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Zweite und letzte Ruhestätte für den König

Leicester. Als sich alte Knochen unter einem englischen Parkplatz als Überreste von König Richard III. herausstellten, feierten Medien und Wissenschaft das als Sensation. Nun wird der berüchtigte Monarch endgültig beigesetzt. Das soll fünf Tage dauern. Dpa-Mitarbeiterinkristina Wollseifen

Die Ehre einer millionenschweren Beisetzung erfahren ein paar Knochen aus dem Mittelalter selten. Aber die Gebeine, die am kommenden Donnerstag im englischen Leicester bestattet werden, gehören immerhin zu König Richard III. Und dafür, dass der berüchtigte britische Monarch endgültig seine zweite und letzte Ruhe findet, werden keine Kosten und Mühen gescheut. Im Jahr 1485 war er zum ersten Mal beerdigt worden. Knapp 530 Jahre später kamen seine Knochen unter einem Parkplatz wieder zum Vorschein. Die zweite Bestattung dürfte prächtiger werden. Fünf Tage soll sie in Anspruch nehmen und umgerechnet fast 3,5 Millionen Euro kosten, wie die Kathedrale in Leicester angibt. Die Kosten werden hauptsächlich über Spenden finanziert.

An diesem Sonntag sollen die Gebeine zunächst von der Universität in Leicester zur Kathedrale gebracht werden, mit Zwischenhalt auf dem Schlachtfeld von Bosworth, wo Richard 1485 im Kampf starb. Anschließend können Neugierige sich den Sarg, der außen aus Eiche und innen aus Blei besteht, in der Kathedrale anschauen. Angefertigt hat den äußeren Teil Richard Ibsen, ein Nachfahre der älteren Schwester von Richard III. Ibsens DNA half dabei, das Skelett dem König zuzuordnen.

Am Donnerstag werden die Gebeine des Königs schließlich in einem eigenen Bereich in der Kathedrale beigesetzt. Unter anderem sollen der Erzbischof von Canterbury und Queen-Cousin Prinz Richard, Herzog von Gloucester , dabei sein. Richard III. trug diesen Adelstitel auch, bevor er den Thron bestieg. Die Kathedrale in Leicester wird feierlich herausgeputzt: Die Floristin der Königsfamilie, Rosie Hughes, hat diese Aufgabe übernommen und dafür viel über das Mittelalter und die Bedeutung von Blumen recherchiert. Lilien, Ginster und Rosmarin kommen in Gestecke. Die Fenster sollen mit weißen Rosen, dem Symbol des Hauses Plantagenet von York, geschmückt werden. Richard III. war nicht nur dessen letzter König, sondern auch der letzte Monarch, der auf dem Schlachtfeld starb.

Richard riss 1483 den Thron an sich, sollte aber nur zwei Jahre regieren. Seine Wahrnehmung als brutaler Schurke wurde vor allem auch von Shakespeares Tragödie "Richard III." geprägt. Heute betrachten Historiker den König differenzierter. Er war erst 32 Jahre alt, als er in der Schlacht von Bosworth umkam. Sein Tod beendete die Rosenkriege um den Thron Englands und gilt häufig als Ende des Mittelalters in Großbritannien. Die Kirche in Leicester , in der man seinen Leichnam beisetzte, wurde im 16. Jahrhundert aber abgerissen, in der Neuzeit entstand auf seinem Grab ein Parkplatz. Unter diesem entdeckten Forscher im Sommer 2012 die lange als verschollen geglaubten Gebeine und fanden mit ihrer Hilfe allerhand raus: Etwa, dass der Monarch eine Flasche Wein am Tag getrunken haben soll. Uni und Stadt schlachteten und schlachten den Knochenfund aus, um Besucher anzulocken.

Vor 530 Jahren soll Richard III. Historikern zufolge ohne Sarg und respektlos in aller Eile beerdigt worden sein. Die anstehenden Feierlichkeiten machen das bestimmt wieder wett.