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„Das Smartphone ist für junge Leute wichtiger als das Auto“

„Das Smartphone ist für junge Leute wichtiger als das Auto“

Volkswagen hat im vergangenen Jahr weltweit 721 000 Polo verkauft. Ehe 2016 die nächste Generation startet, wurde die aktuelle Ausführung noch einmal aufgefrischt. Mit Martina Biene, der Leiterin des Produktmarketings der kleinen Baureihen bei VW, sprach Michael Kirchberger.

Frau Biene, der Polo verkauft sich nach wie vor gut. War ein Facelift unbedingt notwendig?

Martina Biene: Es hat ihm ganz sicher nicht geschadet. Von außen ähnelt der Polo nach wie vor sehr dem bisherigen Modell. Wir haben ihm schönere Scheinwerfer gegeben und die Front- und Heckpartie leicht überarbeitet, denn Design ist auch in dieser Klasse ein wichtiger Grund für die Kaufentscheidung. Die Erneuerung hat vor allem beim Interieur stattgefunden. Es wirkt hochwertiger und erwachsener.

Und nun gehören, zumindest als Sonderausstattung und auf Wunsch, eine Reihe von Assistenzsystemen und verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten dazu. Braucht das der Kunde wirklich?

Biene: Bei den Assistenzsystemen kann ich nur das Beispiel der Parkdistanzsensoren anführen. Die gab es am Anfang nur hinten und viele Autofahrer haben gesagt, "das brauche ich nicht, ich kann auch so einparken". Aber je mehr Kunden diese Hilfe mal ausprobiert haben, desto mehr wollten sie als Ausstattung für ihren Wagen. So ist das auch mit den heutigen Assistenten. Fest steht, dass Systeme wie Antikollisionsbremse oder Spurhalteüberwachung dabei helfen, Unfälle zu vermeiden.

Der Polo hat nun auch eine Schnittstelle für Smartphones. Über die Multilink-Funktion können die Handys mit dem Auto vernetzt werden. Wird Fahren bald zur Nebensache?

Biene: Das glaube ich nicht, aber die Möglichkeit, über das Auto oder besser seine Kommunikationssysteme mit dem eigenen sozialen Umfeld in Verbindung zu bleiben, das wird eben immer wichtiger. Eine Umfrage unter jungen Menschen hat ergeben, dass sie ihre Smartphones als wichtigsten Besitz ansehen. Bis vor wenigen Jahren stand noch das Auto an erster Stelle. Deshalb muss es sich in die Kommunikationskette integrieren.

Bei der Koppelung von Android-Smartphones erscheint deren Bedienoberfläche auf dem Monitor des Navigationssystems im Polo. Lenkt das nicht vom Fahren ab und steigert so die Unfallgefahr?

Biene: Nein, ganz und gar nicht. Die Nutzung der Apps im Auto lenkt nicht mehr ab als vielleicht die Eingabe einer Adresse in die Navigation. Die Integration ist auf jeden Fall besser, als wenn ein Nutzer sein Smartphone in der Hand hält und die Dienste und Funktionen während der Fahrt nutzt. Was ja außerdem von der Polizei geahndet wird.

Warum aber starten Sie mit all diesen Neuerungen gerade im Polo und nicht in einer größeren Baureihe wie dem Golf?

Biene: Weil der Polo für uns eine Leuchtturm-Funktion hat. Er war schon immer ein Ideenträger, wenn es darum ging, neue Technologien einzuführen. Das erste verbrauchsoptimierte Bluemotion-Modell bei VW war 2006 ein Polo. Jetzt wollen wir Maßstäbe bei Kommunikation und Assistenz setzen. Die Einbaurate des neuen, großen Navigationssystems wird im Polo bei etwa 35 Prozent liegen. Die Bereitschaft und das Interesse der Kunden an diesen neuen Technologien ist hoch, auch wenn das im preissensiblen Segment nicht unbedingt erwartet wird.

Liegt das am geringen Durchschnittsalter der Käufer?

Biene: Das durchschnittliche Alter der Polo-Kunden ist wahrscheinlich gar nicht so niedrig, wie viele denken. Es gibt eine ebenfalls starke Gruppe von älteren Menschen, die sich für einen Polo wegen seiner kompakten Maße mit 4,37 Metern Länge und dem dennoch guten Raumangebot entscheiden. Der Durchschnitt zeichnet da nur ein diffuses Bild. Der Polo tritt da in gewisser Weise in die Fußstapfen des Golf. Er ist ein alters- und klassenloses Auto geworden.