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Die Musikfestspiele und die schwarz-rote Pingpong-Politik

Die Sopranistin Sooyeon Kim singt beim Sonderkonzert am 24. August. Foto: Musikfestspiele Saar
Die Sopranistin Sooyeon Kim singt beim Sonderkonzert am 24. August. Foto: Musikfestspiele Saar FOTO: Musikfestspiele Saar
Saarbrücken. Mit einem Sonderkonzert am 24. August lassen die Musikfestspiele Saar wieder von sich hören. Trotz heftigem Gegenwind aus der Landespolitik hat Festivalchef Robert Leonardy sein Programm für die China-Ausgabe 2017 weitgehend unter Dach und Fach. So soll das Shanghai Symphony Orchestra nächstes Jahr ins Saarland kommen, die Peking-Oper – und zum Abschluss auch eine Produktion aus der Arena di Verona. Oliver Schwambach

Wer ein chinesisches Festival plant, mittlerweile gar zum Koordinator des bundesweiten deutsch-chinesischen Kulturjahres avancierte, müsste doch eigentlich hin und wieder auch zu Sammlungen fernöstlicher Aphorismen greifen. "Erzürne nicht, setze Dich ans Ufer des stillen Flusses und warte, bis die Leichen Deiner Feinde vorbeitreiben", lautet so eine der kostbarsten konfuzianischen Weisheiten.


Nun, gezürnt hat Robert Leonardy jedenfalls nicht allzu lange. Darüber, dass die Landesregierung sein Festival, die Musikfestspiele Saar, pekuniär austrocknete. Und Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) das Geld flugs nutzte, ein Pop-Festival auszurufen. Kaum aber war das annonciert, verkündete Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), quasi in einer Art rot-schwarzer Pingpong-Politik, dass 2018 auch noch ein neues Klassikfestival kommen soll. Ebenfalls teilfinanziert vom Land. Um diese plötzliche akute Staatsfestivalitis zu begreifen, wird man wohl lange noch am stillen Fluss sinnen müssen.

Nachdem nun schon "Musik & Theater Saar"-Chef Joachim Arnold sich als Neu-Festival-Chef empfahl, macht Robert Leonardy hingegen klar: "Ich werde mich für das neue Klassikfestival nicht bewerben." Punkt. Er hat ja auch genug damit zu tun, seine Musikfestspiele zu organisieren. Vor allem aber den Etat dafür zusammenzukratzen. "Ich muss davon ausgehen, dass ich 2017 weder vom Land noch von Saartoto was bekomme", sagt Leonardy. So fehlen von vorneherein 350 000 Euro. Gelindert wird die Misere allein dadurch, dass er das deutsch-chinesische Kulturjahr koordiniert, mit dem 2017 das 45-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen der Volks- und der Bundesrepublik gefeiert wird. Das ebnet dem Saarbrücker Kulturmacher den Weg auch zu Sponsoren außerhalb des Saarlandes. Rund eine Million Euro werde er für 2017 zusammen bringen können, hofft Leonardy. 1,6 Millionen Euro waren es allerdings noch 2015. So schnurrt denn auch das Angebot zusammen, auf gut 20 Termine. "Lieber noch hochkarätiger, dafür weniger", lautet nun das neue Motto. Zudem will Leonardy nach Kräften die Synergieeffekte mit dem chinesischen Kulturjahr nutzen, bei dem er die Strippen zieht. Das Shanghai Symphony Orchestra mit Dirigent Yu Lomg wird so außer in Saarbrücken auch in Hamburg gastieren. Das dämpft schon mal die Reisekosten. Und die Peking-Oper mit ihrer "Faust"-Version gasiert in Saarlouis und in Wiesbaden. Frank Nimsgerns neue Revue "East meets West" soll auch in Berlin und London aufgeführt werden, kündigt Leonardy an. Sein Festival werde also mehr "Internationalität und Ausstrahlung" denn je haben. Eben das hatte der Kulturminister zuletzt in Zweifel gezogen.



Ein altes Problem aber bleibt: Vom Eröffnungskonzert am 31. März 2017 mit der Deutschen Radio Philharmonie bis zum Ausklang mit der Arena di Verona im Oktober spannen sich die Musikfestspiele fast über ein halbes Jahr. "Wir können die Tourneepläne von großen Stars und Orchestern nicht ändern", erklärt Leonardy. Die Kernzeit der Festspiele werde aber Mai, Juni, Juli sein; im Herbst stellt er dann das komplette Programm vor.

Am Grundkonzept der Traditionsfestspiele, die im Kern ein Klassikfestival bleiben sollen, ändert sich also wenig. Man muss junge Menschen für die Klassik, diesen großen Kulturschatz, begeistern, lautet Leonardys Credo. Die Musikfestspiele gingen da mit gutem Beispiel voran. Zu ihrem Sonderkonzert am 24. August bekommen Kinder und der begleitende Elternteil freien Eintritt. "Unsere Anmache an die Jungen", nennt Leonardy das. Ob die sich aber so verführen lassen?

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Auf einen Blick Für das Sonderkonzert am 24. August, 20 Uhr, in der Saarbrücker Congresshalle, erhalten Kinder und Jugendliche sowie ein Elternteil, das sie begleitet, freien Eintritt. Wer Interesse habe, so Festivalchef Robert Leonardy, bekomme die Freikarten im Saarbrücker Musikhaus Knopp, Futterstraße 4. Der Goyang Civic Choir, der Suncheon City Choir (beide Südkorea) und das Orchestre National de Lorraine gestalten das Konzert. Auf dem Programm: Florent Schmitts Psalm 47, Puccinis "Messa di Gloria" und Verdis "Te Deum" für Doppelchor und Orchester. red