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Deutsche Autobauer weiten Engagement in China aus
Wenn Merkel kurz die Führung abgibt

Deutschland und China wollen in der Entwicklung selbst fahrender Autos enger zusammenarbeiten. Das betonten gestern übereinstimmend Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang.
Deutschland und China wollen in der Entwicklung selbst fahrender Autos enger zusammenarbeiten. Das betonten gestern übereinstimmend Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Berlin. Die Bundeskanzlerin und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang testeten gestern in Berlin autonom fahrende Autos. dpa

() Deutschland und China wollen ihre Zusammenarbeit bei autonomen Fahrzeugen als einer der wichtigsten Zukunftstechnologien der Autoindustrie vertiefen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte gestern bei einem Treffen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Berlin, die Entwicklung sei in vollem Gange. Viele „Akteure“ entwickelten autonome Autos. Es wäre schön, wenn Deutschland und China „ganz vorne“ mit dabei wären. Es gehe um eine offene, transparente Kooperation.


Am Rande des Treffens vereinbarten Vertreter der deutschen sowie chinesischen Autoindustrie weitere Kooperationen. Dabei geht es etwa um eine technische Zusammenarbeit bei der Entwicklung selbstfahrender Autos sowie um gemeinsame Standards. BMW und der chinesische Autobauer Great Wall besiegelten zudem ihr Gemeinschaftsunternehmen für den Bau eines neuen Elektro-Mini in China. Auch VW will in China seine Offensive auf dem Leitmarkt für E-Mobilität vorantreiben.

Merkel und der chinesische Regierungschef ließen sich auf dem früheren Flughafen Tempelhof von Topmanagern der Autoindustrie selbstfahrende Autos vorführen. „Wir haben beide auch eine kleine Fahrt gemacht, sind auch gut wieder angekommen“, sagte Merkel.



Li Keqiang sprach von einem wichtigen Projekt. China werde sich dafür offen zeigen gegenüber der deutschen Industrie. Dies müsse auch umgekehrt gelten. China werde erforderlichen Daten zur Verfügung stellen, damit gemeinsam Autos entwickelt würden, die auf Straßen fahren könnten, sagte der Politiker.

An dem Treffen von Merkel und dem chinesischen Regierungschef nahmen unter anderem VW-Konzernchef Herbert Diess, Daimler-Forschungsvorstand Ola Källenius und BMW-Chef Harald Krüger teil. Krüger erklärte: „Wir heben die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auf eine neue Stufe.“ Autonome und vernetzte Fahrzeuge sind neben alternativen Antrieben wie Elektroautos das große Zukunftsthema der Autobranche, die sich in einem historischen Umbruch befindet. Der Diesel-Abgasskandal hat diesen beschleunigt. Die Hersteller wollen ihre Geschäftsmodelle ändern und sich zu Mobilitäts-Dienstleistern wandeln. Der Präsident des deutschen Branchenverbands VDA, Bernhard Mattes, sagte, deutsche Hersteller testeten ihre automatisierten Fahrfunktionen bereits auf den Straßen von Peking und Shanghai. „Es ist gut, dass die chinesische Regierung hierfür die Erlaubnis erteilt hat. Künftig sollten Tests auch auf Autobahnen möglich sein.“

China investiert massiv in autonome Fahrzeuge. BMW und Audi vermeldeten neue Partnerschaften auf ihrem wichtigsten Einzelmarkt, um beim autonomen Fahren weiter vorne mitzumischen. BMW will mit dem chinesischen Software-Riesen Baidu Projekte für autonomes Fahren ausloten. Der Autobauer wird auch Mitglied im Vorstand von Baidus offener Technologieplattform Apollo, in der Regeln und Standards für Fahrerassistenzsysteme diskutiert werden. Audi und der Elektronik-Konzern Huawei verabredeten eine Kooperation, um das automatisierte Fahren und die Vernetzung von Diensten rund ums Auto weiterzuentwickeln. Auch Daimler hat konkrete Projekte: Zum Beispiel haben die Stuttgarter vergangene Woche die Erlaubnis bekommen, autonom fahrende Autos auf öffentlichen Straßen in Peking zu testen. Dabei arbeiten auch die Schwaben mit Baidu zusammen. Volkswagen unterzeichnete Absichtserklärungen rund um E-Mobilität, Digitalisierung, Mobilitätsdienstleistungen und autonomes Fahren mit dem chinesischen Partner FAW Group sowie einem Forschungsinstitut. Am Vortag hatten VW China Group, Seat und der Hersteller JAC eine Absichtserklärung zur E-Mobilität unterschrieben.