Los Angeles bietet Urlaubern neben Stränden viel Kunst und Kultur

Streetart und Strände : Los Angeles ist mehr als nur die Stadt der Stars

Das Kulturangebot der Metropole an der Westküste der Vereinigten Staaten reicht von antiker Malerei bis zu moderner Straßenkunst.

Richtig still wird es in Los Angeles nie. Nicht am sonnengefluteten Strand von Venice Beach, wo sich muskelbepackte Sportler die Hantel in die Hand geben, in den belebten Cafés in Beverly Hills, wo grüne Smoothies schon längst als Grundnahrungsmittel gelten. Auch nicht im geschäftigen Treiben von Downtown, das mit seinen Hochhäusern eher an New York erinnert, und schon gar nicht in Hollywood, dem ersten Anlaufpunkt vieler Touristen, die dort von kostümierten Comic-Helden und verkaufstüchtigen Straßenhändlern empfangen werden. Nein, diese Stadt ist nichts für Erholungssuchende, überrumpelt sie ihre Besucher doch an jeder Straßenecke mit einer neuen Welt, in die diese hineinstolpern, ohne zu wissen, was sie als nächstes erwartet.

Stets im Schatten des nördlich gelegenen San Francisco mit seiner weltweit bekannten Kunst- und Kulturszene gilt Los Angeles oft als übertrieben, heruntergekommen und ohne jeglichen Anreiz jenseits vom schönen Wetter und der als verpönt geltenden Jagd nach Prominenten. Tatsächlich ist das Bild der kamerabewaffneten Touristen, die in Reisebussen hoffnungsvoll vor prächtigen Villen lauern, um einen Blick auf die eine oder andere Berühmtheit zu erhaschen, kein Klischee. Wer über den Hollywood-Boulevard mit seinem berüchtigten Walk of Fame spaziert, wird den hartnäckigen Verkäufern solcher Celebrity-Bustouren nicht aus dem Weg gehen können.

Doch Los Angeles muss sich auch in Sachen Kunst nicht hinter San Francisco verstecken. Die „Stadt der Engel” besticht etwa durch eine florierende Street-Art-Szene. Wer die Melrose Avenue in West Hollywood entlangspaziert, braucht kein konkretes Ziel vor Augen: Überall sind Hauswände mit Graffitis und Kunstwerken verziert, nicht mal der Fußboden wird verschont. Auch in Downtown Los Angeles – kurz DTLA genannt – lohnt es sich, die Augen offen zu halten, um kein Kunstwerk zu verpassen, das die grauen Wände der Stadt verschönert. Dazu zählt etwa ein Wandgemälde mit drei riesigen Elefanten von Künstler Damon Martin, der so auf das tödliche Geschäft mit Elfenbein aufmerksam machen will.

Entgegen gängiger Erwartungen mangelt es Los Angeles auch nicht an klassischen Museen. Zu den bekanntesten zählt das Los Angeles County Museum of Art (LACMA) im Hancock Park zwischen West Hollywood und Beverly Hills mit seinen mehr als 130 000 Kunstwerken von der Antike bis zur Gegenwart. Das Wahrzeichen des LACMA befindet sich jedoch vor der Tür: Seit nunmehr elf Jahren verweilen die „Urban Lights” von Künstler Chris Burden am Eingang des Museums. Die 202 antiken Straßenlaternen sind eines der beliebtesten Fotomotive für L.A.-Besucher aus aller Welt geworden.

Angrenzend an das LACMA liegen die La Brea Tar Pits. Die noch immer brodelnden, natürlichen Teergruben wurden vor mehr als 40 000 Jahren zur Todesfalle für zahlreiche Tiere. Im Museum nebenan können Besucher die Fossilien bestaunen, die in den Gruben gefunden wurden.

Wer eher an moderner Kunst interessiert ist, fährt nach DTLA ins jüngste Museum der Stadt, The Broad. Schon der Bau ist ein Kunstwerk für sich. Im Inneren warten mehr als 2000 zeitgenössische Exponate aus der Sammlung des amerikanischen Milliardärs Eli Broad. Darunter sind Werke von Andy Warhol sowie die Licht-Installation „The Souls of Millions of Light Years Away” der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama.

