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Glyphosat: „So viel, wie nötig. So wenig, wie möglich.“

Glyphosat : „So viel, wie nötig. So wenig, wie möglich.“

Saar-Umweltminister spricht sich für weiteren, aber umsichtigen Einsatz des Herbizids Glyphosat aus.

Herr Jost, der Geschäftsführer des Bauernverbandes, Hans Lauer, hat angesichts der Diskussion um das Pflanzengift Glyphosat gefordert, dass mehr genveränderte Planzen zum Einsatz kommen sollten, die resistenter sind und weniger Gifteinsatz erfordern.

JOST Die Diskussion auf das Thema gentechnisch veränderte Lebensmittel abzustellen, vor allem mit Blick auf Obst- und Gemüseanbau, das ist der völlig falsche Ansatz. Und der wird hier im Saarland, so lange ich im Umweltministerium die Verantwortung habe, auch keinesfalls mitgetragen. Das Saarland soll und wird eine gentechnikfreie Region bleiben.

Nun kocht aber auf EU-Ebene eine Debatte um Glyphosat und den künftigen Einsatz. Auch gestern ist keine Entscheidung über die Zukunft des Pflanzengiftes gefallen.

JOST Ich würde mich freuen, wenn in die gesamte Dabatte wieder mehr Sachlichkeit und Ruhe reinkäme. Nicht nur bei Glypohsat, sondern bei Herbiziden insgesamt. Herbizide haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie ab einer gewissen Dosis schädigen können. Alle entsprechenden Gutachten und Analysen gehen bisher aber davon aus, dass der sorgfältige und verhältnismäßige Einsatz von Glyphosat nicht gesundheitsschädlich ist. Das heißt nicht, dass das Mittel verharmlost werden soll. Sondern, dass es in Maßen und bei entsprechender Eignung eingesetzt werden kann. Die Devise muss dabei grundsätzlich lauten: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.

Verstehe ich das richtig, dass Sie also für eine Verlängerung des Einsatzes von Glyphosat sind?

JOST Die Alternativen, die uns aktuell für die Bearbeitung im konventionellen Landbau zur Verfügung stehen, sind viel schlimmer: Ohne den Einsatz von Glyphosat müsste dann verstärkt umgepflügt werden. Bei uns im Saarland gibt es aber wegen der topographischen und der sonstigen Gegebenheiten in vielen Bereichen ein absolutes Umpflügeverbot. Also können die Bauern nur auf andere Herbizide zurückgreifen. Und die dann noch zur Verfügung stehenden Mittel sind von ihren Auswirkungen kein bisschen besser als Glyphosat.

Im Biolandbau geht es aber doch auch ohne diese Gifte.

JOST Das ist richtig. Und wir haben im Saarland mit 17 Prozent der Fläche den größten Flächenanteil beim Bio-Anbau. Und auch entsprechende Erfahrung. Wenn aber der Einsatz all dieser Mittel auf Null zurückgefahren wird, muss man auch berücksichtigen, dass dann alternative Unkrautvernichtungsmethoden zum Einsatz kommen müssen. Entweder muss das dann händisch geschehen oder mit verträglichen Mitteln auf biologischer Basis. Das ist dann mit deutlich höherem Aufwand und geringerem Ertrag verbunden. Für die Verberaucher heißt das dann aber auch, dass die Preise entsprechend hochgehen.

Was heißt das für die Zukunft?

 Umweltminister Reinhold Jost
Umweltminister Reinhold Jost Foto: Döpke

JOST Dass Glyphosat reduziert und nur noch verantwortungsvoll eingesetzt wird. Da sind wir uns mit dem Bauernverband einig. Auch, dass das Mittel nicht in Privathände gehört. Wir waren es deshalb auch, die es erreicht haben, dass das Mittel bei Globus aus dem Regal genommen wurde, und dass das Mittel nur nach ausführlicher Schulung  ausgebracht werden darf. Das gilt auch im öffentlichen Bereich: Dass da ein Umdenkungsprozess eingesetzt hat, sieht man daran, dass der Einsatz im Landesbetrieb für Straßenbau um fast ein Drittel zurückgegangen ist. Da reden wir vielleicht noch voneiner Menge von um die 50 bis 60 Liter, die an den Bundes und Landstraßen und an der Autobahn ausgebracht werden. Bei den Landwirten hat jeder das Interesse, seine Böden so giftfrei wie möglich zu halten. Ich gehe davon aus, dass das Mittel bereits jetzt verantwortungsvoll eingesetzt wird. Der Einsatz gentechnisch veränderter Lebensmittel, um nochmal auf den Ausgang des Gesprächs zurückzukommen, ist dabei jedenfalls keine Alternative.