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Leserbrief Zölibat
Es ist Zeit für ein Ende des Zölibats

„Kirchenmänner im Büßerhemd“, SZ vom 26. September, Missbrauchsstudie der kath. Kirche red

Dieses Thema ist ein extrem komplexes. Und ich weiß, wie rigide die kirchliche Obrigkeit mit dem Thema Sexualität schon mit uns Kindern – ich bin 85 – umging. Trotzdem gab es in der kirchlichen Leitung seit frühester Zeit zu diesem Thema ein permanentes Auf und Ab. Zu einer verbindlichen Fassung, den Zölibat betreffend, kam man nach dem Laterankonzil 1139. Dennoch gab es danach weiter eheliche Verbindungen selbst von Päpsten, auch mit Zeugung von Kindern. Tatsache ist, dass die Sexualität ein naturgegebenes Phänomen ist. Dieses Phänomen wird jene, die den Priesterberuf ergriffen haben, nicht unbelastet lassen. Dürften sie verbindlich ein weibliches Wesen um sich haben, wäre eine drückende Last von ihnen genommen und das, was gegenwärtig so unsäglich schmerzt – das unvermeidliche Bekenntnis unserer kirchlichen Oberen, gleich ob Papst Franziskus, Kardinal Marx oder Bischof Ackermann – müsste nicht sein. Ich erinnere mich noch immer an das Kardinal-Meißner-Zitat: „Die katholische Kirche ist keine demokratische Veranstaltung“, was hinreichend zeigt, wie man damit die immer wieder auftretenden Verfehlungen von Priestern in den Mantel des Schweigens gehüllt hat. Meine Empfehlung: Folgt doch der Auffassung des Stadtdekans des Bartholomäusdoms in Frankfurt, der die Freistellung des Zölibats fordert. Und wenn man sich dann vorstellt: Alle verheirateten Pastoralreferenten dürften die Priesterweihe empfangen, dann wäre der extreme Engpass in der Pfarreien-Betreuung deutlich abgemildert. Aber...?


Friedrich Ebert, Wadern