„Dumbo“ soll raus aus der Manege

„Dumbo“ soll raus aus der Manege

Am Thema Wildtiere im Zirkus scheiden sich die Geister. Einige Länder, darunter Hessen und Rheinland- Pfalz, fordern ein Verbot. Ein Antrag soll heute im Bundesrat beschlossen werden.

Vom Kinderliebling "Dumbo", dem fliegenden Elefanten , bis zum Kinofilm "Wasser für die Elefanten ": In der Literatur und auf der Leinwand wurden Zirkustiere oft gefeiert, auch als Menschenfreund. Zwar greift immer mal ein Bösewicht zur Peitsche - meist aber eilt jemand dem Tier zu Hilfe. Doch müssen Wildtiere in Zirkussen nicht gerade vor dem Menschen gerettet werden? Die Länder wollen auf Initiative von Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen einen neuen Anlauf dafür nehmen. Ihre Position: Die Haltung vor allem von Elefanten , Großbären, Giraffen, Nashörnern, Nilpferden und Affen in Betrieben, die die Tiere an wechselnden Orten zur Schau stellen, müsse verboten werden. Mit einem Entschließungsantrag will der Bundesrat die Bundesregierung zum Handeln auffordern. Denn die Länder und Tierschützer sind sich einig: Eine artgerechte Haltung von Wildtieren ist in Zirkussen nicht möglich.

Einen ähnlichen Vorstoß hatte im Saarland im vergangenen Jahr der Illinger Bürgermeister Armin König (CDU ) gemacht: Saar-Kommunen sollten keine Zirkusse mit Wildtieren mehr zulassen. Das stieß bei einigen Amtskollegen auf rechtliche Bedenken: Kommunen könnten nicht Veranstaltungen verbieten, die rechtlich erlaubt seien. König sieht jetzt gute Chancen, dass ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen rechtlich durchzusetzen ist: "Andere europäische Länder haben das längst umgesetzt. Warum sollte das in Deutschland nicht möglich sein?"

Einer Umfrage von YouGov zufolge finden 65 Prozent der Deutschen die Haltung exotischer Tiere im Zirkus moralisch nicht in Ordnung. Weiblichen Elefanten etwa, normalerweise Herdentiere, fehle in Zirkussen meist wichtiger Sozialkontakt, erklärt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Auch die Überwachung der Tierhaltung klappt aus Sicht der Tierschützer nicht. Zwar gäben Zirkusleitlinien vor, wie jedes Tier zu behandeln sei, sagt Schmitz. Diese Leitlinien seien aber nicht rechtlich bindend. Bei 895 Kontrollen von Veterinärämtern wurden nach einer Anfrage der Grünen-Fraktion von 2014 im Jahr 2011 bei der Tierhaltung in Zirkussen 409 Verstöße festgestellt. Ob ein erfolgreicher Entschließungsantrag in der Bundesregierung auf Gehör trifft, ist fraglich. Bereits 2003 und 2011 gab es ähnliche Vorstöße. Das Landwirtschaftsministerium sieht seine Hände aber gebunden: Ein Verbot sei nach dem Tierschutzgesetz nur möglich, wenn die Tiere an wechselnden Orten nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden gehalten oder transportiert werden könnten. Von den Ländern gebe es dazu keine ausreichenden Erkenntnisse.

Ein Verbot wäre aus Sicht der Gesellschaft der Circusfreunde völlig überflüssig. Viele Zirkusse gingen inzwischen längst von sich aus über die Anforderungen der Leitlinien weit hinaus, sagt Präsident Helmut Grosscurth. Außerdem: Wildtiere seien nicht mehr "wild", sagt Keller. Die meisten seien in menschlicher Obhut geboren und hätten andere Anforderungen als ihre wilden Artgenossen. Dem stimmt Tierarzt Jörg Pfeiffer zum Teil zu. Er arbeitet für ein Veterinäramt, das auch Zirkusse kontrolliert. Affen und Bären kann man aus seiner Sicht nicht artgerecht halten. Bei Löwen dagegen wäre das unter bestimmten Umständen möglich. Pfeiffer fordert daher Fortbildungskurse, die eigens für Zirkusse entwickelt werden. Aber: "Ein Verbot für Wildtiere jeglicher Art halte ich nicht für gerechtfertigt", sagt Pfeiffer.