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Fleischlose Ernährung
Veganer brauchen besonders viel Ernährungswissen

Berlin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung befragte Menschen, die sich fleischlos ernähren, zu ihren Motiven.

(np) Rund vier Prozent der Menschen in Deutschland ernähren sich nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) vegetarisch. Etwa ein Viertel von ihnen lebt vegan, verzichtet also zum Beispiel auch auf Milch, Eier und Honig. Die fleischfreie Lebensweise gilt allerdings heute als Trend. Nach Angaben der Universität Hohenheim hat sich die Zahl der Vegetarier binnen sieben Jahren verdoppelt.



Tofu statt Wurst, Banane statt Ei  – ist das auf die Dauer  gesund? Dies ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin bisher nicht sicher zu sagen. Es gebe zwar wenige, kleine Studien, die darauf hindeuteten, doch sei diese Ernährung einseitig. Veganer bräuchten viel Ernährungswissen und große Disziplin, um ihren kompletten Nährstoffbedarf zu sichern. Das Robert-Koch-Institut wiederum erklärt, frühere Annahmen, Vegetarier müssten mit Nährstoffdefiziten rechnen, hätten sich nicht bestätigt. Eine rein pflanzliche Ernährung erschwere die Versorgung mit Nährstoffen wie Vitamin B12 und Eisen, erklärt dagegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Auch bei einigen Mineralstoffen, Aminosäuren und Omega-3-Fettsäuren könne dann Mangel drohen.

Warum wählen Menschen trotzdem diese Art der Ernährung? Dazu hat das Bundesinstitut 42 Veganer befragt. Die meisten von ihnen seien überdurchschnittlich gebildet und hätten fundiertes Wissen zum Thema Ernährung. Fast alle Befragten hätten zum Beispiel gewusst, dass die vegane Ernährung zu einem Vitamin-B12-Mangel führen kann und setzten, um das zu vermeiden, gezielt Nahrungsergänzungsmittel ein.  Über das Thema informierten sie sich dabei allerdings fast ausschließlich über das Internet, aber nicht bei ihrem Arzt. Das Wissen, wie eine ausreichende Eisenversorgung über pflanzliche Nahrungsmittel sichergestellt werden kann, sei allerdings bei den befragten Veganern nur bruchstückhaft gewesen. Für die meisten berühre die Entscheidung für diese Form der Ernährung tiefe ethische Grundüberzeugungen.  Eine Rückkehr zu einer Ernährung mit tierischen Produkten hielten zum Beispiel Frauen selbst bei einer Schwangerschaft für ausgeschlossen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät bei einer Schwangerschaft und während der Stillzeit von einer veganen Ernährung ab. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche.

Alles in allem habe die Befragung gezeigt, dass es nichts bringe, die vegane Ernährung pauschal zu kritisieren, erklärt das BfR. Wichtig seien jedoch konkrete Anleitungen, wie man sich vegan gesund ernähren könne. Informationen dazu bieten das Bundesinstitut auf seiner Seite www.bfr.bund.de unter dem Stichwort „vegan“ und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung www.dge.de unter dem gleichen Stichwort.