Edith Barkey Der Radsport war ihre Leidenschaft

Riegerlsberg · Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Edith Barkey.

  Edith Barkey aus Riegelsberg war eine sehr ehrgeizige Radfahrerin – ihr Mann Werner fuhr immer in ihrem Windschatten, erinnert sich dieser.

Edith Barkey aus Riegelsberg war eine sehr ehrgeizige Radfahrerin – ihr Mann Werner fuhr immer in ihrem Windschatten, erinnert sich dieser.

Foto: Familie Barkey

Edith Barkey, geborene Klein, kam am 25. Januar 1943 im Quierschieder Krankenhaus zur Welt, wohnte aber mit ihrer Mutter und den Großeltern in der Riegelsberger Waldstraße. In jener Straße, in der 1944 bei einem Bombenangriff viele Häuser zerstört und 20 Menschen getötet wurden. „Das Haus von Ediths Großeltern wurde glücklicherweise von den Bomben verschont“, erzählt Werner Barkey, der über 50 Jahre lang mit Edith verheiratet war.

Ediths Mama Hedi war im Justizministerium angestellt und musste ihre Tochter allein aufziehen, denn sie hatte sich kurz nach Ediths Geburt von ihrem Mann getrennt. „Ich habe Ediths Vater nie kennen gelernt und weiß so gut wie nichts über ihn“, bedauert Werner Barkey.

Die kleine Edith besuchte zunächst die evangelische Volksschule in der Ellerstraße in Riegelsberg, dann das Auguste-Viktoria-Gymnasium in Völklingen, wo sie 1961 Abitur machte. „Das Puddingabitur, wie sie immer sagte. Denn die Mädchen lernten nicht Latein, sondern Hauswirtschaft“, schmunzelt Werner Barkey. Edith wollte Lehrerin werden und absolvierte auf der ­pädagogischen Hochschule in Saarbrücken ihr Studium. Am 22. November 1963 lernte sie ihren drei Jahre älteren, späteren Ehemann kennen, der aus dem rheinischen Ratingen zum Studium nach Saarbrücken gekommen war und sie auf einem Faschingball angesprochen hatte. Werner Barkey erzählt: „Edith war sehr schüchtern, und ich überlegte, wie ich ihr Interesse wecken könnte. Da fiel mir ein, dass mir irgendjemand mal gesagt hatte, Edith könne sehr gut Witze erzählen. Ich bin zu ihr hingegangen und hab’ sie gebeten, mir einen guten Witz zu erzählen, und dabei hat es sehr schnell gefunkt.“ Von diesem Tag an waren die beiden ein Paar. Im kleinen Kreis feierten sie im Oktober 1964 Verlobung, geheiratet wurde am 26. Mai 1966 in der Christuskirche am Saarbrücker Rotenbühl, die Hochzeitsreise ging nach Prag.

Nach ihrem Studium hatte Edith Barkey ihre erste Stelle als Lehrerin an der Knappenrothschule in Saarbrücken angetreten. Ende der 60er-Jahre wechselte sie an die Kyllbergschule nach Köllerbach, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1998 unterrichtete. Das erste Kind, Silvia, kam am 16. Dezember 1968 zur Welt. „Damals wohnten wir noch bei meiner Schwiegermutter in der Waldstraße. Meine Schwiegermutter versorgte unsere Tochter, so dass Edith weiter arbeiten konnte. Ich hatte mein Studium mittlerweile auch beendet und war zum Presbyter gewählt worden, bald kauften wir uns ein Haus am Hesselborn“, erzählt Werner Barkey. Am 23. Dezember 1969 zog die junge Familie in das neue Heim um, am 15. Mai 1971 wurde Sohn Christian geboren. Dann aber gab es Streit mit der Kirche: „Meine Frau und ich waren uns einig, dass wir keine Babytaufen für unsere Kinder wollen. Sie sollten erst getauft werden, wenn sie größer und selbstständiger sind“, sagt Werner Barkey. Pfarrer Scholz sah das anders und drohte sogar kirchliche Sanktionen an. Im Einverständnis mit Ehefrau Edith trat Werner Barkey als Presbyter zurück.

1974 fand das Ehepaar auf der kommunalpolitischen Bühne ein neues Betätigungsfeld. Werner Barkey war unter anderem Ortsvereinsvorsitzender, Beigeordneter und Ortsvorsteher, Ehefrau Edith wirkte im Hintergrund, unterstützte ihren Mann. Werner Barkey beschreibt das so: „Ich hatte das Amt, aber wir beide machten die Arbeit.“ Beruflich war Werner Barkey inzwischen zum Leiter des Kaufmännischen Berufsbildungszentrum Saarbrücken aufgestiegen, während Ehefrau Edith eine Leidenschaft für den Sport entwickelte. Zunächst betätigte sie sich bei den Lauftrefffreunden Köllertal, war dort Anfang der 1980er-Jahre mit Ehemann Werner Mitgründerin des Vereins und startete bei vielen Volks- und Langläufen, 1988 sogar beim Berlin-Marathon. Auch Ehemann Werner machte mit. Er war es dann auch, der sie für den Fahrradsport begeisterte, als ihr das Laufen Knieprobleme bereitete. „Wir kauften uns ordentliche Rennräder und machten bei den Radsportfreunden Phönix Riegelsberg Radtouren. Anfangs über 40 Kilometer, später über 100, dann über 150 Kilometer und mehr“, erzählt er. Legendäre Touren absolvierten die beiden, so den Regensburgradmarathon über 260 Kilometer, den Ötztalradmarathon über 238 Kilometer und 5500 Höhenmeter oder den Oldenburgradmarathon über 320 Kilometer. Dabei war Edith noch ehrgeiziger als Werner Barkey: „Ich bin immer nur in ihrem Windschatten gefahren.“ Ende der 1990er-Jahre erkrankte Edith Barkey an Brustkrebs, musste operiert werden. „Danach kam sie nie wieder richtig in die Gänge“, bedauert Ehemann Werner.

Anstelle des Sports trat nun jedoch eine andere Leidenschaft: das Malen. In Werner Barkeys Wohnung zeugen viele Bilder an den Wänden vom Talent seiner verstorbenen Frau. Auch das Musizieren bereitete ihr viel Freude. So lernte sie bei José Pedroni aus Lebach Gitarre spielen, ehe sie im Jahr 2013 an Demenz erkrankte und in das Riegelsberger Pflegeheim am Stumpen umziehen musste. „Aber sie hat sich dort richtig wohl und heimisch gefühlt“, betonte Werner Barkey – bis sie in Folge einer Lungenembolie am 17. Oktober 2017 verstarb.

Als Edith Barkey am 23. Oktober 2017 auf dem Riegelsberger Waldfriedhof zu Grabe getragen wurde, war die Anteilnahme riesengroß. „Erst da habe ich gesehen, wie viele Leute Edith geschätzt haben“, sagt Werner Barkey.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege