Warten auf die Supernova

Warten auf die Supernova

4500 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen der europäischen Südsternwarte ein Doppelstern-System entdeckt, das alle Voraussetzungen mitbringt, in einer gewaltigen Supernova-Explosion zu Grunde zu gehen.

Pärchenbildung im All kann gefährlich werden. Sehr gefährlich. Darüber berichten Astronomen der Europäischen Südsternwarte Eso nach der überraschenden Entdeckung zweier winziger, aber supermassiver Sterne im 4500 Lichtjahre entfernten Planetarischen Nebel Henize 2-428.

Ein Planetarischer Nebel hat mit einem Planeten nichts zu tun. Die Bezeichnung geht auf eine optische Täuschung der Astronomen des 18. Jahrhunderts zurück, deren schwache Instrumente nicht in der Lage waren, echte Planeten von anderen Himmelsobjekten zu unterscheiden.

Im wolkigen Gebilde Henize 2-428 kreisen zwei sogenannte Weiße Zwerge in so geringem Abstand umeinander, dass sie für einen Umlauf nur vier Stunden benötigen. Ein Weißer Zwerg ist der Überrest eines Sterns, der am Ende seines Lebens einen Teil seiner Oberfläche abgesprengt hat und auf ein Objekt von der Größe der Erde geschrumpft ist. Die beiden Partner dieses Pas-de-deux haben jeweils knapp die Masse unserer Sonne. Sie sind so nahe beieinander, dass sie unvermeidlich ineinander stürzen und verschmelzen werden, fand das Team um den spanischen Astronomen Miguel Santander-García heraus. Dabei wird eine kritische Masse der Sternphysik überschritten. Wenn ein Weißer Zwergstern die Grenze von 1,4 Sonnenmassen übersteigt, verliert die Materie den inneren Zusammenhalt. Folge der Verschmelzung ist eine gewaltige thermonukleare Explosion, sagt die Theorie der Sternphysik voraus. Die Astronomen bezeichnen dieses Ereignis als Supernova. Eine Supernova ist noch niemals direkt beobachtet worden, berichtet der Astronom David Jones. Leider ist jedoch ebenso ausgeschlossen, dass dies den Eso-Astronomen gelingt. Denn nach ihren Berechnungen wird es bis zu diesem gigantischen Feuerwerk noch 700 Millionen Jahre dauern.