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Streit um Kunst in Kassel
„600 000? Seid ihr blöd?“

Der 16 Meter hohe Obelisk auf dem Königsplatz in Kassel.
Der 16 Meter hohe Obelisk auf dem Königsplatz in Kassel. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Kassel. Spenden sollen den Verbleib eines documenta-Kunstwerks in Kassel ermöglichen. Statt Geld gibt es Streit.

Vom geplanten Ankauf eines documenta-Obelisken ist man in Kassel weit entfernt. Über einen Monat nach Beginn einer Spendenaktion seien 93 000 Euro eingegangen, sagte Kulturdezernentin Susanne Völker (parteilos) gestern. Vereinbart worden waren mit dem Künstler Olu Oguibe 600 000 Euro. Der Ankauf von documenta-Werken hat in Kassel Tradition: 16 Installationen stehen in der nordhessischen Stadt, in der alle fünf Jahre die weltweit bedeutendste Ausstellung für moderne Kunst stattfindet. Oft werden  Publikumslieblinge angekauft.


Diesmal ist das anders: Die vom nigerianisch-amerikanischen Künstler Oguibe geschaffene Steinsäule spaltet die Meinungen. Einige finden sie schlicht hässlich, andere den Standort in der Innenstadt unpassend. Auch eine Debatte um den Wert von Kunst ist entbrannt. Einen Tag nach Beginn der Sammlung schmierte ein Mann die Frage „600 000? Seid ihr blöd?“ auf die Säule.

Auch politisch ist das Kunstwerk, das sich mit Flucht beschäftigt, Gesprächsthema. Es trägt die in Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch verfasste Inschrift „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ aus dem Matthäus-Evangelium. Ein AfD-Politiker bezeichnete die Säule 2017 als „entstellte Kunst“ und sorgte so für einen Eklat.



Die Kulturdezernentin hält es für möglich, dass die Kasseler am Ende doch ihren Frieden mit dem Obelisken machen. Auch Joseph Beuys‘ „7000 Eichen“ waren 1982 zunächst umstritten. Die Baumpflanzungen an Straßen mit Basaltstein daneben wurden als „Verschandelung“ beschimpft. Heute gehören die Eichen zu Kassel. Noch bis Ende April soll in Kassel Geld gesammelt werden.