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Neues Bildungsprojekt des Saarlandes
Mehr Angeln und Köder für die Kultur

 Das Projekt „La chanson à l’école“, hier ein Konzert  in Saarbrücken, ist ein Baustein der kulturellen Bildung an den Schulen im Saarland.
Das Projekt „La chanson à l’école“, hier ein Konzert  in Saarbrücken, ist ein Baustein der kulturellen Bildung an den Schulen im Saarland. FOTO: Sparkasse Saarbraºcken, Kt. Nr.: / photo-peter-diersch.de
Saarbrücken. Ein neues Projekt soll die kulturelle Bildung an Schulen des Saarlands fördern. Eine Stiftung gibt 500 000 Euro dazu. Von Tobias Kessler
Tobias Kessler

Von einer „glücklichen Fügung“ sprach gestern Ulrich Commerçon und griff zum Füller. Der saarländische Kulturminister (SPD) unterzeichnete in seinem Ministerium einen Vertrag mit der Mercator-Stiftung, die im Lauf der nächsten drei Jahre ein neues Projekt des Landes mit insgesamt 500 000 Euro fördert. „Kultur_leben!“ heißt es und soll die kulturelle Bildung an saarländischen Schulen nachhaltig stärken.


Commerçon fordert, dass kulturelle Bildung sich nicht nur im  Kunst- und Musik-Unterricht niederschlagen soll, sondern in allen Unterrichtsfächern. „Kultur_leben!“ soll die notwendigen Beratungs- und Fortbildungsangebote auf den Weg bringen. An dessen Ende stehen, hofft Commerçon, Lehrkräfte, die in gewissem Sinn auch Kulturschaffende sind. Ein Mittel dabei ist ein neues „Zentrum für Kulturelle Bildung in Schulen“.

Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, sagte, kulturelle Bildung könne „ein Schlüssel sein, um die derzeit zentralen Herausforderungen – wie die qualitative Gestaltung des Ganztages oder die Notwendigkeit stärkerer individueller Förderung bei zunehmender Vielfalt im Klassenzimmer – erfolgreich anzugehen“.



Den Kontakt zu der unabhängigen Mercator-Stiftung hat Burkhard Jellonnek hergestellt, der Leiter des Landesinstituts für Pädagogik und Medien (LPM). Er betonte, dass man auch und gerade die kulturellen Angebote für Schüler verstärken müsse, die von zuhause aus mit Kultur wenig in Kontakt kämen, vielleicht auch mit ungewöhnlichen Methoden, denn „der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“. Man müsse öfter „dahin gehen, wo es weh tut“. Commerçon hofft auf eine Nachhaltigkeit und auf eine breite Initiative der Schulen, damit er nicht zum Beispiel wie beim „Wortsegel“-Wettbewerb „immer schon weiß, welche Schule mitmacht und mit welchem Lehrer“.

Mit „Kultur_leben!“ sollen Einzelprojekte langfristig gestützt werden, damit sie nicht, wie oft, so Commercon, nach zwei, drei Jahren an eine andere Schule wechseln oder nur „Strohfeuer sind, von denen nur ein Jahrgang profitiert. Wir müssen das alles verstetigen.“ Regionale Kulturnetzwerke und Foren für Erfahrungsaustausch schweben ihm vor, eine stärkere Einbeziehung von Künstlern im Unterricht („die wollen wir aber nicht zu Hilfslehrern ausbilden“), alles eingebunden in einen Kulturfahrplan.

Detailliert vorgestellt wird „Kultur_leben!“ am 27. September bei einem Schulleiterkongress in der Europäischen Akademie in Otzenhausen.