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Drastisch mehr Hartz-IV-Empfänger

Nicht jeder bekommt bei der Tafel Hilfe. Die Nachfrage in St. Wendel überschreitet das Angebot.
Nicht jeder bekommt bei der Tafel Hilfe. Die Nachfrage in St. Wendel überschreitet das Angebot. FOTO: Christian Schultz/dpa
St Wendel. Ein Plus von 14,5 Prozent binnen eines Jahres bei Arbeitslosen, die auf zusätzliche staatliche Stütze (Hartz IV) angewiesen sind: Damit liegt der Landkreis St. Wendel an der Spitze. Dies geht mit der Zunahme bei jenen einher, die Lebensmittelspenden bei der Tafel erwarten. Matthias Zimmermann

Zwar ist die Arbeitslosenquote mit unter vier Prozent die niedrigste im saarlandweiten Vergleich. Dennoch hat sich die Situation für Langzeitarbeitslose offensichtlich verschärft: Denn im Oktober waren 1084 dieser Menschen im St. Wendeler Land zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Das geht aus einer unserer Zeitung vorliegenden Statistik der Arbeitskammer des Saarlandes hervor. Das entspreche 14,5 Prozent mehr Betroffenen als noch zwölf Monate zuvor. Die Gründe dafür werden darin nicht analysiert.



Bereits kurz zuvor hatte der Bericht über Wartelisten bei der St. Wendeler Tafel für Aufsehen gesorgt. Nach Angaben deren Leiterin Christina Müller gehen zurzeit an die 1000 potenzielle Empfänger ohne Lebensmittelspenden aus, die eigentlich auf Grund ihrer wirtschaftlichen Lage darauf angewiesen sind. Denn die Rationen reichten nicht für alle. Bis 1400 Bedürftige werden versorgt (wir berichteten).

Das ruft Sozialpolitiker auf den Plan, die eine Kurskorrektur fordern. So sieht der Kasteler Magnus Jung auch den Landkreis in der Verantwortung. Der Vize-Chef der SPD-Landtagsfraktion und Vorsitzende seiner Partei auf Kreisebene regt einen Ausbau des Tafel-Versorgungsangebotes an. Es sei zu prüfen, "ob neben dem Standort St. Wendel ein zweites Angebot gemacht werden kann. Insbesondere "Alleinerziehende, Kinder und zunehmend ältere Menschen" sieht Jung in die Armut abgleiten. Die Tafel selbst wird vom Caritasverband Schaumberg-Blies getragen und lebt überwiegend von Firmenspenden.

Indes setzt Heike Kugler auf eine "menschenwürdige Mindestsicherung oberhalb des Existenzminimums". Diese sei mit Hartz IV nicht gegeben, sagt die Linke-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende. Von einem nötigen "grundlegenden Kurswechsel in der Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik" spricht die Nohfelderin, damit "Eltern ihre Kinder von ihrer Arbeit ernähren können".

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