Das Internet bietet Senioren bei der Suche nach einem neuen Partner viele Möglichkeiten

Viele Online-Dienste : Die Liebe kennt keine Altersgrenze

Das Internet bietet Senioren bei der Suche nach einem neuen Partner viele Möglichkeiten. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten.

„Mit 66 ist noch lange nicht Schluss“, sang einst Udo Jürgens. Das gilt noch immer: Viele Menschen jenseits der 60 suchen noch einmal einen Partner. Grund dafür sei nicht nur der Tod des Ehepartners, sondern auch und vor allem eine Trennung, sagt Dorothee Döring aus Kempen am Niederrhein. Die Referentin ist Jahrgang 1949 und Autorin eines Buches über Partnersuche im Alter. „Meist sind es diejenigen, die verlassen worden sind und das Trauma des Verlassenwerdens überwinden wollen.“

Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom gehen dabei viele Deutsche online auf die Suche – und zwar nicht nur diejenigen, die mit Zugang zum Internet aufgewachsen sind. Auch von den 50- bis 64-Jährigen hat demnach bereits jeder Dritte einen Dienst für Online-Dating genutzt. Bei den Befragten über 65 sind es immerhin 11 Prozent.

Die Suche mit 70 sieht dabei laut Döring anders aus als mit Mitte 20. „Wenn ich jung bin, suche ich einen Partner, mit dem ich auch eine Familie gründen kann“, erklärt die Autorin. Falle dieser Aspekt weg, könne es einfacher sein, jemand Passendes zu finden.

Denn wer eine Familie gründet, ist über die Kinder ein Leben lang verbunden – auch wenn die Beziehung scheitert. „Im vorgerückten Alter sagt man: ,Manches hat gepasst, manches nicht so gut, aber für die Zeit, die wir zusammen waren, war es okay’“, sagt Döhring. Die Suchenden seien lockerer, da für sie nicht mehr so viel von einer Beziehung abhänge.

Gerade ältere Frauen geben ihre Freiheiten für einen neuen Partner nur ungern auf. „Viele Männer wollen eine Frau, die immer da ist und für alles sorgt. Frauen möchten genau das nicht, das haben sie schon hinter sich“, erklärt Döring. „Sie wollen sich mit ihren Freundinnen verabreden und, wenn sie Lust haben, mit dem Partner etwas unternehmen.“

Das heißt aber nicht, dass es im Alter nur um gemeinsame Freizeitgestaltung geht. Sexualität sei durchaus ein Thema, sagt Alexander Wild. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Feierabend.de, einer Online-Gemeinschaft für die Generation 60 plus. „Bei einer Umfrage auf unserer Plattform haben fast 40 Prozent gesagt, ab 60 Jahren hätten sie den besten Sex ihres Lebens gehabt.“

Bei Männern spiele Sex auf jeden Fall eine Rolle, sagt Döring. „Bei den Frauen sind manche noch sehr aktiv, andere sagen: ,Mir reicht es, einen netten Menschen zu haben, mit dem ich über alles reden kann und der sich für die gleichen Dinge interessiert.’“

Die Vorstellungen von einer neuen Partnerschaft im Alter können also ganz unterschiedlich sein. Senioren sollten sich deshalb klar darüber sein, was sie suchen. Und wissen: Den idealen Partner gibt es nicht.

Bei der Suche nach einem Partner sollten Senioren zweigleisig fahren, rät Wild. „Ich glaube, es ist nach wie vor sehr wichtig, dass man unter Menschen geht. Im richtigen Leben ist es wahrscheinlich immer noch am einfachsten, jemanden kennenzulernen.“

Gleichzeitig biete das Internet viele Möglichkeiten. „Das ist natürlich eine effiziente Art, schon mal eine Vorauswahl zu treffen oder überhaupt Kontakt herzustellen.“ Ein Tochterunternehmen von Feierabend.de ist Platinnetz, eine Senioren-Partnerbörse. Auch andere Onlinebörsen haben die reifere Generation als Zielgruppe entdeckt – zum Beispiel 50plus-Treff, Lebensfreude50 oder SilberSingles.

Allerdings gibt es dort ein Problem – die Ehrlichkeit. Das weiß Döhring aus ihren Seminaren: „Die Frauen sagen: ,Wenn ich mein wahres Alter angebe und das über 50 ist, dann werde ich weggeklickt.’“ Denn die gleichaltrigen Männer suchten oft eine 15 Jahre jüngere Frau. „Natürlich führt das zu Schwindel.“

Der fliegt allerdings spätestens bei der persönlichen Begegnung auf. Döring rät deshalb, in diesem Fall lieber bei Senioren-Aktivitäten die Augen aufzuhalten, etwa beim gemeinsamen Wandern oder Grillen. „Da fragt dann kein Mensch: „Wie alt bist du?“ Entweder gefällt man einander oder nicht.“

Wild rät beim Online-Dating zu einem Profil mit aktuellen Fotos und ansonsten zu möglichst wenig konkreten Infos. „Eigentlich müssen für die erste Sichtung das Foto und der Wohnort reichen.“ Auch wenn zwei Nutzer einander online gegenseitig ihr Interesse zeigten, sei es für sie ratsam, nicht sofort die eigene Telefonnummer herauszugeben. Zuvor sei es wichtig, sich via Internet auszutauschen und so Vertrauen zueinander zu schaffen.

Für die Vorsicht gibt es einen Grund, das sogenannte Love Scamming. „Ältere Menschen werden ganz bewusst angegangen, wohl wissend, dass sie einsam sind.“ Oft werde zunächst die große Liebe vorgetäuscht. Dann fingen die Betrüger jedoch damit an zu erzählen, dass sie dringend viel Geld bräuchten, erklärt Wild. Viele gutgläubige Personen seien auf diese Weise um Tausende Euro betrogen worden. „Sobald es irgendwie ums Geld geht, sofort den Kontakt abbrechen“, empfiehlt Wild deshalb.

Dass solche Betrügereien zunehmen, sagt auch Julia Rehberg, Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Es gibt eine große Dunkelziffer, weil die Leute sich schämen und sich niemandem anvertrauen.“ Sie rät, sich baldmöglichst mit Online-Kontakten an einem öffentlichen Ort zu treffen. „Dann kann man sehen, ob es den anderen so wirklich gibt.“

(dpa)