Arabische Staaten isolieren Emirat : Ein Sturm fegt über Katars WM-Traum

Das Emirat steht unter Verdacht, Terroristen zu fördern. Erste Staaten brechen den Kontakt ab — und der DFB spricht laut über einen WM-Boykott.

(dpa) Nach außen hin zeigt sich das kleine Emirat Katar gerne als modernes Land, das sich für die Welt öffnet. Der reiche Golfstaat rühmt sich etwa seiner Kunstmuseen, in die unzählige Millionen für berühmte Werke fließen. 2022 will Katar die Fußball-Weltmeisterschaft austragen, als erstes arabisches Land überhaupt. Das Sportereignis soll Höhepunkt einer Kampagne sein, mit der das Emirat seinen Ruf polieren und seinen Einfluss mehren will.

Doch für Kritiker versteckt sich hinter diesem schönen Gesicht die dunkle Seite eines Landes, das seit langem unter dem Verdacht steht, Terrorgruppen zu finanzieren. Auch die Golfnachbarn Saudi-Arabien, die Vereinigte Arabische Emirate (VAE) und Bahrain sowie deren Verbündete Ägypten und Jemen brachten diesen Vorwurf jetzt vor, um alle diplomatischen Kontakte zu Katar abzubrechen – in einer konzertierten Aktion, die die Region in eine schwere Krise stürzt. Auch global.

Am deutlichsten bezog dabei US-Präsident Donald Trump Stellung. Er findet die Isolation Katars richtig – und führt sie auf sein Gipfel-Treffen in Saudi Arabien vor wenigen Tagen mit Staatschefs der arabischen Welt zurück: „Sie haben gesagt, dass sie eine harte Linie einnehmen werden, was die Finanzierung von Terrorismus angeht, und alle Hinweise deuteten auf Katar“, schrieb er auf Twitter. „Vielleicht wird das der Anfang vom Ende des Terrorhorrors sein.“

Möglicher scheint: Die Debatte um Terror-Finanzierung bringt zumindest den WM-Traum des Emirats ins Wanken. Als einer der ersten bringt jetzt der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, bisher nicht gerade als Hardliner bekannt, einen möglichen WM-Boykott der deutschen Nationalmannschaft ins Spiel. Der Rückhalt aus dem Saarland scheint ihm dabei sicher. Franz Josef Schumann, Chef des Saarländischen Fußballverbands, findet: „Sollte das Emirat tatsächlich Terror in der Welt finanzieren, dann ist eine rote Linie überschritten.“ Dann müsse die Fifa reagieren und das Turnier verlegen. Macht sie das nicht, sollte Deutschland ein Zeichen setzen, sagt Schumann, „und die WM in Katar boykottieren“.

In mehreren Medienberichten war dem Golfemirat in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen worden, Terrororganisationen wie den Islamischen Staat (IS) oder Al-Kaida zu unterstützen. Im syrischen Bürgerkrieg gilt es als offenes Geheimnis, dass aus Katar Geld an die radikalsten Gegner von Präsident Baschar al-Assad fließt. Vor allem private Financiers vom Golf sollen sich dabei großzügig zeigen.

Zu diesem Ergebnis kommt etwa ein Bericht der konservativen Foundation for Defense of Democracies aus Washington. Sie kritisierte Anfang des Jahres Katars nachlässige Bemühungen, die Terrorfinanzierung zu stoppen. Es fehle der politische Wille, Terrorgeldgeber auf dem Gebiet des Emirats zu verfolgen.

Doch das Verhältnis zwischen Katar und den anderen Golfstaaten ist schon seit langem angespannt. Nicht zuletzt wegen der Unterstützung Katars für die Muslimbrüder. Vor allem die Herrscher in Riad, den Emiraten und Kairo fürchten die Islamisten und haben diese zur Terrororganisation erklärt. In Doha finden sie jedoch bis heute Zuflucht. Dennoch halten Beobachter den Terrorvorwurf aus dem Mund etwa der Regierung in Saudi-Arabien für wohlfeil. Der Staat sieht sich bis heute dem Vorwurf ausgesetzt, dem IS und auch Al-Kaida den Weg bereitet zu haben. Die in Saudi-Arabien vorherrschende strenge Lesart des Islam, der Wahhabismus, ist eng mit der radikalen Ideologie der Dschihadisten verwandt. Und die anti-schiitische Propaganda des IS hat in Saudi-Arabien viele Anhänger. Damit drängt sich der Verdacht auf, dass für den Abbruch der Beziehungen zu Katar auch andere Motive eine zentrale Rolle spielen. Ende Mai sorgte ein Bericht für Aufsehen, Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani habe ausgerechnet den schiitischen Iran gelobt, den Erzrivalen Saudi-Arabiens. Zwar erklärte Katar schnell, der Bericht sei gefälscht gewesen – doch die Empörung war trotzdem groß. Von Saudi-Arabien finanzierte Medien wie der Sender Al-Arabija begannen eine Kampagne, die ganz und gar kein gutes Haar an Katar ließ.

Mit dem Abbruch der Beziehungen lässt Saudi-Arabien als mächtigster Staat am Golf seine Muskeln spielen. Erneut stellt die Monarchie unter Beweis, dass sie unter König Salman aggressiv ihre eigenen Interessen vertritt, vor allem wenn es um den Iran geht. Auf der Arabischen Halbinsel duldet Saudi-Arabien keinen Widerspruch. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen dürfte Katar trotz seines Reichtums aus Öl und Gas schwer treffen, auch weil die wirtschaftlichen Kontakte davon betroffen sein werden.