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Experten bereiten Schüler auf Berufseinstieg vorVerschnaufpause beim Anstieg der Arbeitslosigkeit im Saarland Arbeitsmarkt Bund

Neunkirchen. Damit mehr Schüler den Übergang von der Schule in die Ausbildung schaffen und weniger Ausbildungsverhältnisse wegen falscher Erwartungen abgebrochen werden, gibt es seit Februar an elf saarländischen Schulen so genannte Berufseinstiegsbegleiter. Das Modell-Projekt der Agentur für Arbeit ist zunächst auf fünf Jahre an bundesweit 1000 Schulen angelegt Von SZ-Redaktionsmitglied Nele Scharfenberg

Neunkirchen. Damit mehr Schüler den Übergang von der Schule in die Ausbildung schaffen und weniger Ausbildungsverhältnisse wegen falscher Erwartungen abgebrochen werden, gibt es seit Februar an elf saarländischen Schulen so genannte Berufseinstiegsbegleiter. Das Modell-Projekt der Agentur für Arbeit ist zunächst auf fünf Jahre an bundesweit 1000 Schulen angelegt. Im Saarland stehen dafür 670 000 Euro pro Jahr zur Verfügung, also 3,35 Millionen Euro insgesamt.Im Gebiet der Arbeitsagentur Neunkirchen hat das Diakonische Werk mit seinem Konzept den Zuschlag bekommen. Es fördert jeweils 15 Schüler an der Gesamtschule Neunkirchen und der Erweiterten Realschule Homburg II. Im kommenden Schuljahr kommen neue Schüler der achten Klasse hinzu. "Es gibt viele Maßnahmen für Schüler, doch die meisten enden mit der Schule", sagt Kirsten Nau, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur. "Die Berufsbegleiter sollen den Schülern erst dazu verhelfen, ihren Hauptschulabschluss zu schaffen und sie später bis in den Beruf hinein begleiten." Einzelgespräche, Gruppenarbeit, Kompetenzfeststellung, Elternarbeit, Betriebsbesichtigungen - das alles steht auf dem Plan der Sozialpädagogin Steffi Lamping und der Ausbilderin Monika Gemeinhardt, die dem Projekt jetzt Leben einhauchen müssen. Ziel des Programms ist eine intensive Begleitung von Jugendlichen, die Gefahr laufen, ihren Hauptschulabschluss nicht zu schaffen. Durch die Förderung schon ab der achten Klasse soll eine enge Bindung zu den Pädagogen entstehen. "Ich gehe auch mit in den Unterricht, um die Stärken und Schwächen der Schüler zu analysieren", sagt Gemeinhardt. Lamping fügt hinzu: "Sie sind momentan noch sehr weit weg von einer Berufswahl, aber sie lassen sich auf uns ein und sind froh, dass sich jemand für sie interessiert."Sollten die Jugendlichen trotz aller Bemühungen keine Ausbildungsstelle bekommen, werden sie noch bis zu 24 Monate nach dem Schulabschluss weiter begleitet. Aber Astrid Klein-Nalbach vom Diakonischen Werk macht deutlich, dass nicht weitere Fördermaßnahmen, sondern der Beginn einer Lehre in einem Betrieb das Ziel ist: "Je mehr Angebote zwischengeschaltet werden, weil die berufliche Orientierung fehlt, desto weiter weg rückt eine Ausbildung."Saarbrücken. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai an der Saar um 3,7 Prozent auf 39 300 zurückgegangen. Das gab die Regionaldirektion der Agentur für Arbeit gestern bekannt. Die Arbeitslosenquote sank von acht auf 7,8 Prozent. Im Vorjahresmonat hatte sie noch 7,3 Prozent betragen. Aus dem saisonal üblichen Rückgang der Erwerbslosenzahlen sei aber nicht zu schließen, "dass die Krise am Arbeitsmarkt gestoppt ist", warnte der Chef der Regionaldirektion Otto-Werner Schade (Foto: ddp). "Spätestens im Sommer, wenn die Übernahme der Auszubildenden ansteht, werden wir den negativen Trend wieder deutlicher zu spüren bekommen", prophezeit Schade.Allein die hohe Zahl der Kurzarbeiter lasse erkennen, dass das Problem der Unterbeschäftigung kaum kleiner geworden sei. Im März arbeiteten nach den jüngsten Zahlen in 660 Betrieben insgesamt rund 29 400 Arbeitnehmer kurz. Nur Anfang der 80er Jahre hatte es schon einmal mehr Kurzarbeiter gegeben. "In der Regel halten die Unternehmen Kurzarbeit sechs bis neun Monate durch." Danach häuften sich nach Erfahrung aus früheren Krisen die Entlassungen. Möglichweise akzeptierten die Unternehmen bei dieser Rezession aber "eine etwas längere Durststrecke". Sie könnten mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel aufgrund der demographischen Entwicklung versuchen, ihr Personal länger zu halten. Der Leiter der Regionaldirektion rechnet "bis weit ins nächste Jahr hinein mit steigenden Arbeitslosenzahlen". Und er macht keine Hoffnung auf eine schnelle Änderung: Er erwartet "in den Jahren darauf keinen nennenswerten Abbau der Arbeitslosigkeit".Ein Signal für den weiterhin negativen Trend sieht Schade auch in der sinkenden Nachfrage nach Arbeitskräften. Im Mai meldeten die Betriebe nur noch 1600 Stellen, ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Insbesondere jüngere Leute unter 25 Jahren bekommen die Auswirkungen der Krise zu spüren. In dieser Altersgruppe ist nach Angaben der Arbeitsagentur die Zahl der Menschen ohne Job um 34,2 Prozent auf 4200 gestiegen. Auch auf dem Ausbildungsmarkt macht sich die Krise bemerkbar: Seit Oktober 2008 wurden der Agentur 4600 Lehrstellen gemeldet, 4,3 Prozent weniger im Vergleich zum Jahr davor. Knapp 2350 freien Ausbildungsplätzen stehen 2500 Bewerber gegenüber. "Trotz aller Beteuerung engagieren sich die der Betreibe nicht so in der Ausbildung, wie es nötig wäre", beklagte Schade. Das werde sich beim nächsten Aufschwung "bitter rächen". Er appellierte deshalb an die Unternehmen, mehr Lehrstellen anzubieten. mztMeinung



Auf einen BlickWeiterhin beteiligen sich an dem Projekt: die Schule für Lernbehinderte, die ERS Ludwigspark und die ERS Bruchwiese (alle Saarbrücken), die ERS Sulzbach, die GS Sulzbachtal, die ERS Merzig, die Gesamtschule Losheim, die Schule für Erziehungshilfe Wallerfangen und die Förderschule Dillingen. An den elf Schulen sind insgesamt 15 Berufseinstiegsbegleiter im Einsatz. nele