Luxemburg bietet neben Natur und Kultur auch regionale Spezialitäten

Rundreise im Nachbarland : Crémant, Cidre, Cassero und Knödel

Auf Genießertour im Großherzogtum: Luxemburg hat neben Natur und Kultur auch etliche regionale Spezialitäten zu bieten.

Samstagvormittag, kurz nach 11 Uhr. Wir sitzen auf der Terrasse der Domaine Henri Ruppert in Schengen. Der vielfach ausgezeichnete Winzer schenkt uns einen Crémant aus. Henri Ruppert führt den 1680 gegründeten Betrieb in achter Generation. Der feinperlige Winzersekt schmeichelt auch zu dieser frühen Stunde Zunge und Gaumen – der Auftakt einer Rundreise unter dem Titel „Made in Luxemburg“. Dabei geht es um die Küche und typische Produkte des Großherzogtums. Wie den Wein eben. Rupperts modernes Betriebsgebäude ist ein echter Hingucker. Neben Cremant und Burgundersorten, die hier an der Mosel beste Bedingungen vorfinden, keltert er auch edle Rieslinge, mal mineralisch, mal fruchtig, „je nachdem auf welchen Böden sie wachsen“, erklärt der Winzer.

Rund eine Stunde später und knapp 17 Kilometer weiter genießen wir in der Domaine Viticole Cep D’Or auf der Route du vin in Hettermillen eine leckere Rieslingpastete. Und probieren auf der Panorama-Terrasse – na klar: Crémant. Den keltert man hier im Hause in sechs Varianten und er macht 40 Prozent der Produktion aus. Daneben gibt es Elbling, Auxerrois, Pinot Blanc, Pinot Gris und – eine angenehme Überraschung – fruchtig eleganten Pinot Noir, der nach Sauerkirschen duftet und schmeckt.

Die Obermosel bildet rund 40 Kilometer lang die Grenze zwischen Luxemburg sowie dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Die Rieslingpastete war die Vorspeise, jetzt, zehn Minuten weiter folgt der Hauptgang. Wir erreichen das Winzerdörfchen Ahn in der Gemeinde Wormeldange mit seinen malerischen Gassen. Erstes Haus am Platz ist das Weingut Clos Mon Vieux Moulin der Familie Duhr, früher eine Getreidemühle, heute Weinbaubetrieb mit schicker Weinbar. Nach der Begrüßung mit – na klar – einem edlen Crémant („30 Monate auf der Hefe gereift“, so Winzer Luc Duhr), gibt es in er Weinbar leckere Häppchen und als Hauptgericht feinen Braten. Dazu lernen wir erstklassige Terroirweine kennen, einen Riesling 2012 vom Palmberg, einen gehaltvollen Pinot Gris und eine ganz besondere Spezialität: einen Pinot Blanc Pailette 2015, das ist ein Vin de paille (Strohwein), ein köstliches, edelsüßes Tröpfchen.

Von der Mosel geht es in die Ardennen im Norden Luxemburgs. „Hier, in der Region Eislek, ist die Wiege einer mittelalterlichen Kultur, deren Spuren auch heute noch sichtbar sind“, erklärt unsere Reisebegleiterin. Interessierte könnten originalgetreu restaurierte Burgruinen besichtigen, so die imposanten Schlösser von Vianden, Bourscheid oder Esch-Sauer. Mit den Naturparks Our und Obersauer bietet sich der Norden auch für Wanderer an. Mitten in den Ardennen liegt das Städtchen Clerveau, überragt von einem Schloss aus dem 15. Jahrhundert. Hier besichtigen wir eine Fotoausstellung von Weltruf: „The Family of Man“ von Edward Steichen, dem amerikanischen Fotografen und Kurator, der Luxemburger Herkunft ist. Die Dauerausstellung besteht seit 1994 und gliedert 37 Motive, von Geburt, Familie, Liebe, Arbeit, Krieg oder Frieden.

Am Abend sind wir bei einem Luxemburger Spitzenkoch zu Gast: Yves Radelet in Draufelt. Das Restaurant mit offener Küche in einer renovierten Scheune ist bekannt und beliebt, Familie Radelet serviert eine hochwertige, kreative Küche mit vielen regionalen Produkten. Da gibt es zum Beispiel hausgeräucherten Lachs mit weißem Spargel, Kniddelen maison, das sind Mehlknödel mit Speck, oder Lammkeule mit Auberginen und geräucherten Zwiebeln. Ein Abendessen bei Yves Radelet und seinem Team, dem man bei der Arbeit zuschauen kann, ist ein Erlebnis.

Durch die Region Mullerthal, der „Kleinen Luxemburger Schweiz“, die mit ihrer hügeligen Landschaft zum Wandern einlädt, fahren wir nach Beaufort. Die Schlösser sind gut erhalten und eine Besichtigung lohnenswert. Der älteste Teil der Burg entstand zu Beginn des 11. Jahrhunderts, das Renaissanceschloss stammt aus dem Jahr 1649. Dort hergestellt wird der „Cassero“, ein herrlich aromatischer Likör aus schwarzen Johannisbeeren, den man solo als Digestif oder mit Cremant aufgefüllt als Aperitif (Kir Royal) genießen kann.

Beliebt für seine solide Küche und eine schöne Terrasse ist das Restaurant Becher Gare, im ehemaligen Bahnhof in Bech. Hier machen auch gerne Radfahrer Station, die auf der ehemaligen Bahntrasse von Echternach nach Luxemburg unterwegs sind.

Die Burg von Beaufort und das Renaissanceschloss können besichtigt werden. Am Ende gbt es eine Kostprobe des Cassero-Likörs. Foto: Thomas Reinhardt
Das moderne Betriebsgebäude von Spitzenwinzer Henri Ruppert in Schengen steht mitten in den Weinbergen an der Obermosel gegenüber von Perl. Foto: Thomas Reinhardt
Da lacht das Genießerherz: Ein Pinot blanc „paillette“ 2015, ein edelsüßer Dessertwein vom Weingut Duhr-Frères im hübschen Dörfchen Ahn. Foto: Thomas Reinhardt
Teller marsch: Küchenchef und Restaurantbesitzer Yves Radelet bedient seine Gäste gerne persönlich. Foto: Thomas Reinhardt
Reise Luxemburg Thomas Reinhardt. Foto: Thomas Reinhardt

Eine weitere Spezialität „Made in Luxemb urg“ lernen wir in Born kennen, einem Ortsteil der Gemeinde Rosport-Mompach. Hier wird Ramborn Cidre gekeltert, Apfelwein, der aus alten luxemburgischen Apfelsorten hergestellt wird, ausschließlich von lokalen Streuobstwiesen. Im Cider Haff Shop kann man verschiedene Geschmacksrichtungen probieren – sehr lecker.

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