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Verleihung des Bildungspreises: Wie aus Schülern clevere Unternehmer werden

Verleihung des Bildungspreises : Wie aus Schülern clevere Unternehmer werden

Der Bildungspreis der Saarländischen Wirtschaft würdigt den besonderen Einsatz von Schulen für mehr wirtschaftliche Kenntnisse.  

„Ich war vorher schüchtern. Jetzt traue ich mir mehr zu. Ich weiß jetzt, wie man auf Leute zugehen kann.“ Das sagt Lara Bauer aus Niedaltdorf, die schon eine beachtliche Karriere hinter sich gebracht hat bis hin zur Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens. Und das mit gerade einmal 17 Jahren.

Lara verhandelt mit Geschäftspartnern, stimmt sich mit ihrem 13-köpfigen Team ab und bringt gemeinsam mit ihm eine neue Geschäftsidee an den Markt: das erste saarländische Kartenspiel „Vorwitzkaart“, entwickelt von der Schülerfirma „Syndikaart“. Das Ganze im Rahmen eines Seminarfachs in der Klassenstufe 11 des Albert-Schweitzer-Gymnsiums in Dillingen. Dort können die Schüler innerhalb eines freiwilligen Projektes nahezu alles erlernen, was man zu einer erfolgversprechenden Geschäftsidee und zu einem erfolgreichen Unternehmen braucht.

Laras „Kollege“ Justin Schorn, 17, aus Dillingen ist für die Finanzen zuständig. „Jetzt weiß ich besser, wie die Finanzwelt läuft, wie man Rechnungen schreibt und was es bedeutet, in einem Team zu arbeiten. Wir sind jetzt auch alle sicherer im Umgang mit Leuten.“ Zur Projektidee gehört auch Marketing. So hat das Team sein Kartenspiel schon mehrere hundertmal verkauft, auch ins Ausland, und dazu auch einen Online-Shop unter www.syndikaart.wixsite.com/syndikaart entwickelt. Auftritte in großen Kaufhäusern wie Pieper, Globus oder Saarpark-Center gehören ebenfalls dazu. „Das heißt schon was, wenn man plötzlich am Samstagnachmittag mitten unter zahlreichen Menschen im Einkaufszentrum steht und seine Geschäftsidee verkauft“, sagt Lara Bauer. Das Kartenspiel mit 32 Karten ähnelt einem Skatspiel. Es liefert viele Informationen zum Saarland  (siehe Beispielkarte Risotto).

Das Albert Schweitzer-Gymnasium hat sich schon mit zahlreichen solcher Geschäftsideen einen Namen gemacht, auch auf Landes- und Bundeswettbewerben. Ob mit Flip-Flops aus dem Recycling von Altreifen als Sohle, einem Bio-Kochbuch in Zusammenarbeit mit saarländischen Bio-Landwirten und Rezepten von Sterneköchen, einer Uhr mit Holz aus heimischen Wäldern, um ein Zeichen gegen das Abholzen des Regenwaldes zu setzen, oder auch mit einer App, die 99 Tage lang jeweils mit vorgegebenen Aufgaben zu einer guten Tat aufruft, die man dann im Internet posten kann.

Patrick Schindler, Lehrer für Geografie, Sport und Wirtschaftslehre, ist begeistert vom Engagement der Schüler. Und Oberstudiendirektor Stefan Schmitt war schon selbst mit Schülern in Kiel beim „Yes Young Economic Summit“, dem Wirtschaftsgipfel für die nächste Generation. Dort arbeiten junge Menschen gemeinsam an Zukunftsthemen wie der Förderung der Elektromobilität. Dabei mussten sie nicht nur eigene Ideen präsentieren, sondern sich auch der Diskussion mit Experten stellen. Zudem versucht Schuldirektor Schmitt, Experten an die Schule zu holen, etwa einen Professor der Hochschule für Technik und Wirtschaft, der beispielsweise einen Business-Plan erklärt. Schmitts These: „Unternehmensabläufe, Marketing und Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre sind genauso wichtig wie der Satz des Pythagoras“.

Die Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU) fördert Engagement für mehr Wirtschaftswissen. Deshalb verlieh sie gestern zum zweiten Mal den mit insgesamt 15 000 Euro dotierten Preis der Saar-Wirtschaft. Neben dem Albert-Schweitzer-Gymnasium wurden das Peter-Wust-Gymnasium Merzig, die Max-von-der-Grün Gemeinschaftsschule Merchweiler, die Schule zum Broch Merzig und das KBBZ Neunkirchen.

Ein Beispiel aus „Vorwitzkaart“. Foto: SZ/SZ Scan

Der frisch wiedergewählte Präsident der VSU, Oswald Bubel, betonte, man wolle „Akteure würdigen, die sich in besonderen Maße für die Zukunft der jungen Menschen einsetzen“. Die Preise überreichte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie sagte, dass die Schüler durch ihr Engagement ihre beruflichen Chancen verbessern.