Neu aufgestellt: Die Zukunft liegt in der Operationsrobotik

Neu aufgestellt : Die Zukunft liegt in der Operationsrobotik

Jochen Schuld ist seit September 2016 Chef der Chirurgie in der Klinik. Auf Hygiene legt er größten Wert.

Es ist nicht mein erster Aufenthalt in einem Operationssaal, aber zum ersten Mal begleite ich einen Chirurgen zu seinem Arbeitsplatz. Jochen Schuld ist seit September 2016 Chefarzt der Chirurgie in der Klinik Sulzbach. Seither haben sich die Fallzahlen verdoppelt. „Wir haben auch neue Stellen geschaffen“, sagt der 43-jährige Familienvater, „aber wir haben auch neues Vertrauen aufgebaut, gerade bei einweisenden Ärzten, die ihre Patienten jetzt zu uns schicken“.

Wir müssen durch die sogenannte Hygieneschleuse. Raus aus den Straßenklamotten, rein ins grüne OP-Outfit. Kopfhaube und Mundschutz an, Uhr und selbst Ehering aus. Desinfizierung von Händen und Armen. „Wir untersuchen selbst unsere Patienten vorab auf multiresistente Keime, der zusätzliche Aufwand minimiert das Risiko“, so Schuld, „Hygiene ist Grundvoraussetzung für alles“. In meiner grünen Kluft fühle ich mich ein wenig wie in einer amerikanischen Arztserie. Doch anders als die dort stereotyp als arrogant und überheblich dargestellten Starchirurgen ist Schuld nahbar, erklärt alles genau, antwortet auf Nachfragen. „Wir sind ja auch ein akademisches Lehrkrankenhaus“, betont er lächelnd. Auch der Umgang mit Kollegen und Pflegepersonal wirkt mehr als harmonisch. „Ich bin ein Ursaarländer“, sagt der Mediziner, der in St. Wendel geboren wurde und in Homburg studiert hat, „wichtig ist Sympathie, und dass man Vertrauen schafft. Der Patient urteilt nicht nur über die medizinische Versorgung. Wer für die Sorgen der Menschen nicht ansprechbar ist, ist hier falsch. Auch motivierte Mitarbeiter bekommt man nur bei attraktiven Rahmenbedingungen“. Dazu gehören modernste Arbeitsbedingungen. Die Zukunft heißt Operationsrobotik, sie soll baldmöglichst auch in Sulzbach Einzug halten.

Wir betreten einen der vier Operationsräume. Mit einem „minimalinversiven Verfahren“ wird gerade ein Leistenbruch gerichtet. Auf einem Bildschirm kann man verfolgen, wie die nur wenige Millimeter großen Werkzeuge im Patienten eingesetzt werden. Im Bild sind sie groß wie ein Hammer. Früher musste man nach einer Leisten-OP eine Woche in der Klinik bleiben, der aktuelle Patient verlässt sie am Folgetag. Die Anforderungen an seine Operateurin sind medizinischer, aber auch mentaler und körperlicher Art. „Man braucht schon eine gewisse Fitness“, sagt Schuld, „ich versuche das mit Radfahren zu erreichen. Außerdem bekomme ich damit den Kopf frei.“

Nebenan wird ein Tumor aus dem Bauchraum eines Patienten entfernt. Die sogenannte Viszeral-Chirurgie - das sind Eingriffe im Bauch und den Eingeweiden - ist das Spezialgebiet von Jochen Schuld, dessen Abteilung in der Sulzbacher Klinik 20 Ärzte, 32 Pflegekräfte und 46 Betten auf zwei Stationen umfasst. „Darm- und Tumorchirurgie ist meine Kernkompetenz. Man hat mir schon immer handwerkliches Geschick und Interesse an Naturwissenschaften nachgesagt“, erzählt der ehemalige geschäftsführende Oberarzt der Uniklinik Homburg, „und weil man als Chirurg sofort das Ergebnis seiner Arbeit sieht, habe ich mich dann dafür eintschieden“.

Schulds Frau Simone ist ebenfalls Ärztin, die beiden haben zwei Kinder. Der Tag ist im Normalfall bis auf die letzte Sekunde ausgereizt. „Feierabend ist, wenn die Arbeit getan ist. Dazu gehören Fortbildungen, Dokumentationen, Notfälle und jede Menge Verwaltungsaufgaben“, so Schuld, „aber natürlich stehe ich am liebsten im OP“. Dahin wird er dann auch gerufen. Mein Besuch endet mit dem guten Gefühl, dass ich im Falle des Falles in der Klinik Sulzbach bestens versorgt wäre.