| 20:33 Uhr

Fest
Ein Tränendes Herz am Kreuz

Pfarrer Stefan Werner am „himmlischen Tor“. Er führt Besucher gerne durch den Bibelgarten und erläutert Pflanzen, Bibelstellen und Traditionen.
Pfarrer Stefan Werner am „himmlischen Tor“. Er führt Besucher gerne durch den Bibelgarten und erläutert Pflanzen, Bibelstellen und Traditionen. FOTO: Evelyn Schneider
Niederkirchen. Mit Pfarrer Stefan Werner ging es in den Bibelgarten in Niederkirchen. Und zwar auf den Spuren von Jesus. Von Evelyn Schneider

Ganz zart blitzen die ersten gelben Blätter aus dem schützenden grünen Kelch hervor. Bis zu dem Fest, das der Narzisse ihren Zweitnamen gegeben hat, sind es noch drei Tage. Solange haben die Osterglocken Zeit, sich als strahlende Frühlingsboten zu entfalten. Sie begrüßen die Besucher auf dem Weg zum Bibelgarten.


Rund um die Margarethenkirche sind 32 Stationen ausgewiesen. Eine Farbskala hilft dabei, einzelne Pflanzen ihren Bereichen zuzuordnen: der Bibel, christlichen Traditionen, dem früheren Leben in Israel oder dem Kloster. „Es werden neue Schilder aufgestellt“, erläutert Pfarrer Stefan Werner – mit farblicher Kennzeichnung sowie dem deutschen und lateinischen Namen der Pflanzen. Viele davon sind aktuell noch im Winterschlaf. Die volle Blütenpracht entfalten sie im Juni. Das sei der schönste Monat, um den Garten zu besuchen, schwärmt Werner.

Mit Liebe zum Detail sind die einzelnen Beete angelegt worden. Das nötige Arbeitsgerät wird im „Stall von Bethlehem“ aufbewahrt, einer Holzhütte mit entsprechendem Schriftzug. Und so beginnt der Rundgang durch den 2012 eingeweihten Bibelgarten mit Blick auf das Leben Jesu.

Mit blauer Farbe aufgemalt, schlängelt sich der Fluss Jordan über den Weg. Hier hat sich Jesus einst von Johannes dem Täufer taufen lassen. Pfarrer Stefan Werner beschreibt den Garten als „begehbare Bibel“. Denn die einzelnen Pflanzen sind mit Geschichten verbunden. Der Fluss Jordan mündet in den See Genezareth, der auch
Galiläisches Meer genannt wird. Dieser spielt in der Bibel in Zusammenhang mit Jesu öfter eine Rolle. So fand er hier beispielsweise zwei seiner Jünger, Andreas und Simon Petrus. „Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen“, ruft er den beiden Fischern zu. Normalerweise steht am Ufer des Teichs ein kleines Segelboot. Doch das überwintert noch im Keller, wie der evangelische Pfarrer verrät. Am See Genezareth soll Christus auch seinen Jüngern nach der Auferstehung erschienen sein.

An Karfreitag gedenken die Christen der Kreuzigung Jesu. Auch diese Szene findet sich im Bibelgarten. Drei Holzkreuze symbolisieren seinen Tod. Daneben steht eine Felsenformation, deren Eingang offen ist. Station 20 des Gartens ist der „Passion und Auferstehung“ gewidmet. „Normalerweise ist noch ein Hahn dabei“, erläutert Stefan Werner. „Als Symbol der Verleugnung.“ Die Bibel erzählt vom letzten Abendmahl und einem Gespräch zwischen Petrus und Jesus. Letzterer sagt zu seinem treuen Gefährten. „In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Pflanzen wie das Tränende Herz oder die Begonie, die als Auferstehungsblume gilt, zieren dieses Beet.



Gleich gegenüber geht es thematisch um Judas, jenen Jünger, der Jesus verraten hat – für Geld. Das Judasbäumchen und der Judasschilling erinnern aus der Pflanzenwelt an die entsprechenden Bibelstellen. Peter Volz, der sich in der Pflanzenwelt auskennt, unter anderem Vorsitzender des Osterbrücker Obst- und Gartenbauvereins ist, engagiert sich seit dessen Entstehung für den Bibelgarten. „100 Arbeitsstunden im Jahr reichen nicht für die Pflege“, sagt er und deutet auf eine Besonderheit im Garten. „Das ist der Maulbeerbaum, eine echte Rarität.“ Auch er stellt eine Verbindung zu Jesus her. Denn als er nach Jerusalem einzog, kletterte der Zöllner Zacharias auf eben einen solchen Baum, um Christus besser sehen zu können.

An dessen Fuß sind verschiedene Sträucher eingepflanzt. Solche, die im Palmwisch zusammengebunden werden. Peter Volz deutet auf einen bereits verdorrten Strauß. Den hatte er im vergangenen Jahr aus dem Allgäu mitgebracht. Der Tradition nach werden die Sträuße an Palmsonntag gesegnet. „Sie sollen das Zuhause vor Bösem bewahren“, sagt Pfarrer Werner. Im folgenden Jahr an Aschermittwoch werden die Palmwische verbrannt und aus deren Überresten das Aschekreuz.

Pfarrer Stefan Werner geht durch das „himmlische Tor“, dessen Bogen aus zwölf runden Steinen (wie Perlen an einer Schnur) besteht. Sie stünden für die Eigenschaften Gottes. Überhaupt sei zwölf eine wichtige Zahl: Es gab zwölf Jünger, die zwölf Stämme Israels. Diese Zahl, so rechnet der Geistliche vor, ergebe sich aus drei (der dreifaltige Gott) mal vier (die Himmelsrichtungen der Erde). Ein paar Schritte weiter zieren einmal mehr Osterglocken das Beet als Symbol für das nahende Fest. Auch die Küchenschelle gilt als Osterblume. „Sie blüht blau“, weiß Volz.

In der Margarethenkirche in Niederkirchen zelebriert Pfarrer Werner einen Gottesdienst in der Osternacht um 22 Uhr, und einen an Ostersonntag um 10 Uhr. Wenn das Wetter passt, hofft er auch auf viele Besucher im Bibelgarten. Es gebe solche, die alleine durchspazieren, Liebespaare, die sich gerade im Sommer ein lauschiges Plätzchen suchten und Gäste, die sich eine Führung wünschen. Mehr als 20 Gruppen waren es 2017, die der Geistliche auf dem Rundweg durch den Garten begleitete. Und dort wartet auch das Paradies.

Diese Station im Bibelgarten beschäftigt sich mit den Themen „Passion und Auferstehung“. Entsprechende Pflanzen stellen die Verbindung zur biblischen Geschichte her. Diese blühen allerdings noch nicht.
Diese Station im Bibelgarten beschäftigt sich mit den Themen „Passion und Auferstehung“. Entsprechende Pflanzen stellen die Verbindung zur biblischen Geschichte her. Diese blühen allerdings noch nicht. FOTO: Evelyn Schneider
Das Tränende Herz steht im Bibelgarten bei der Station „Passion und Auferstehung“.
Das Tränende Herz steht im Bibelgarten bei der Station „Passion und Auferstehung“. FOTO: Marion Nickig / dpa-tmn