Wie gut, dass Los Angeles am Meer liegt: Wer eine Pause vom anstrengenden Touristenprogramm braucht, den zieht es an die kilometerlangen Sandstrände von Venice oder Santa Monica – sofern er genügend Zeit hat. Denn die Stadt am Pazifik ist groß, und der Verkehr fließt langsam. In Los Angeles hält man nicht viel von öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer es sich leisten kann, fährt am besten mit dem eigenen Wagen. Auch deshalb, weil das U-Bahn-Netz für eine Stadt dieser Größe schlichtweg zu schlecht ausgebaut ist.

In Santa Monica angekommen können Autos und Busse aber stehenbleiben. Die Küstenstadt lässt sich zu Fuß oder mit einem der vielen elektrischen Miet-Roller erkunden, die an jeder Ecke zu finden sind. Die erste Anlaufstelle ist zumeist der Santa Monica Pier, wo die berühmte Route 66 ihr Ende findet. Zu viel Zeit sollte man hier aber nicht aufwenden, denn die Restaurants sind überteuert, die fliegenden Händler verkaufen zumeist billigen Ramsch und der Vergnügungspark hat seine besten Jahre schon hinter sich. Einzig die Musiker, die auf dem Pier ihr Glück versuchen, sind zuweilen einen Besuch wert.

Für einen reinen Strandurlaub wäre Los Angeles zwar geeignet, doch wäre das zu wenig angesichts der vielen Möglichkeiten, die diese Stadt bietet. Unbedingt einplanen sollte man einen Besuch im Griffith Observatorium in Hollywood mit seinem Planetarium, in denen regelmäßig Sternen-Shows angeboten werden. Eine grandiose Aussicht auf das berühmte Hollywood-Zeichen ist hier oben inklusive. Trotzdem lohnt es sich, das Wahrzeichen von Näherem zu betrachten. Da die Wege in den Hollywood Hills komplex sind und die Bewohner nicht selten gefälschte Verbotsschilder aufstellen, um ihre Privatsphäre zu schützen, empfiehlt sich die Teilnahme an einer geführten Tour. Auch, um den faszinierenden Legenden, die sich darum ranken, zu lauschen. Wer kann, sollte sich bis ganz nach oben durchkämpfen. Die 360-Grad-Aussicht von der Rückseite des Hollywood-Zeichens entschädigt für den teils sehr steilen Aufmarsch.

Dass Los Angeles mehr zu bieten hat als sein Ruf als Betonwüste vermuten lässt, wird spätestens mit Blick auf die angrenzende Landschaft klar. Wer in den Straßen immer mal wieder den Blick gen Horizont schweifen lässt, wird von traumhaften Bergkulissen überrascht. Durch viele dieser Hügel und Schluchten führen bekannte und weniger bekannte Wanderwege. Immer mit Gesellschaft rechnen muss man im Runyon Canyon Park. Bereits nach zwanzig Minuten erreichen Besucher einen Aussichtspunkt mit Blick über die ganze Stadt. Außerdem wird hier immer mal wieder der eine oder andere Promi gesichtet. Auch der Griffith Park in Hollywood, wo unter anderem das gleichnamige Observatorium liegt, oder der Will Rogers State Park in Santa Monica konkurrieren miteinander um die besten Ausblicke auf die Stadt der Engel.

Zu den berühmten Stränden Santa Monicas gelangen Badeurlauber am besten mit einem Auto.  . Foto: Matt Marriott/Discover LA/Matt Marriott
Auf den ersten Blick wirkt Downtown L.A. mit seinen zahlreichen Wolkenkratzern fast wie Manhattan. Foto: Matt Marriott/Discover LA/Matt Marriott

Wer genügend Zeit und ein Auto zur Verfügung hat, unternimmt einen Tagesausflug an die Küste Malibus. Der hier ansässige El Matador State Beach mit seinen hohen Felsen, die von den Fluten des Pazifiks umspielt werden, gilt als einer der schönsten Strände Kaliforniens. Dementsprechend ist er immer gut besucht: nicht nur von Touristen, die den rund 35 Kilometer langen Weg von Santa Monica hierher gefunden haben, sondern regelmäßig auch von Amateur-Filmteams und Hochzeitspaaren auf der Suche nach dem perfekten Schnappschuss. Doch wer etwas weiter einem der Wanderwege in die Zuma und Trancas Canyons folgt, erlebt sie doch noch: die Stille, die inmitten des Großstadt-Trubels von Los Angeles so unglaublich weit weg zu sein schien. Tatsächlich waren es nur wenige Kilometer.

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