Lebensweg Nikolaus Hubert

Lebenswege : Niedersalbach war seine zweite Familie

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Nikolaus Hubert.

Der Heusweiler Ortsteil Niedersalbach hat einem seiner Bürger ein vielleicht ewiges Denkmal gesetzt und am 7. September 2016 einen Weg entlang des Bürgerhauses Nikolaus-Hubert-Weg getauft. Bei der Namensgebung sagte Bürgermeister Thomas Redelberger: „Eine Person, die in der Politik, dem gesellschaftlichen Leben und in einer Dorf- und Vereinsgemeinschaft eine derartig herausragende Rolle übernommen hat, nach der sollte zu Recht eine Straße benannt werden.“ Nikolaus Hubert war von 1967 bis 1974 Bürgermeister der damals selbstständigen Gemeinde Niedersalbach, von 1988 bis 1991 Ortsvorsteher und hatte zwischen 1974 und 1994 ein Mandat im Heusweiler Gemeinderat. Neben seiner kommunalpolitischen Tätigkeit war er von 1970 bis 1980 Abgeordneter im Saarländischen Landtag und Vorsitzender des Kreisverbandes der CDU Saarbrücken-Land.

In Niedersalbach war Nikoluas Hubert Mitbegründer vieler Vereine und hat Entscheidendes für das Dorf und dessen Entwicklung getan. Unter anderem sorgte er dafür, dass neue Wohngebiete ausgewiesen, ein Festplatz gebaut wurde und Niedersalbach ein Heimatwappen erhielt. Seine Lebensleistung war der Bau des Bürgerhauses, den er zwischen 1967 und 1970 trotz größter Widerstände durchsetzte. Damals war Niedersalbach sehr arm. Der Neubau sollte eine Million Mark kosten (heute ein Wert von zwei Millionen Euro), die SPD wollte die Gemeinde nicht hoffnungslos verschulden. Doch Hubert ließ Kontakte in die Landespolitik spielen, bohrte Fördertöpfe an und überzeugte schließlich alle, dass nur ein großes, vielfältig nutzbares Dorfgemeinschaftshaus die Zukunftsfähigkeit des Ortes sichern könne. Für sein bürgerschaftliches Engagement wurde er 1988 mit dem Saarländischen Verdienstorden geehrt.

So viel über das Wirken „Nickel“ Huberts bekannt war, so wenig weiß man über seine Kinder- und Jugendzeit. Mit seiner zweiten Ehefrau Ursula, geborene Keuper, verwitwete Spies, versuchen wir, das Wichtigste zusammenzutragen. Nikolaus Hubert wurde am 14. Juni 1927 im Wallerfanger Ortsteil Ittersdorf als erstes Kind des Bergmanns Nikolaus Hubert senior und dessen Frau Katherina geboren. Fünf Jahre später kam Schwester Ottilia zur Welt. Die Familie lebte damals in Hülzweiler, wo der kleine Nickel mit dem Fußballspielen begann. Es muss eine schwere Zeit gewesen sein, denn nicht nur der Erste Weltkrieg, auch die Hyperinflation 1923 wirkten nach. 1939 begann der Zweite Weltkrieg, der auch Nickel nicht verschonte. Mit 17 Jahren wurde er zur Wehrmacht eingezogen, absolvierte eine Ausbildung als Batteriechef und wurde in der thüringischen Kreisstadt Mühlhausen als Flakschütze eingesetzt. Nikolaus Hubert überlebte dieses Todeskommando und kehrte nach dem Kriegsende ins stark gezeichnete Hülzweiler zurück, wo er mit ebenfalls heimgekehrten Kameraden das Fußballspielen wieder aufnahm und an der Gründung des FC Union Hülzweiler beteiligt war. 1960 machte er seinen Trainerschein, gewann sofort mit Hülzweiler die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte und stieg in die A-Klasse (heutige Landesliga) auf. Auch in Piesbach und Nalbach bewies Nikolaus Hubert, dass er ein sehr guter Trainer war.

Bis 1970 war er als Beamter im Kulturministerium von Werner Scherer beschäftigt und hatte sich mittlerweile in Maria Meyer aus Niedersalbach verliebt. Heirat und Umzug folgten bald. Am Fuße des Geißbergs bauten sich die Huberts ein Haus, doch die kinderlos gebliebene Ehe endete 1974 tragisch, als Maria einem Krebsleiden erlag. Trost fand Nickel Hubert bei seiner Jugendfreundin Ursula Spies aus Homburg, die er seit 1952 kannte. „Ich war 17, und wir arbeiteten zusammen in Saarbrücken auf der Kasse für Familienzulagen“, erzählt die 1935 geborene Ursula. „Dann aber verloren wir uns aus den Augen, und ich hörte erst nach dem Tode seiner Frau wieder etwas von ihm“, erinnert sie sich. Ursula hatte drei Jahre zuvor selbst einen schweren Schicksalsschlag erlitten, als ihr Ehemann tödlich verunglückte. Weil sie wusste, wie man sich nach solch einem Verlust fühlt, rief sie Nikolaus Hubert an und spendete ihm Trost. Aus Freundschaft wurde Liebe: 1977 heirateten die beiden. Ursula brachte zwei Kinder mit in die Ehe: Annette und Thorsten. „Aber Nikolaus hat sie nie als Stiefkinder, sondern immer als seine eigenen Kinder angesehen“, betont Ursula Hubert.

1980 sah Nikolaus Hubert seine Zeit im Landtag als erfüllt an und widmete sich nur noch seinem Heimatort. „Niedersalbach war seine andere Familie“, sagt Ursula Hubert und lächelt. Sie erzählt, dass diese andere Familie manchmal sogar einen höheren Stellenwert genoss: „Selbst bei Familienfesten, wie dem 50. Geburtstag meiner Schwester, mussten wir auf ihn verzichten, weil diverse Sitzungen und Veranstaltungen vorrangig waren.“ Das heißt aber nicht, dass er seine richtige Familie vernachlässigt hätte. „Wir haben viele schöne gemeinsame Urlaube, auch mit den Kindern und den Enkelkindern Felix und Jonas gemacht“, sagt Ursula Hubert. Dabei ging es meist nach Österreich, in die Schweiz oder nach Spanien. „Und zwar immer mit dem Auto. Zugfahren war nicht so seins“, sagt Ursula Hubert und schmunzelt. Mit 85 Jahren verschlechterte sich der Gesundheitszustand ihres Mannes, der unter Altersdemenz litt. „Da hat er manche Leute nicht mehr erkannt und war sehr krank die letzten beiden Jahre.“ Am 1. März 2015 starb Nikolaus Hubert. Am 6. März wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Heusweiler Friedhof beerdigt.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege

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