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Lebensweg Anita und Fred Dittgen

Lebenswege : Der Vater hatte viel Zeit für die Familie

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Hans Trouvain.

Als „der Mann mit dem verzaubernden Lächeln“ – wie man ihn auf der Homburger Palliativstation nannte – am 8. Juni dieses Jahres zu Grabe getragen wurde, war der Trauerzug riesig. Hans Trouvain war bekannt und beliebt. Und alle waren der Meinung: Mit 69 Jahren ist er viel zu jung gestorben.

Hans Trouvain kam am 29. Mai 1948 in der damals selbstständigen Gemeinde Salbach zur Welt. Sein Vater Alois betrieb im eigenen Haus am Geißberg einen kleinen Friseurladen, Mutter Gertrud, geborene Speicher, war Hausfrau. Zur Familie gehörten bereits die 1942 geborene Schwester Inge (heutige Both) und der zwei Jahre ältere Bruder Erwin, der später als Mitglied des AC Siegfried Heusweiler deutscher Meister im Ringen wurde, Mitte der 1980er-Jahre jedoch an einer Organerkrankung starb. Nach einer Lehre als Industriekaufmann absolvierte Hans Trouvain 1973 ein betriebswirtschaftliches Studium an der Wirtschaftsakademie Blieskastel, ehe er 1975 in die Dienste der Gemeindeverwaltung Heusweiler trat. Dort war er unter anderem Kulturamtsleiter, Standesbeamter und Pressesprecher und stieg auf bis zum kommissarischen Hauptamtsleiter. Mitte der 1980er-Jahre rief er die Kammermusikreihe der Gemeindeverwaltung ins Leben, die Partnerschaft mit Orvault vertrat er als Sachbearbeiter im Rathaus bereits ab der Gründung im Jahre 1988. Vor fünf Jahren ging Trouvain in den Ruhestand.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit machte er sich vor allem im kulturellen Bereich sehr verdient. So war er 1973 Gründungsmitglied der Niedersalbacher Narren (NN), von 1984 bis 2002 Vorsitzender der NN, über Jahrzehnte Büttenredner, Sänger, Gründer des UV-Balletts und Ideengeber. Unvergessen sind die Sketche mit seinem Chef Thomas Redelberger als „Hannes und der Bürgermeister“. Zudem stand Hans Trouvain in vielen Theaterstücken der NN als Schauspieler auf der Bühne. 2016 ging Trouvain das letzte Mal in die Niedersalbacher Bütt, damals hatte man ihn schon zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Bei einer Sessionseröffnung der NN hatte er 1974 seine große Liebe kennengelernt: Brigitte Thomé aus Riegelsberg. Deren Onkel Sepp Steimer – damals Elferratspräsident der NN – warnte Brigitte noch: „Das ist der begehrteste Junggeselle von Niedersalbach!“ Doch Brigitte und Hans waren von nun an unzertrennlich. Am 5. Juni 1976 wurde in der katholischen Kirche St. Josef in Riegelsberg Hochzeit gefeiert, am 2. August 1978 kam ihr Sohn Dominik zur Welt. Seit ihrer Hochzeit hatten sie in Brigittes Elternhaus in der Riegelsberger Kirchstraße gewohnt, 1979 konnten sie in das nach vier Jahren Bauzeit fertiggestellte Eigenheim in Niedersalbach umziehen.

Dominik Trouvain erinnert sich an eine glückliche Kindheit: „Mein Vater hat sich immer viel Zeit für mich genommen und ist mindestens zweimal im Jahr mit uns in Urlaub gefahren.“ Dabei ging es nach Dänemark, Frankreich, Italien, in die Türkei und nach Spanien. Brigitte Trouvain betont: „Das war sein Land, er konnte auch perfekt spanisch.“ Im Winter ging es bevorzugt nach Österreich. „Hüttenwanderungen waren dabei seine Leidenschaft“, erinnert sich Dominik Trouvain an seinen Vater. Und zur Silbernen Hochzeit leistete sich Hans Trouvain mit seiner Brigitte 16 Tage Urlaub auf Bali.

Neben Kultur und Reisen interessierte sich Hans Trouvain ganz besonders für Menschen, denen es nicht so gut ging. Mit seinem Freund Egbert Primm organsierte er deshalb sieben Jahre lang Hilfstransporte für rumänische Kinderheime und Krankenhäuser, sammelte Geld- und Sachspenden und fuhr alles in einem Auto mit Anhänger nach Rumänien. Auch Patenschaften für Kinder in Indien übernahmen Brigitte und Hans Trouvain.

Im März 2016 schlug das Schicksal erbarmungslos zu: Bei einer Untersuchung wurde bei Hans Trouvain Krebs festgestellt. Ihn warf die Diagnose aber nicht aus der Bahn, er blieb weiter aktiv, engagierte sich für die katholische Bücherei, war Mitbegründer des Büchereifördervereins und sogar dessen Vorsitzender, suchte Sponsoren für die Bücherei und kümmerte sich um deren EDV. Im September 2017 machte er noch einmal gemeinsam mit seiner Familie Urlaub in Spanien. „Rückblickend war das sogar noch eine gute Zeit, dann aber ging es bis Weihnachten 2017 rasend schnell bergab“, erzählt Dominik Trouvain. Nach einer ersten Chemotherapie hatten sich die Werte zwar verbessert, doch trotzdem wurde eine zweite Chemo notwendig, eine dritte musste abgebrochen werden.

Jetzt hatte Hans Trouvain nur noch einen letzten Wunsch: Er wollte zu Hause, im Kreise von Familie und Freunden, sterben. „Die Unterstützung durch unsere Familie und Freunde während seiner Krankheit war Hans sehr wichtig. Alle waren immer für uns da. Dafür sind wir ihnen ewig dankbar“, betont Brigitte Trouvain. Am 24. Mai dieses Jahres, fünf Tage vor seinem 70. Geburtstag, schlief Hans Trouvain ruhig und friedlich ein. „Er hat nie gehadert mit seiner Krankheit. Sondern immer gesagt: Ich hatte ein schönes Leben, ich war nie ernsthaft krank, und gehen müssen wir alle einmal“, erzählt Brigitte Trouvain unter Tränen.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege