1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Inland

Wie groß die Sicherheit von Corona-Schnelltests wirklich ist

Antigen-Tests im Fakten-Check : Wie zuverlässig sind die Corona-Schnelltests?

Inzwischen muss man nicht mehr unbedingt ins Testzentrum: Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch daheim einen Corona-Test machen. Doch wie aussagekräftig sind solche Tests?

Schnelltests von geschultem Personal, Selbsttests aus dem Einzelhandel: Von Beginn der Woche an sollen alle, die es wollen, ohne besonderen Anlass untersuchen können, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind und möglicherweise andere anstecken könnten. Das soll nicht länger als 15 bis 20 Minuten dauern. Kostengünstige Selbsttests und kostenlose Schnelltests sollen rasch überall verfügbar sein – so zumindest der Plan.

Im Saarland plant die Landesregierung für Corona-Schnelltests ein „großes Testzentrum“ in jedem Landkreis (wir berichteten). Damit will das Bundesland die nationale Teststrategie umsetzen. Einen Schnelltest pro Woche zahlt der Bund jedem Bürger ab dem heutigen Montag. So hatten es die Ministerpräsidenten am vergangenen Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verabredet. Nach SZ-Informationen möchte das Saarland nun Schnelltests in den fünf Landkreisen und im Regionalverband Saarbrücken ermöglichen. Als Standorte sind Saarbrücken, Neunkirchen, Homburg, Saarlouis, St. Wendel und Losheim im Gespräch. Daneben möchte das Land schnell Apotheken, Labore und niedergelassene Ärzte für die sogenannten „Bürgertests“ gewinnen.

Antigen-Tests suchen in Abstrich-Proben nicht nach Erbgut wie ein PCR-Test, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für das Virus sind. Die Selbsttests aus Apotheken, Einzelhandel und Discountern sind dabei mit den Schnelltests identisch. Sie müssen aber zunächst selbst bezahlt werden. Aldi startete am Wochenende mit dem Verkauf von Testkits, bei Lidl konnten Online-Bestellungen aufgegeben werden, von Montag an wollten weitere Geschäfte und Drogeriemärkte nachziehen.

Der Vorteil: Die Tests kann man zuhause machen. Das Wattestäbchen muss dabei nicht ganz so tief in die Nase geschoben werden wie bei den herkömmlichen Verfahren. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist auf Studien, wonach bei richtiger Anleitung die Probenentnahme durch Privatpersonen und daraus resultierende Ergebnisse vergleichbar mit der Entnahme durch medizinisches Personal waren. Unsachgemäße Abstriche können die Aussagekraft des Tests stark einschränken.

Der Sinn hinter den schnellen Tests: Neue Corona-Fälle frühzeitig erkennen. Denn der Sars-Cov-2-Erreger hat eine Eigenschaft, die die Pandemie-Bekämpfung erschwert: Infizierte können das Virus auch an andere weitergeben, wenn sie (noch) keine Symptome der Krankheit Covid-19 zeigen. Vor solchen Fällen sollen die Tests schützen helfen.

Doch wie zuverlässig sind die Ergebnisse der Schnellanalysen? Studien zeigen, dass Antigen-Schnelltests prinzipiell weniger zuverlässig sind als die für die offizielle Corona-Statistik berücksichtigten PCR-Tests. Dabei sind zwei Werte bedeutend: die Sensitivität und die Spezifität. Die Spezifität gibt an, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten. Die Sensitivität wiederum gibt den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die tatsächlich korrekt ein positives Testergebnis erhalten.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat Mindestanforderungen für Antigen-Tests festgelegt: Die Spezifität muss über 97 Prozent liegen, das heißt mindestens 97 von 100 Gesunden müssen als solche erkannt werden. Die Sensitivität soll größer als 80 sein, das heißt mindestens 80 von 100 Infizierten muss der Test erkennen. Bei allen sieben Selbsttests (Stand 6.3.), die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang zugelassen hat, liegt die Spezifität den Herstellerangaben zufolge bei mindestens 98 Prozent. Es kann demnach in einigen Fällen zu falsch-positiven Ergebnissen kommen – was sich dann durch die unabdingbare Prüfung durch einen genaueren PCR-Test herausstellt.

Die Sensitivität liegt bei den bisher zugelassenen Selbsttests nach Herstellerangaben und BfArM-Stichproben bei gut 95 Prozent. Das Problem: Die Tests schlagen am besten bei einer hohen Viruslast an. Infizierte mit geringer Viruslast – etwa zu Beginn oder beim Abklingen der Erkrankung – werden möglicherweise nicht entdeckt.

Könnte das dazu führen, dass sich viele Infizierte in falscher Sicherheit wiegen und unbewusst andere Menschen anstecken? Ein Rechenbeispiel: Geht man davon aus, dass in einer Gruppe von 10 000 Getesteten 1000 tatsächlich das Coronavirus tragen, dann könnten mindestens 50 dieser Infizierten im Selbsttest fälschlicherweise ein negatives Ergebnis bekommen. Sie nähmen an, nicht infiziert zu sein – und stecken so womöglich weitere Menschen an.

„Ein negatives Ergebnis im Antigen-Test schließt eine Infektion nicht aus, insbesondere, wenn eine niedrige Viruslast vorliegt“, so das RKI. Auch bei korrekter Durchführung sei es „lediglich weniger wahrscheinlich“, ansteckend zu sein. Zudem sei die Aussagekraft zeitlich begrenzt – schon am nächsten Tag kann das Ergebnis anders sein. Daher ist ein negatives Ergebnis kein Freifahrtschein, die Corona-Regeln zu missachten.