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Spiel der Kontraste: Abschlusskonzert der Komponistenwerkstatt

Saarbrücken. 7. SR-Studiokonzert im Großen Sendesaal auf dem Halberg, zugleich Abschlusskonzert der Saarbrücker Komponistenwerkstatt 2009: Klangcharakter und geistiger Gehalt der beiden Spielhälften könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Straßburger Olav Lervik schlägt mit seinem Orchesterstück "Mosaique" den Ton an, der vor der Pause dominiert Von SZ-Mitarbeiter Peter Schroeder

Saarbrücken. 7. SR-Studiokonzert im Großen Sendesaal auf dem Halberg, zugleich Abschlusskonzert der Saarbrücker Komponistenwerkstatt 2009: Klangcharakter und geistiger Gehalt der beiden Spielhälften könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Straßburger Olav Lervik schlägt mit seinem Orchesterstück "Mosaique" den Ton an, der vor der Pause dominiert. Klangflächen, auf unterschiedlichste Instrumentengruppen verteilt, schieben sich übereinander. Als "Gesten" will Lervik sie verstanden wissen, die sich, durch Zeitdauer und Farbwerte markiert, zu einem musivischen Miteinander finden. Das klingt nicht schlecht - man vermisst jedoch Dynamik. Eine gewisse Langweile schleicht sich ein. Die Oberflächenspannung des Stücks will nicht einleuchten. Der dreißigjährige Leipziger Jan Masanetz geht in seiner "Seingalt Symphony" einen ähnlichen Weg. Er setzt auf "Rücknahme des Klangeschehens", was aber gleichzeitig Bewegungsarmut und Kurzatmigkeit impliziert. Lervik und Masanetz hätten ihrer Phantasie ruhig mehr Freiheit lassen sollen. Das hätte die unnatürliche und unnötige Gespreiztheit ihrer Stücke vermieden. Aufschäumen der Musik Nach der Pause weht ein anderer Wind. In Vito Zurajs Klarinetten-Concerto schäumt die Musik mächtig auf. Die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) unter Johannes Kalitzke muss sich gewaltig strecken, um das instrumentale Feuerwerk zu zünden. Eine starke, einfallsreiche Komposition mit einem hochvirtuosen Solisten-Part, der vom jungen Klarinettisten Sebastian Manz lungenstark realisiert wird. Zum Schluss der Höhepunkt des Konzerts mit Timo Ruttkamps fulminantem "Frontal", einer richtigen symphonischen Dichtung, die alles hat, was ein Kunstwerk rundet. Inhalt und Gehalt, Form und Klang geben sich die Hand - die fruchtbare Idee, die rhythmische Spannung bestimmen das Geschehen. Abenteuer Musik. Timo Ruttkamp ist ein großes Talent. Wir sind begeistert. Nach Konzertende wird bekannt, dass die Musiker der DRP nach einer internen Abstimmung dem Komponisten Vito Zuraj einen Kompositions-Sonderpreis verliehen haben. Er besteht in einem Auftragswerk für Großes Orchester, das im Rahmen des Festivals "Mouvement" 2010 uraufgeführt werden wird. pes