Ein Alptraum jagt den nächsten

Rund sieben Stunden lang belagerten mehr als tausend Polizisten das graue Flachdachgebäude im Industriegebiet der Kleinstadt Dammartin-en-Goële bei Paris , dann schlugen sie zu. Punkt 17 Uhr erschütterten mehrere Explosionen die Druckerei CTD, in der sich die mutmaßlichen Attentäter auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo " verschanzt hatten.

 Die mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen: Chérif und Saïd Kouachi, sowie Amédy Coulibaly. Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine wird noch von der Polizei gesucht (v.l.) . Fotos: dpa
Die mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen: Chérif und Saïd Kouachi, sowie Amédy Coulibaly. Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine wird noch von der Polizei gesucht (v.l.) . Fotos: dpa
 Die mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen: Chérif und Saïd Kouachi, sowie Amédy Coulibaly. Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine wird noch von der Polizei gesucht (v.l.) . Fotos: dpa
Die mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen: Chérif und Saïd Kouachi, sowie Amédy Coulibaly. Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine wird noch von der Polizei gesucht (v.l.) . Fotos: dpa
 Die mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen: Chérif und Saïd Kouachi, sowie Amédy Coulibaly. Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine wird noch von der Polizei gesucht (v.l.) . Fotos: dpa
Die mutmaßlichen Attentäter wurden erschossen: Chérif und Saïd Kouachi, sowie Amédy Coulibaly. Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine wird noch von der Polizei gesucht (v.l.) . Fotos: dpa

Kurz darauf folgte der zweite Sturmangriff, diesmal auf ein jüdisches Lebensmittelgeschäft an der Porte de Vincennes in der Hauptstadt. Dort hatte ein mutmaßlicher Komplize mehrere Geiseln genommen. Die Polizei tötete alle drei Geiselnehmer. "Es ist vorbei", lautete die Reaktion in Paris - auch wenn Präsident François Hollande weiter zu extremer Wachsamkeit aufrief.

Das Zeichen zum Eingreifen hatten Saïd und Chérif Kouachi, die mutmaßlichen Angreifer auf "Charlie Hebdo ", selbst gegeben. Sie verließen mit Kalaschnikows um sich ballernd die Druckerei, in der sie seit dem Morgen ausgeharrt hatten, und wurden sofort erschossen. Was die Männer nicht wussten: Ein Angestellter hatte in dem Gebäude gesessen, in einem Karton versteckt. Dort habe er der Polizei über sein Handy Hinweise auf das Verhalten der Attentäter gegeben, berichteten Medien.

Deutlich tragischer endete die Geiselnahme im Supermarkt "Hyper Cacher" im Norden von Paris . Dort hatte Amédy Coulibaly zusammen mit einem Komplizen gegen 13 Uhr acht Menschen in seine Gewalt gebracht. Drei davon tötete er sofort, später war von vier toten Geiseln die Rede. Rund ein Dutzend Polizisten stürmte das Lebensmittelgeschäft , in dem einige Geiseln in einem Kühlraum Zuflucht gesucht hatten. Das Viertel rund um die Porte de Vincennes war den ganzen Nachmittag im Belagerungszustand: Die Stadtautobahn wurde gesperrt, zur Erstürmung kappte die Polizei den Strom. Auch hier konnte die Polizei wohl die Vorgänge im Geschäft verfolgen, weil Coulibaly Medienberichten zufolge ein Telefon nicht richtig aufgelegt hatte.

Dass Coulibaly hoch gefährlich ist, war den Beamten klar. Der 32-Jährige wurde als "Mörder von Montrouge" identifiziert, also als jener Mann, der Donnerstag in dem gleichnamigen Stadtteil im Süden von Paris eine Polizistin erschoss und einen Mitarbeiter der Stadtreinigung verletzte. Beteiligt soll auch Coulibalys Freundin Hayat Boumeddine gewesen sein, die noch gesucht wird. Die mutmaßlichen "Charlie Hebdo "-Attentäter, die Brüder Kouachi, kannte Coulibaly. Er soll wie Chérif Kouachi den inhaftierten Islamisten Djamel Beghal als Mentor gehabt haben. Beghal und Coulibaly wurden wegen des Anschlags auf eine Regionalbahnstation in Paris 1995 zu Haftstrafen verurteilt. Coulibaly kam vor zwei Monaten frei, während Beghal inzwischen in Isolationshaft sitzt.

Coulibaly und die Kouachi-Brüder planten ihre Taten offenbar ganz genau und bewaffneten sich bis an die Zähne - wahrscheinlich mit der Hilfe weiterer Komplizen. Auffällig ist die Kaltblütigkeit, mit der vor allem das Brüderpaar vorging. "Sie sind nicht gerannt und haben nicht laut gesprochen. Sie haben nicht geschwitzt. Sie machten den Eindruck, als seien sie in einem Einsatz", sagte ein Augenzeuge, dessen Auto die Täter am Mittwoch zur Flucht nutzten.

Auch zwei Tage später verloren die Brüder nicht die Nerven. "Geht weg, wir schießen nicht auf Zivilisten", sagten die 32 und 34 Jahre alten Männer einem Geschäftsmann aus Dammartin-en-Goële, der ihnen über den Weg lief. Offen bekundeten die Brüder ihre Nähe zum Terrornetzwerk Al Qaida. "Wenn dich die Medien fragen, sage ihnen: Das ist Al Qaida aus dem Jemen ", lautete ihre Botschaft an den Autofahrer am Mittwoch. Saïd Kouachi wurde 2011 von Al Qaida im Jemen trainiert.

Präsident Hollande sagte am Abend, die Franzosen dürften sich nicht "auseinanderdividieren" lassen. "Diejenigen, die diese Terrorakte begangen haben, diese Erleuchteten, diese Fanatiker, haben nichts mit der muslimischen Religion zu tun."