aber das ist kaum mehr als eine rosig angemalte Mogelpackung für den Kapitalmarkt, damit die Investoren an das Märchen von der Gesundung des Landes glauben und zurückkehren. Nichts bräuchte Hellas mehr.

Griechenland ist nicht geheilt. Das Auslaufen des dritten Hilfspaketes spült noch keineswegs Einkommen in die Taschen, von denen Familien und Rentner leben können. Es fehlen Perspektiven – für die junge Generation, für Arbeitslose, für Unternehmen.

Auch nach neun Jahren Krise sind die Signale für eine echte Trendwende spärlich gesät. Hellas gehört zudem zu den völlig überforderten Staaten an einer europäischen Außengrenze. Das muss Europa wissen und reagieren – vielleicht nicht mehr mit Rettungsprogrammen, ganz sicher aber mit Struktur- und Anpassungshilfen, mit humanitären Subventionen und strategischen Investitionen, die nicht nur Merkel und Macron mit Blick auf die Euro-Zone gerade entwerfen. Athen unter Beobachtung zu halten, mag richtig sein. Aber ohne weitere Assistenz der Partner ist das Land noch lange nicht überlebensfähig – allem Erfolg der Hilfspakete zum Trotz.