Komplexität am eigenen Leib erfahren

Komplexität am eigenen Leib erfahren

Saarbrücken. Wenn rund 100 Logistikexperten in einer Werkshalle bei Peugeot synchron versuchen, mit drei Bällen zu jonglieren, dann darf man sicher sein, auf einer ungewöhnlichen Veranstaltung zu sein

Saarbrücken. Wenn rund 100 Logistikexperten in einer Werkshalle bei Peugeot synchron versuchen, mit drei Bällen zu jonglieren, dann darf man sicher sein, auf einer ungewöhnlichen Veranstaltung zu sein. Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Saar (GW-Saar) hat bei ihrem ersten Netzwerk- und Pressetreffen der Logistikinitiative Saarland auf ungewöhnliche Konzepte gesetzt und damit erfolgreich bekannte Strukturen durchbrochen. "Es ist im Saarland ja häufig so, dass sich die Teilnehmer kennen und dann den ganzen Abend gemeinsam an einem Tisch sitzen", sagt Anja Petschauer, Projektmanagerin bei der GW-Saar. "Genau das wollten wir mal anders machen." So wurden die Teilnehmer nicht nur zu einem halbstündigen Jonglier-Training gebeten, sie wurden anschließend auch neu auf die Tische verteilt.Und auch wenn der Jongleur Timo Wopp als Moderator Logistik-Prozesse mithilfe seiner Jonglierbälle erklärte, war es doch keine alberne Veranstaltung. Fachvorträge beleuchteten die neuen Herausforderungen der Logistik - so beschrieb beispielsweise Reinhard de Vries, Logistikmanager bei VW im Werk Wolfsburg, die neue Komponenten-Strategie bei VW. Dabei entstehen über so genannte "Modulare Baukästen" die Bodenteile von über 30 Modellen bei VW aus den gleichen Komponenten. Die Umstellung der Produktion bringt auch einen erheblichen logistischen Aufwand mit sich.

Ein logistisches Problem von VW hat gerade die saarländische Spedition Girlinger gelöst. Deren Geschäftsführerin Anja Banse erläuterte, wie das saarländische Unternehmen ein Transportsystem von Spanien nach Deutschland aufgebaut hat, bei dem die Lkws einen Großteil der Strecke per Bahn zurücklegen. Jetzt bringt Girlinger Teile für Ford nach Spanien - und bringt auf dem Rückweg Getriebe für VW aus Spanien mit. Das System funktioniere nur bei Rundläufen, wenn es also keine Leerfahrten gibt, sagt Banse. "So können wir aber erheblich CO2 einsparen."

"Wer heute Logistik betreibt, schiebt keine Kisten mehr, sondern muss sich mit komplexen Prozessen beschäftigen", sagte Klaus-J. Schmidt, Leiter des Instituts für Produktions- und Logistiksysteme - und hätte damit auch das Jonglieren treffend beschrieben. jwo

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