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Leichtbau, Leistung und die Lust auf Sport

Leichtbau, Leistung und die Lust auf Sport

Der BMW 3er wird richtig scharf, wenn die Ingenieure der hauseigenen Tuningabteilung Hand anlegen. Die veredelten Modelle sind am Buchstaben M zu erkennen. Neben der M3-Limousine hat BMW jetzt auch das M4-Coupé präsentiert.

Der Algarve Speedway gilt als höchst anspruchsvolle Rennstrecke. Unter tiefblauem Himmel winden sich die 18 Kurven, die teilweise schwer einsehbar sind. Ähnlich wie der Nürburgring folgt der Kurs der Topografie des Geländes, steigt plötzlich an, fällt steil ab. Wer hier einen Sportwagen präsentiert, der muss von seinem Produkt überzeugt sein. BMW stellte seine beiden neuen Mittelklasse-Athleten M3 und M4 auf den rauen portugiesischen Asphalt.

Bei 71 500 Euro beginnt die Preisliste für den M3, das Coupé M4 ist sanfte 700 Euro teurer. Wie beste Kumpels stehen die beiden Karosserieversionen beieinander. Bauschige Stoßfänger geben der ursprünglichen Gestalt des 3er-BMW eine geduckte Haltung, die breite Spur und deutlich ausgestellte Radhäuser lassen ihn eher auf der Fläche liegen als stehen. Ein fetter bayerischer Presssack könnte sich nicht besser auf dem Teller räkeln.

In der Serienausstattung messen die Räder 18 Zoll im Durchmesser, als Extra sind 19 Zoll möglich. Vorne sind die Reifen 255 Millimeter breit, hinten werden 275er-Pneus aufgezogen. Das Dach liegt leicht wie eine Kuppel aus Seide über der Karosserie und wiegt tatsächlich nur zwölf Kilogramm. Es wird in Kevlar-Technik gefertigt. Seine Struktur wird nicht wie beim Elektro-Brüderle i3 mit Farbe verschleiert, sondern dank sorgsamster Verarbeitung selbstbewusst unter Klarlack zur Schau gestellt.

Genau 1520 Kilogramm wiegt die M3-Limousine, das M4-Coupé ist 32 Kilogramm leichter. Keine Anstrengungen war den Entwicklern der M-GmbH, die den bulligen Sportler auf die Räder stellt, zu groß, um das Gewicht zu senken. Doch das bringe am Ende nicht viel, sagt Friedrich Nitschke, der Chef der sportlichen BMW-Tochtergesellschaft in München, denn die meisten Kunden würden eine Vollausstattung bestellen. Und die bringt die rund 80 mühevoll und teuer abgespeckten Kilogramm wieder an Bord und den Preis auf mehr als 100 000 Euro.

Dennoch lässt sich der M3 mit behänder Leichtigkeit über den schwierigen Algarve-Kurs steuern. Mit einem Stöhnen aus tiefster Brust wuchtet der doppelt aufgeladene 3,0-Liter-Reihensechszylinder die Kraft auf die hinteren Räder, ein manuelles Sechsganggetriebe hilft dabei. Das saftige 3900 Euro teure Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe senkt den Normverbrauch um immerhin einen halben auf 8,3 Liter Super und verkürzt den Sprint von null auf hundert von 4,3 auf 4,1 Sekunden. Trotz Differenzialsperre gelingt es nicht immer, das immense Drehmoment von 550 Nm auf den Asphalt zu übertragen. Fleißig regelt die Motorsteuerung die Kräfte herunter, ebenso wie die dynamische Spurkontrolle den M3 in Kurven sicher einfängt, wenn sein Pilot sich überschätzt.

431 PS/317 kW liefert der Hochdrehzahlmotor. Er tut das, ohne die Hand vor den Mund zu nehmen. Der geschärfte 3er ist ein lautes Auto. Abroll- und Windgeräusche sind schon bei gemäßigtem Tempo stets präsent. Das adaptive Fahrwerk (1900 Euro) empfiehlt sich ohnehin nur für jene M-Kunden, die sich auf der Rennstrecke austoben wollen. Das sollen zehn Prozent sein, schätzt Friedrich Nitschke. Im Alltagsbetrieb und auf öffentlichen Straßen ist die Serienfederung gerade stramm genug. Die Lenkung erfreut mit höchster Präzision in allen Lebenslagen, der Kofferraum mit einem Volumen von 480 Litern (Coupé 435 Liter) ebenfalls.

Feine Zutaten wie zum Beispiel Keramik-Bremsen (7300 Euro), 19-Zoll-Räder (2000 Euro) oder Lederausstattung (3400 Euro) machen M3 und M4 noch pikanter. Mitte Juni kommen die Bayern-Boliden auf die Straßen. In Sichtweite ist außerdem die Cabrio-Version. Einen Kombi jedoch, so sagen die M-Männer und scheinen dabei ein wenig verächtlich Richtung Ingolstadt zu blicken, wird es wohl nie geben.

Die meisten Käufer eines BMW-M-Modells bestellen ihren Wagen mit Vollausstattung.
Auch das 4er-Coupé ist jetzt in einer M-Version erhältlich. Diese kostet ab 72 200 Euro.

Zum Thema:

Ausführung:SportlimousinePreis:71 500 EuroLänge:4,67 MeterBreite:1,88 MeterHöhe:1,42 MeterRadstand:2,81 MeterLeergewicht:1520 KilogrammZuladung:580 KilogrammGepäckraum:480 LiterAnhängelast:nicht angegebenMotor:6-Zylinder-BenzinerHubraum:2979 ccmLeistung:431 PS/317 kWDrehmoment:550 Nm von 1750 bis 5500 U/minAbgasnorm:Euro 6CO{-2}-Ausstoß:204 g/kmSpitze:250 km/h0 auf 100 km/h:4,3 SekundenNormverbrauch:8,8 Liter Super