| 20:29 Uhr

Jubiläumskonzert des saarländischen Revueorchesters
Wie alte Gassenhauer wieder auferstehen

  Hahn im Korb: Sänger Martin Herrmann, umgeben von Teilen des saarländischen Revueorchesters & Tänzerinnen des Berliner Revue Balletts .
Hahn im Korb: Sänger Martin Herrmann, umgeben von Teilen des saarländischen Revueorchesters & Tänzerinnen des Berliner Revue Balletts . FOTO: Sebastian Dingler
Saarbrücken. Die zwölfköpfige Combo des saarländischen Revueorchesters 1920 gab am Samstag in der Congresshalle ihr Jubiläumskonzert. Von Sebastian Dingler

Spektakel war am vergangenen Samstag in der Congresshalle angesagt, als das saarländische Revueorchester 1920 sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Nicht nur dass die zwölfköpfige Combo aus dem Vollen ihres Repertoire schöpfte, sprich: die größten Gassenhauer der 20er-Jahre intonierte. Nein, es waren dann auch die eingeladenen Künstler, die dem Ganzen weitere Farbtupfer gaben.


Allen voran die acht Tänzerinnen des Berliner Revue Balletts sorgten für optischen Genuss neben dem akustischen. Sie zeigten den Charleston, ließen die Federboas wippen und schleuderten synchron das Tanzbein nach oben. Auch Sänger Peter Stern mit seinem Ohrwurm-Ensemble, der den zweiten Teil der Show einläutete, verdiente sich viel Applaus der gut 400 Zuhörer mit alten Schlagern wie „Ein Freund, ein guter Freund“.

Den Anfang machten aber die Rosevalley Sisters, die mit ihrem unglaublich dichten Harmoniegesang den Swing der 30er- und 40er-Jahre aufleben ließen. Das galt aber nur für den Stil der Musik, das Material lieferten Popsongs wie „Crazy in Love“ oder „All About That Bass“. Scheinbar mühelos ließen sich diese verjazzen. Kaum zu glauben, dass Jennie Koslowski, Sarah Heinz und Saskia Wrobel in der ländlichen Nordpfalz zusammenfanden und nun diesen Glamour in der Congresshalle versprühten.



 Das Revueorchester 1920 begann mit dem Schlager „Man soll mit dem Feuer nicht spielen“. Den intonierte Sänger Martin Herrmann, der im Laufe des Abends zu immer größerer Form auflaufen sollte. Schön, dass er gar nicht erst versuchte, eine Max Raabe-Imitation abzugeben, sondern genau wie Raabe den Versuch startete, einen (ganz eigenen) Conférencier der 20er-Jahre zu geben, mit Frack, hinter dem Rücken verschränkter Hand und rollendem R. Dazu gehörte auch das herrlich überbordende Selbstbewusstsein, mit dem sich der nicht besonders große und eher unauffällig aussehende Herrmann permanent überhöhte. Etwa wenn er den Song „Schöner Gigolo“ damit ankündigte, er handele von ihm selbst. Es sei überdies eine Legende, dass es keine schönen Männer gäbe, die auch intelligent seien – schließlich stehe er ja hier. Die von ihm gesungenen Lieder hatten die humorvolleren Texte wie „Ich fahr’ mit meiner Klara in die Sahara“ oder „I Can‘t Dance (I Got Ants in My Pants)“, auf deutsch: Ich kann nicht tanzen, ich habe Ameisen in meiner Hose. Sängerin Lisa Helfer war da eher für romantische Songs zuständig wie „Kann denn Liebe Sünde sein?“ oder „Tornerai“, das sie in drei Sprachen sang.

Was aber das Revueorchester in erster Linie auszeichnete, waren dessen unglaublich abwechslungsreichen und pfiffigen Arrangements. Wie beim gelungenen Auftritt eines Komikers jagte da eine musikalische Pointe die andere. Irrwitzige Stopps und Breaks wurden immer wieder eingestreut, die Melodie durch alle Instrumente weitergegeben. Besonders Schlagzeuger Dominik Lauer beeindruckte mit einer schnellen Abfolge von Wirbeln und abgestoppten Beckenschlägen. Aber auch alle anderen Musiker des Revueorchesters meisterten mit Bravour dieses schwierige Material. Das ist schon bemerkenswert und außergewöhnlich, dass es hierzulande eine solche Band gibt – möge sie in zehn Jahren ihr 20-jähriges Jubiläum feiern.